Wissenschaft mit Blitzlicht und Kreppband

Die „Democrazys” in Leck - inklusive Bildergalerie

Die zweite Station des „Democrazy”-Seminars in Leck hielt für die Kieler Studierenden viel Input, interaktives Arbeiten und ein wenig Selbstreflexion bereit. Ein Beitrag mit Bildergalerie (s.u.) von Jördis Logan.

„Nein, wir sind nicht hier um WOW (World of Warcraft) zu spielen“. Unser Seminarleiter Wilhelm Knelangen hat schon bei unserer zweiten Sitzung in Rendsburg klargemacht, dass im Democrazy-Seminar neben einer gemütlichen Atmosphäre auch ein ordentliches Leistungspensum erfüllt werden muss. Nachdem sich die Studierenden in Rendsburg zum Teil erstmalig methodisch ausgetobt haben, steht jetzt in Leck die Blockeinheit „Kritik an der Demokratie“ auf dem Plan. Und zwar zackig. Denn Rendsburg hat zum einen gezeigt, dass Vermittlungsmethoden mitunter etwas Zeit in Anspruch nehmen und  zum anderen deutlich gemacht, dass einige Methoden gut, andere weniger geeignet für bestimmte Lerninhalte sind.

Methoden Leck

Der Spagat zwischen Vermittlungsmethoden und Inhalt

Hinzu kommt, dass in den Politikwissenschaften der Schwerpunkt weder auf pädagogischen, noch auf didaktischen Lehrmethoden liegt, sodass wir Studierenden vor dem Democrazy-Seminar kaum Raum hatten, uns auf diesem Gebiet auszuprobieren. In Leck heißt es deshalb für uns, den Spagat zwischen Vermittlungsmethoden und Inhalt zu optimieren.

„Wenn sie Hunger haben, sind sie heiß. Und schnell“

An einigen Klischees über die Studierenden der Politikwissenschaft scheint im Übrigen etwas dran zu sein – zumindest entsprechen bestimmte Reflexe der Democrazys haargenau den Erwartungen. Sobald nicht „gegendert“ wird, leuchtet die Ampel des Anspruchs politischer Korrektheit knallrot auf. Und die Wahrheit ist, dass es unter PolitikwissenschaftlerInnen keinen falschen Zeitpunkt gibt, um sich über die Legitimation von Auslandseinsätzen auszutauschen. Die sowieso schwerlich zu legitimieren scheinen. Ja, wenn Studierende der Politikwissenschaft aufeinandertreffen, kann es kniffelig werden. Denn wenn sie Hunger haben, sind sie heiß. Und schnell!

Die Köpfe rauchen, die Jungs nörgeln, sie müssen auf’s Klo, haben leere Mägen, sind müde…  Die Mädchen wollen einfach nur noch ihr Feierabendbier genießen und Tischfußball zocken. Doch das muss warten.

Nächste Einheit: Globalisierungskritik

Auch diesmal dürfen der Diskussion keine Grenzen gesetzt werden. Wir erinnern uns: Studierende der Politikwissenschaft sind kritisch!

Um den Einstieg in die Thematik zu erleichtern, hat nun jeder Studierende 20 Sekunden Redezeit in der Blitzlicht-Methode. Ja, jede Methode hat ihren eigenen persönlichen Namen. Das Blitzlicht eignet sich hervorragend für weitläufige Themenfelder und Begriffe, wie in diesem Fall „Globalisierung“. Alle TeilnehmerInnen (Gender!) dürfen nach der Reihe ihre Assoziationen zu der Fragestellung „Was verbindest du mit dem Begriff Globalisierung?“ einbringen. Auf dieser Grundlage gewinnen wir einen ersten Einblick, welches Wissen und welche persönlichen Einschätzungen die KursteilnehmerInnen mitbringen. Sie zeigen sich zwar engagiert, aber auch etwas träge und müde – um sie aus der Reserve zu locken, trifft man die Studierenden am besten an ihrem sensiblen Punkt: Ihrem persönlichen Standing.

Das Thesenspiel

Im Thesenspiel wird die Seminargruppe in zwei Gruppen aufgeteilt. Beide Gruppen bekommen jeweils eine These zur Thematik. Ihre Aufgabe ist es, im ersten Schritt eine Gegenthese zu formulieren und Argumente für These und Antithese zu sammeln und zu diskutieren. Von Vorteil ist es, möglichst kontroverse Thesen zu formulieren, denn je deutlicher die Meinungen auseinandergehen, desto eher kommt die Methode und damit auch eine spätere Diskussion in Gang.

Im nächsten Schritt wird eine Linie aus Kreppband durch den Raum gezogen. An den Enden der Linie befinden sich These und Antithese von einer der beiden „Experten“-Gruppen. Ziel ist es nun, die andere Gruppe, die sich mit einer anderen These auseinandergesetzt hat, mit den gesammelten Argumenten zu überzeugen. Die Kleingruppe der „Nicht-Experten“ für diese These und Gegenthese ist aufgefordert sich auf dem Punkt der Linie zu positionieren, an dem sie sich zunächst selbst verorten würden. Also an dem sie spontan mit der These bzw. Gegenthese übereinstimmen. Während die Studierenden, die bereits Argumente für These und Antithese gesammelt haben (die Experten), diese abwechselnd nennen, können die Studierenden an der Linie, ihre Positionen verändern. Je nachdem ob die Argumente stark genug sind, um von der ursprünglichen Position abzuweichen. Anschließend kann im Plenum diskutiert werden. Im Weiteren werden die These und Gegenthese der anderen Expertengruppe an die Enden der Linie gelegt, sodass sie nun als Experten ihrer Thesen,  unvoreingenommene Kleingruppe bittet sich an der Linie je nach Übereinstimmung zu positionieren. Auch hier kann abschließend im Plenum diskutiert werden.

Verbindung der Methoden

Besonders spannend ist es, am Ende der Einheit noch einmal auf die Blitzlicht-Methode zurück zu kommen. Im besten Fall haben SeminarteilnehmerInnen erste Assoziationen und Einstellungen zu der Thematik während des Thesenspiels überdacht. In jedem Fall haben sie aktiv an der Auseinandersetzung mit der Globalisierungskritik teilgenommen und sind nun in der Lage, Argumente für eine These zu finden, die sie selbst möglicherweise gar nicht vertreten (wollen). Das ist nicht nur für Studierende der Politikwissenschaften eine wichtige Erfahrung, denn gut informiert zu sein heißt, sich mit sämtlichen Seiten eines Themas auseinanderzusetzen.

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