Planspiel: „Klassenkonferenz“

Praxissituationen erproben

Auf einer simulierten Klassenkonferenz verhandeln angehende Pädagog_innen über die Versetzung eines Schülers: Die Master-Studentin Lilith Feyen beschreibt am konkreten Beispiel, wie sich Planspiele in die Lehre einbinden lassen.

Text: Lilith Feyen (Studentin)

In dem Begleitseminar zur Vorlesung Einführung in die empirische Bildungsforschung haben wir in der Sitzung zum Thema Klassenwiederholung ein Planspiel durchgeführt, das mich begeistert hat. Eine schöne Methode, um die Studierenden in eine simulierte Realität eintauchen zu lassen.

Kurzbeschreibung

Ziel des Planspiels ist es, eine Praxissituation zu simulieren. Dabei werden eigene Erfahrungen gesammelt, um einen realistischen und praxisbezogenen Einblick in eine bestimmte Problemstellung zu bekommen und diese nach dem Spiel zu reflektieren und zu bewerten.

Ablauf eines Planspiels*

* nach der Methodenbar der Universität Duisburg-Essen (pdf)

I. SPIELEINFÜHRUNG

  • Das Planspiel – sowie die fürs Planspiel relevanten Rollen – werden vorgestellt.
  • Fragen zum Verständnis werden geklärt.
  • Falls mehrere Personen eine gleiche Rolle übernehmen, werden diese in Arbeitsgruppen aufgeteilt.
  • Die Problemsituation wird geschildert; Materialien werden bereitgestellt.

 

II. INFORMATIONS- UND LESEPHASE

  • Studierende mit der gleichen Rolle setzen sich zusammen.
  • Die Rollenkarten, die den Teilnehmer/innen spezifische Rollen übertragen, werden verteilt.
  • Informationen werden bereitgestellt – entweder über einen Vortrag/ein Referat oder durch Anlesen.

 

III. MEINUNGS- UND STRATEGIEPLANUNG INNERHALB DER GRUPPE

  • Die Informationen werden gruppenintern ausgewertet, danach wird die Ausgangssituation analysiert.
  • Handlungsoptionen sollen innerhalb der Gruppe besprochen und diskutiert, sowie möglichst kreative Ideen und Strategien entwickelt werden.

 

IV. INTERAKTION ZWISCHEN DEN GRUPPEN

  • Die Gruppen agieren (Versenden von Briefen und Faxen an die übrigen Gruppen, Besuche, das Führen von Gesprächen und Verhandlungen) und reagieren ebenso auf die Anfragen der anderen Gruppen.
  • Durch Ereigniskarten können gezielt Impulse und Veränderungen ins Spiel eingebracht werden.

 

V. VORBEREITUNG EINER KONFERENZ

  • Die Gruppe trägt intern ihre Ergebnisse zusammen und verarbeitet/bewertet in dieser Phase ihre erreichten Ergebnisse.
  • Es wird der Verlauf des Plenums geplant, die zu vertretenden Positionen besprochen, mögliche Argumente und Strategien, sowie die Einstiegsstatements bestimmt.

 

VI. DURCHFÜHRUNG EINES PLENUMS/EINER KONFERENZ

  • In dieser Phase werden die Ergebnisse einer jeden Gruppe vor dem Plenum zusammengetragen und durch die Gruppensprecherin bzw. den Gruppensprecher, bzw. unterstützend durch die Gruppenmitglieder präsentiert.

 

VII. SPIELAUSWERTUNG

  • In dieser Phase werden Zusammenfassungen und Analysen zum inhaltlichen, aber auch formalen Spielverlauf vorgenommen, wobei die Teilnehmer_innen den Spielverlauf und die erzielen Spielergebnisse reflektieren und anschließend konstruktiv Kritik äußern sollen.

 

 Praktisches Beispiel aus unserem Seminar

Das Planspiel, welches wir während des Seminars durchgespielt haben, bezog sich auf das Thema Klassenwiederholungen. Die Problemstellung für unser Planspiel war wie folgt: Ein Schüler der in den Fächern Deutsch und Mathematik unbefriedigende Leistungen erbracht hat, ist versetzungsgefährdet. Aufgrund dessen wird eine Klassenkonferenz angesetzt. Diese Konferenz haben wir im Planspiel simuliert.

Zeugnis

Es wurden die Rollen des Vaters, der Mutter, der Schülervertretung, der Lehrkräfte und des Schuldirektors verteilt (zwei Personen pro Rolle). Die Aufgabe war es sich auf Grundlage von Argumenten aus den (bereits im Vorfeld gelesenen) wissenschaftlichen Texten in die Lage der Rollen zu versetzen und Positionen und Gründe für oder gegen das Sitzenbleiben zu finden. In der anschließend gespielten Konferenz galt es, eine Entscheidung bezüglich der Versetzung des Schülers zu treffen.

Reflexion

In der Umsetzung haben wir die Schritte vier und sieben nicht umgesetzt. Dadurch haben Informationen zu den Standpunkten der anderen Rollen gefehlt und wir haben am Anfang erst einmal ins Blaue hinein argumentiert. Auch wäre es gut gewesen, wenn wir vor allem zu dem Schüler noch mehr Informationen bekommen hätten, um die schlechten Noten und die damit verbundene Versetzung oder nicht Versetzung besser begründen zu können.

In diesem Planspiel ist mir vor allem deutlich geworden, dass viel mehr als nur die Notenleistung eines Schülers (z. B.: Kosten für die Schule, Sozialverhalten, Einstellungen der Lehrkraft) Einfluss auf dessen Versetzung hat. Eine sehr schöne Methode um mich auf das spätere Berufsleben als Pädagogin vorzubereiten.

 

Weiterführende Links

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.