Lehrmaterial frei nutzen, teilen, weiterentwickeln

Open Educational Resources und Practices in der Hochschullehre

Lehrmaterialien teilen, sie kostenlos zur Verfügung, Wiederverwendung oder sogar zur Veränderung freigeben – all das folgt, genau wie lizenzfreie Software, dem „Open Source“-Ideal. Im Bildungskontext haben sich die Begriffe „Open Educational Resources“ (OER) und „Open Educational Practices“ (OEP) für freie Materialien und deren Nutzung durchgesetzt. Hier erfahren sie mehr über OEP und OER im Hochschulkontext.

Text: Leona Kruse & Philipp Marquardt,
PerLe – Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen

Kostenfreie Lizenzmodelle, um Software frei wiederverwendbar zu nutzen, zu teilen und beliebig weiterentwickeln zu können, wurden bereits in den 1970er und 80er Jahren konzipiert, beispielweise an US-amerikanischen Universitäten wie der University of California, Berkeley (BSD-Lizenz) oder dem Massachusetts Institute of Technology (MIT-Lizenz). In der Welt der Software hat sich diese Art der Lizenzierung mittlerweile durchgesetzt. Eine solche Erfolgsgeschichte könnte sich nun bei den Open Educational Resources (OER) wiederholen. Institutionen wie die UNESCO [vgl. Paris OER Declaration 2012] und das BMBF [vgl. BMBF Bekanntmachung (2016)] fördern einen solchen freien Zugang zu Bildungsmaterialien.

OER bieten die Chance, Lehren und Lernen gleichermaßen zu verbessern. Auch Lehrende können durch die Öffnung der eigenen Lehre über das bloße Material hinaus profitieren. Open Educational Practices (OEP) können die Lehre verbessern, indem die Lehrenden die Rahmenbedingungen der Lehrveranstaltung didaktisch offen, partizipativ und transparent gestalten. OEP zielen darauf ab, dass die Lernenden selbst freie Bildungsmaterialien (OER) erstellen. Die Lernenden nehmen beim Konzept der OEP eine aktive Rolle ein, arbeiten selbstbestimmt und werden von den Lehrenden dabei begleitet.

Auseinandersetzung mit dem eigenen Rollenverständnis vorausgesetzt

Allerdings erfordert die offene Lehr- und Lernpraxis von den Hochschullehrenden eine Auseinandersetzung mit dem eigenen akademischen Habitus und dem eigenen Rollenverständnis in der Lehre. Offenheit führt dazu, dass Lehrinhalte und -materialien in der wissenschaftlichen Community sichtbar und diskutierbar werden. Dies ermöglicht eine Art Qualitätsmanagement, sowohl durch die Lernenden innerhalb der Lehrveranstaltung als auch in der jeweiligen Fach-Community. OER können dadurch optimiert und für unterschiedliche Anwendungsszenarien weiterentwickelt werden.

Eine etablierte Fehlerkultur und didaktisches Wissen helfen bei der Umsetzung offener Lehrpraktiken. Ein Einstieg kann über die Nutzung bereits vorhandener OER oder durch die Erstellung eigener OER erfolgen. Darüber hinaus ist die gemeinsame Erstellung solcher Materialien mit Studierenden in einer offenen partizipativen Arbeitsweise möglich.

Freies Material erstellen – leichtgemacht

Neben den didaktischen Fragestellungen entstehen sofort auch rechtliche Fragestellungen über freie Lizenzen, Nutzungsrechte und den Zugang zu freien Materialien und Bildern.

Anhand der sogenannten Creative Commens-Lizenz, die mit „CC“ am Anfang und einer nachfolgenden Buchstabenkombination gekennzeichnet ist, können die Rechte für eigene Materialien vergeben werden. Dadurch entscheiden die Lehrenden und Studierenden selbst, ob sie ihre Materialien zur freien und beliebigen Verwendung bereitstellen oder ob sie die kommerzielle Nutzung oder die Bearbeitung ihres Materials ausschließen.

 

„Welches ist die richtige CC-Lizenz für mich?“ (Grafik von Barbara Klute und Jöran Muuß-Merholz für wb-web unter CC BY SA 3.0)

 

Hilfe bei der Entscheidung, welche Lizenz Sie verwenden möchten, gibt Ihnen nachfolgende Grafik. Kennzeichnen Sie Ihre Materialien (Texte, Bilder, Videos u. a.) mit dem auf der rechten Seite dargestellten Lizenzierungsschlüssel. So können die Materialien unter den von Ihnen gewünschten Bedingungen rechtssicher von Dritten weiterverwendet werden.

 

Weiterführende Links

 

Beispiel für OER-Material

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.