Berufsorientierung mit vielen Facetten

PerLe setzt neues Format für Biologie-Studierende um.

Studierende der Biologie können ganz unterschiedliche Berufswege einschlagen, wenn sie ihren Abschluss in der Tasche haben. Im Fachstudium stehen Berufsperspektiven außerhalb der Universität jedoch nur selten auf dem Lehrplan. Deshalb hat das Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) jetzt gemeinsam mit der Sektion Biologie die „Blockwoche Berufsorientierung Biologie“ ins Leben gerufen.

Text: Eva-Lena Stange (Studentin/PerLe)

Mitten in den Semesterferien herrscht im Seminarraum geschäftiges Treiben. Halb fertige Poster liegen auf den Tischen verteilt, an denen Gruppen von drei bis vier Studierenden die letzten Vorbereitungen für ihre Präsentationen treffen. Für Jonas Quast und seine Mitstudierenden bedeutet das, auch das Telefon zu zücken und bei „Yeşil Çember“ anzurufen, einer Organisation, die sich für die Umweltbildung von türkischen Migranten und Migrantinnen einsetzt. Vor einer Stunde haben die Gruppen Zettel mit nichts weiter als dem Namen eines Unternehmens bekommen. Nun versuchen die 26 Studierenden, möglichst viel über die unterschiedlichen Firmen in Erfahrung bringen, um den anderen Teilnehmenden anschließend das jeweilige Geschäftsfeld des Unternehmens zu präsentieren. Die Aufgabe war Teil einer von vielen Seminareinheiten, bei denen die Studierenden sich aktiv mit für Sie persönlich interessanten Berufsbereichen und realen Karrierewegen auseinandersetzen konnten.

 

 

„Über die Karriere in der universitären Forschung erfährt man im Laufe des Studiums schon einiges, über das, was außerhalb der Uni wartet aber fast gar nichts“, sagt Jonas Quast, der im ersten Mastersemester Biologie studiert. Das soll sich durch das neue Blockseminar ändern. Die Berufsfeld-Recherche ist dabei nur einer von vielen abwechslungsreichen Programmpunkten. Einen Überblick über den Arbeitsmarkt im Feld der Biologie lieferte der Vortrag von Dr. Carsten Roller, dem Ressortleiter „Ausbildung und Karriere“ beim Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO e.V.). „Das hat mir persönlich bei einigen konkreten Fragen, die ich hatte, viel gebracht“, sagt Seminarteilnehmerin Annica Gosch rückblickend. Sie studiert im dritten Mastersemester Biochemie und Molekularbiologie – und kann sich gut vorstellen, später in einem Kriminallabor Spuren von Tatorten auszuwerten.

 

„Besonders gut fand ich fast alle Seminarteile, bei denen externe Personen ihre Berufsfelder vorgestellt haben, da waren viele spannende Sachen dabei.“

Teilnehmerin Annica Gosch

 

Um möglichst greifbare Einblicke zu liefern, fanden im Laufe der Woche Vorträge von Biologinnen und Biologen aus ganz verschiedenen Branchen statt: Ob im industriellen Labor bei Euroimmun, im Umweltbereich bei der Stiftung Naturschutz SH oder der Kampagnenarbeit bei Greenpeace, im Biotech-Start-Up Schnexagon oder im Forschungs- und Consultingbüro BioConsult: Die Referentinnen und Referenten berichteten aus ihrem beruflichen Alltag und von den individuellen Wegen, die sie letztlich zu ihren Jobs geführt haben.

Insgesamt war die Woche als Wechselspiel gestaltet aus Austausch- und Reflexionsformaten, aus thematischen Impulsen zur Arbeitswelt der Zukunft sowie aus konkreten Arbeitswelteinblicken durch die externen ReferentInnen. Zudem setzen sich die Seminarteilnehmenden gezielt mit ihren persönlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten hinsichtlich ihrer künftigen Berufswege auseinander.

 

 

Diskussionen über aktuelle Trends auf dem Arbeitsmarkt für Biologinnen und Biologen und gesellschaftliche Fragen zogen sich als roter Faden durch die Woche: Was will ich eigentlich in meinem Beruf erreichen? Kann ich meine Arbeit –  in der Biologie gerade im Hinblick auf Tierversuche – ethisch vertreten und begründen? Wie beeinflusst die Digitalisierung das Arbeitsleben und wie kann Nachhaltigkeit auch im Beruf erreicht werden? In mehreren Workshops diskutierten die Teilnehmenden in wechselnden Gruppenkonstellationen miteinander und arbeiteten ihre persönlichen Gedanken zu Herausforderungen, Möglichkeiten, aber auch persönlichen Grenzen heraus. „Diese Mischung ergibt Sinn, denn darüber möchten wir den Studierenden die Möglichkeit geben, möglichst ganzheitlich über ihre Berufswahl reflektieren zu können“, sagt Rouven Keller, der gemeinsam mit Mark Müller-Geers (beide PerLe) den Seminarplan ausgearbeitet hat.

 

Berufsorientierung mit individueller Tiefenschärfe

Die abschließende Seminaraufgabe diente schließlich der ganz persönlichen Berufsorientierung: Alle Teilnehmenden sollten ein Interview mit einer Person führen, die in einem biologischen Beruf arbeitet, um ein Berufsportrait zu verfassen. Eine Aufgabe, die nebenbei die Möglichkeit birgt, Kontakte in Richtung Traumjob zu knüpfen. Davon profitierte auch Teilnehmer und Biologie-Masterstudent Marco Ebeling, denn er wollte gern „auch außerhalb der Uni Kontakte knüpfen. Ich weiß zwar, dass ich im Labor arbeiten möchte, aber ob Uni oder Industrie, da bin ich mir noch nicht sicher“, verrät er.

 

In der letzten Septemberwoche 2018 findet eine zweite Auflage der Blockveranstaltung statt, dieses Mal für Studierende mit Interesse an Bio- und Meereswissenschaften. Noch bis zum 3. Juni können Interessierte sich anmelden. Weitere Informationen und der Link zur Anmeldung sind hier im UnivIS zu finden

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