Mit Perspektivwechsel und Realwelt-Erfahrungen zum Lernerfolg

Service Learning für Lehramtsstudierende am ZfL

Die Perspektive wechseln, um Einblicke in gesellschaftliche Brennpunktthemen zu gewinnen. Dabei aktiv an Problemlösungen mitwirken und konkrete Erfahrungen für die Berufspraxis sammeln. Das klingt zunächst nicht nach einer Uni-Lehrveranstaltung, oder? Ein Blog-Beitrag von Mark Müller-Geers.

Das Zentrum für Lehrerbildung der CAU (ZFL) hat eine ganze Reihe von zertifizierten Service Learning-Veranstaltungen im Angebot. All diese Kurse setzen auf eine Lehr- und Lernstrategie, die (bürgerschaftliches) Engagement mit Instruktionen und Reflexionen verknüpft, um so eine intensive Lernerfahrung zu schaffen. Service Learning bietet die Möglichkeit Lernen zu kombinieren mit der Wahrnehmung von Verantwortung und der Stärkung der Gemeinschaft. Sowohl im schulischen Bereich als auch in der Hochschullehre werden in Deutschland derzeit immer mehr Service LearningAngebote geschaffen. Dieser Trend rührt nicht zuletzt daher, dass Service Learning auch zum didaktischen Repertoire zählt, um Kompetenzentwicklung im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung zu fördern. Die Lernprozesse sind bei vielen Service Learning-Veranstaltungen geprägt von einem Wechsel aus weitgehend selbständiger eigenaktiver Bearbeitung real existierender Aufgaben aus dem jeweiligen beruflichen bzw. gesellschaftlichen Kontext und reflexiv-metakommunikativen Phasen.

Zwei aktuelle Beispiele am ZFL sind die Zertifikate Deutsch als Zweitsprache (DaZ) und Erlebnispädagogik.

 

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Der freiwillige Unterricht in einer DaZ-Klasse war eine bereichernde Erfahrung für die teilnehmenden Lehramtsstudierenden, Organisatorin Melanie Korn (oben links), Schuldirektor Norbert Czysewski (Mitte links) sowie Lehrerin Eylem Çetinöz (unten links). Foto/Copyright: Raissa Nickel, Uni Kiel

 

Der Unterricht von Deutsch als Zweitsprache ist deutschlandweit in vielen Schulen auf dem Vormarsch – eine logische Entwicklung angesichts steigender Flüchtlings- und Asylantragszahlen. Im Rahmen der DaZ-Lehrveranstaltung des ZFL haben von April bis Juli 2014 vierzehn Lehramtsstudierende der CAU einmal die Woche die Sprachförderungen von zwölf Schülerinnen und Schüler individuell betreut. Die 11- bis 17-Jährigen Schülerinnen und Schüler hatten überwiegend einen Flüchtlingshintergrund. Neben der sprachlichen Förderung ermöglicht das direkte Miteinander den kulturellen Austausch und schafft neue Erfahrungen.

Das ZfL biete mit seinen praxisnahen Workshops und Zertifikatsveranstaltungen ein außerplanmäßiges Lehrangebot am Puls der Zeit, erklärt Organisatorin Melanie Korn: „Uns ist wichtig, das Ganzheitliche zu sehen, die Schicksale dahinter. Die Kinder kommen nach Deutschland und stolpern hier in eine fremde Sprache. Wir wollen ihr Potenzial stärken und vor dem Stolpern an die Hand nehmen. … Für unsere Studierenden sind die Eindrücke mitunter sehr gravierend. Aus erster Hand von Kindern über Vertreibung, Flucht und neues Leben in der „Fremde“ zu hören, sind bewegende und einschneidende Erfahrungen.“

Lehrerin und Leiterin des DaZ-Zentrums Eylem Çetinöz weiß die Unterstützung der Kieler Studentinnen und Studenten zu schätzen: „Viele wussten nicht, was sie erwartet, doch sie haben sich der Herausforderung gestellt. Wir merken, wie gerne die Schüler lernen. Die Kinder und ich sind sehr dankbar, dass die Studierenden einmal die Woche eine Eins-zu-Eins-Betreuung ermöglichen.“

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