Polnische Kultur zum Anfassen!

Workshops mit Persönlichkeiten der polnischen Kulturwelt

Berufsorientierung, exklusive Praxiseinblicke nebst sprachlichem sowie interkulturellem Training: Ein Lehrprojekt am Institut für Slavistik hat Persönlichkeiten der polnischen Kulturwelt für abwechslungsreiche Workshop-Wochenenden an die CAU geholt.

Dieses Projekt wurde durch den PerLe-Fonds für Lehrinnovation gefördert.

 

Das Interesse am Unterricht mit einem „Promi zum Anfassen“ war seitens der Kieler Studierenden groß – hier erklärt der Moderator Bartek Jędrzejak seine Arbeitsmethoden bei einer sog. „Live-Schaltung“.

 

Text: Damian Mrowiński, M. A. & Dr. Tomasz Lis
(Projektinitiatoren)

Prominente Gäste im Sprachunterricht kommen gut an

Das Projekt bestand aus zwei Workshops mit Persönlichkeiten der polnischen Kulturwelt und richtete sich primär an Studierende der Fächer „Slavische Philologie“ mit der Spezialisierungsvariante „Polonistik“ sowie des Masterstudienganges „Interkulturelle Studien: Polen und Deutsche in Europa“. Für die Vorträge konnten der Journalist und Fernsehmoderator Bartek Jędrzejak sowie die namhafte Krakauer Schriftstellerin Zośka Papużanka gewonnen werden.

Im Rahmen des Projekts waren im Sommersemester 2016 zwei Treffen – einmal mit der Referentin, einmal mit dem Referenten – an je einem Wochenende vorgesehen. Das Konzept für die Veranstaltungstage sah in erster Linie zwei fachbezogene Blöcke zu den vorbereiteten Themen (2 x 90 Min.) vor. Bartek Jędrzejak leitete im Mai einen abwechslungsreichen Workshop zum Thema „Fernsehjournalismus” und an einem Juni-Wochenende fand der multimediale Workshop mit Zośka Papużanka zum „Bild der polnischen Familie im modernen polnischen Drama“ statt. Die sorgfältige Auswahl der Referentin und des Referenten (bekannte Persönlichkeiten aus der polnischen Kultur- und Medienwelt mit didaktischer Erfahrung) steigerte zweifelsohne den Attraktivitätsgrad der Workshops und somit auch die Motivation der Studierenden, sich hieran aktiv zu beteiligen. Die Resonanz erfüllte ganz die Erwartungen der Organisatoren – insgesamt haben 30 Studierende teilgenommen.

Methodische Überlegungen

Im Vorfeld der Veranstaltungen wurde die Workshop-Thematik vorbereitend im regulären Unterricht unter ständiger Rücksprache mit den beiden polnischen Gästen behandelt. Ferner haben interessierte Studierende organisatorisch mitgewirkt (Beschaffung zweisprachiger Quellen, Anfertigung kleinerer Übersetzungen, polnischsprachige Internet-Recherche, polnischsprachige Moderation der Diskussionsrunde, Verfassen von zusammenfassenden Berichten in polnischer Sprache). Dadurch war der didaktische Wert der beiden Workshops immens und bot den Teilnehmenden eine abwechslungsreiche Vertiefung der fachbezogenen Studieninhalte. Durch die aktive Teilnahme der Studierenden bei der Vorbereitung der Workshops konnten sie sich auf das Treffen mit den eingeladenen Kulturschaffenden und auf die von ihnen vorgestellten Themen einstellen. Dementsprechend haben die Teilnehmenden während der Workshops Inhalte besprochen und Fragen gestellt, die von den Studierenden schon im Vorfeld reflektiert und durchdacht worden waren. Die ganze Maßnahme hat sich also an den tatsächlichen Interessen der TeilnehmerInnen und an ihren Lernbedürfnissen ausgerichtet.

 

Zośka Papużanka hatte bei ihrer Ankunft in Hamburg ihren neuesten Roman „On“ im Gepäck.

 

Hervorzuheben ist hier primär der enorme sprachliche Nutzen: Die Veranstaltungen fanden ausschließlich in polnischer Sprache statt. Damit hatten die fortgeschrittenen Polnisch-Lernenden und bilinguale Polonistik-Studierende die Möglichkeit, ihre im Studium erworbenen Polnischkenntnisse im kreativen und interaktiven Unterricht mit den polnischen Gästen einzusetzen. Zeitgleich wurden hierbei mehrere sprachliche Fertigkeiten (Hör- und Leseverstehen, Textproduktion und mündlicher Ausdruck) intensiv trainiert. Für Studierende des internationalen Master-Studienganges „Interkulturelle Studien: Polen und Deutsche in Europa“ ist ein derartiges Zusatzangebot als eine Art sprachliches und interkulturelles Training für das ihnen bevorstehende obligatorische Auslandssemester an der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań anzusehen.

 

Viele der Teilnehmenden beider Workshops – hier mit der Schriftstellerin Zośka Papużanka – betonten den enormen sprachlichen Nutzen dieses Zusatzunterrichts. Es wurde ausschließlich auf Polnisch gearbeitet – die Referentin und der Referent wurden im Vorfeld für die Spezifika der Sprache von fortgeschrittenen und bilingualen Polnisch-Lernenden sensibilisiert.

 

Abgerundet wurde jeder Workshop durch ein anderthalbstündiges Gespräch über die Berufsbilder der Eingeladenen sowie über Chancen und Herausforderungen der geisteswissenschaftlichen Berufswege. Dabei wurden auch die sogenannten „Soft Skills” vermittelt. Der intensive Kontakt zu den polnischen Gästen aus dem jeweiligen Kulturbereich bot den Studierenden zudem die Möglichkeit, Praktikumsplätze in den repräsentierten Kultur- und Medien-Einrichtungen (z.B. Fernsehsender, Verlagshäuser) zu finden. Die Referentin und der Referent haben hierbei eine Mentorenrolle für interessierte Studierende eingenommen. Die polnischsprachigen Veranstaltungen verbanden somit Theorie und Praxis.

Fazit und Ausblick

Die Evaluation der beiden Workshops wurde sowohl in schriftlicher (Evaluationsbögen) als auch mündlicher Form (Gespräche mit den Teilnehmenden) durchgeführt. Sie ist gut bis sehr gut ausgefallen. Besonders gelobt haben die Studierenden die Auswahl der Workshop-Gäste, deren abwechslungsreiche Arbeitsmethodik sowie der sprachliche und interkulturelle Nutzen der Workshops durch den intensiven Kontakt mit polnischer Sprache und Alltagskultur. Auch die Aspekte, zwei prominenten Personen „zum Anfassen“ begegnet zu sein und dabei interessante Einblicke in diverse Berufsbilder gewonnen zu haben, wurden in den Evaluationsbögen mehrmals als Positivum erwähnt.

 

Teilnehmende des Journalistik-Workshops mit dem Fernsehmoderator Bartek Jędrzejak.

 

Alle in der Projektskizze dargestellten Ziele konnten zu unserer großen Zufriedenheit realisiert werden, es gab keinerlei Abweichungen vom ursprünglichen Umsetzungsplan.

Es liegt uns sehr viel daran, das Konzept des Pilotprojektes am Institut für Slavistik zu so zu etablieren, dass weitere Veranstaltungen daran anknüpfen können. Wir möchten zudem die Idee derartiger Workshops mit prominenten Referentinnen und Referenten an  anderen Lektoraten an der CAU verbreiten – etwa bei Lektorentreffen oder in privaten Gesprächen. Wir stehen als Ansprechpartner jederzeit zur Verfügung, falls andere CAU-Dozentinnen oder Dozenten (fächerübergreifend) aus dem Fundus unserer Erfahrungen bei der Organisation solcher Workshops schöpfen möchten.

Kontakt

Damian Mrowiński, M. A. (Lektor für Polnisch)
Institut für Slavistik
Philosophische Fakultät
mrowinski@slav.uni-kiel.de

Dr. Tomasz Lis (wissenschaftlicher Mitarbeiter)
Institut für Slavistik
Philosophische Fakultät
t.lis@slav.uni-kiel.de

 

 

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