Wie man mit Planspielen das Referat revolutioniert

Studierende im Seminar „Save the World“ zeigen wie es geht

Häufig beschränken sich Referate an der Uni auf eine reine Wissenswiedergabe. Am Institut für Politikwissenschaften wollte Dozentin Dr. Berenike Prem diese Struktur ein wenig aufbrechen. In ihrem Seminar „Save the World“ zeigt sie Studierenden alternative Möglichkeiten, wie sie ein wissenschaftliches Thema aufbereiten können. Ihr vorrangiges Ziel dabei: den Unterricht möglichst interaktiv gestalten.

Text: Mirjam Michel (Studentin/PerLe)

 

Die Studierenden haben die Aufgabe, selbst eine rund 15- bis 30-minütige Gruppenarbeitsphase anzuleiten. Zu diesem Zweck können sie zwischen verschiedenen Formen der Moderation wählen. Im Fokus soll die aktive Teilnahme der Studierenden an der Wissensproduktion und der Gestaltung des Seminars stehen. Gleich zu Beginn des Semesters stellt Prem verschiedene Moderationsformen vor und bietet Raum für Kreativität: von Gruppenarbeiten mit Fallbespielen und der Arbeit mit Texten über die Analyse von Karikaturen oder Pro-Kontra-Debatten bis hin zum Planspiel. „Der Vorteil bei dieser Seminarform ist, dass die Studierenden selbst Verantwortung für das Seminar übernehmen. Das wirkt wie eine Art Pull-Faktor: Die Studierenden sind auf andere Leute angewiesen, wenn sie in einer Seminarstunde moderieren. Viele Studierende kommen dann auch aus Solidarität mit den anderen zum Seminar“, meint Berenike Prem. Das Konzept ihrer Moderationen erarbeiten die Studierende weitestgehend selbst. Die Dozentin steht ihnen dabei unterstützend zur Seite und gibt wertvolle Tipps. Um inhaltliche Fragen zu klären und einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, besprechen die jeweiligen Gruppen ihre Ideen eine Woche vorher noch einmal mit der Seminarleiterin.

Die Moderationsgruppe um Studentin Laura Kuballa fragte sich „wie Bürgerkriege enden“, und entschied sich, dieses Thema im Rahmen eines Planspiels zu bearbeiten.  Simuliert wurden dafür Friedensverhandlungen für den Konflikt in der Ukraine.

Inhalte erarbeiten, diskutieren und mit Erfahrungswissen verknüpfen

Zunächst werden die wissenschaftlichen Konzepte und die Theorie aus der Basislektüre zu dem Thema ‚Bürgerkriege‘ kurz von der Moderationsgruppe vorgestellt und besprochen. Als Hintergrundwissen präsentieren sie ihren Kommilitonen zudem den geschichtlichen Hintergrund des Konflikts und geben mithilfe von Statements der beteiligten Konfliktparteien Anhaltspunkte für deren Positionen. Vertreten sind Russland, die USA, die Europäische Union, die Ukraine und die Akteure aus den beiden selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk in der Ostukraine. Nun sind die Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer gefragt: Anhand der Präsentation mit einer Timeline des Konfliktes und der Basislektüre, die sie im Vorhinein gelesen haben, sollen sie sich in ihre Rolle einfinden. Dazu finden sie sich in Gruppen zusammen, um eine gemeinsame Position für das Land oder den Akteur zu finden, die sie vertreten. Was fordern wir? Mit welchen Argumenten gehen wir in die Verhandlungen? Wie könnte eine potentielle Lösung des Konfliktes aus unserer Sicht aussehen? All diese Fragen müssen die Gruppen im Vorhinein geklärt haben, damit sie geschickt verhandeln können. Über informelle Gespräche mit anderen Akteuren, können sie zudem bereits ausloten, wo Überschneidungen sind und welche potentielle Verbündeten es gibt.

In der anschließenden UN-Versammlung kommen die Vertreterinnen und Vertreter der Konfliktparteien zusammen, um sich über die Lösungsvorschläge zur Beilegung des Konfliktes auszutauschen. Nachdem das Setting durch einleitende Worte zu dem Kontext der UN-Generalversammlung etabliert ist, stellen alle Akteure ihre jeweiligen Positionen vor. Im Anschluss beginnt die Diskussionsrunde. Im Zentrum steht die Frage, welche Akteure als Sicherheitsgarantiemächte fungieren können. Könnte es trotz seiner Rolle als Konfliktpartei Russland sein? Was würde die Ukraine dazu sagen? Das Planspiel dient dabei auch dazu, die Thesen der wissenschaftlichen Basislektüre zu hinterfragen. In dem wissenschaftlichen Text wird die Hypothese aufgestellt, dass eine Garantiemacht nicht unbedingt unabhängig sein muss, also auch Interessen in der Region haben kann. In der Simulation zeichnet sich dagegen schnell ab, dass die Ukraine mit einer Sicherheitsgarantie durch Russland nicht einverstanden wäre. Das Team um Laura Kuballa fast die erreichten Ziele noch einmal in einer Art Beschluss zusammen. In der anschließenden Reflexionsphase spricht Dozentin Prem mit den Studierenden auch über Inkonsistenzen in der Rolle, um einen Vergleich mit der realen Situation herzustellen und die Ergebnisse der fiktiven Verhandlungen auf die wissenschaftliche Literatur zurückbeziehen.

Laura Kuballa zieht ein positives Resümee der Simulation: „Es hat sehr gut geklappt. Ich bin begeistert wie sehr alle in ihrer Rolle aufgegangen sind und die Positionen vertreten haben.“ Auch Dozentin Prem ist überzeugt: „Mithilfe eines Planspiels zu einem aktuellen Thema können Studierende wissenschaftliche Inhalte mit ihrem Erfahrungswissen verknüpfen. So erkennen sie, dass sie nicht nur für eine Klausur oder eine Hausarbeit lernen, sondern auch um Konflikte, über die sie jeden Tag in der Zeitung lesen, besser zu verstehen.“

 

Kontakt

Dr. Berenike Prem
Wissenschaftliche Mitarbeiterin / Erasmus-Beauftragte Politikwissenschaft
Telefon: +49 431 880-1038
bprem@politik.uni-kiel.de

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