Proben für den Forschungsalltag

Life Science-Studierendentagung an der CAU

Von der Schimpansen-Darmflora über die Krebsforschung bis hin zur Erfoschung von Signalwegen in der Zelle: Auf der Studierendentagung zu den Life Sciences waren die Lebenswissenschaften in ihrer gesamten Vielfalt vertreten. Im Wissenschaftszentrum Kiel präsentierten über 40 Studierende der CAU – zwischen Bachelor und Promotion – ihre Forschungsprojekte. Ausgerichtet von Life Science Nord und Kiel Life Science lockten die Gelegenheit zum interdisziplinären Austausch, Einblicke in die Wirtschaft und Preise für die besten wissenschaftlichen Vorträge und Poster.

 Text: Eva-Lena Stange (Studentin/PerLe)

Im Foyer des Wissenschaftszentrums Kiel stehen am 23. November die bunten Plakatwände dicht an dicht, Studierende stehen in kleinen Grüppchen um die Poster auf den Wänden. Angeregte Gespräche füllen den Raum, bis sich die Teilnehmenden zum Beginn des offiziellen Programms der Studierendentagung in den benachbarten Vortragsraum begeben. Als „in Kiel einzigartiges Event“ bezeichnet Juryvorsitzender Professor Thomas Bosch das Zusammentreffen der Studierenden während seiner Begrüßungsrede – 2017 fand die Tagung, bei der sich Studierende ihre Forschungsthemen und -ergebnisse vorstellen, zum sechsten Mal statt. Aus etwa 40 Anmeldungen wurden von der Jury bereits im Vorfeld acht vielschichtige Projekte ausgewählt, die die jeweiligen Studierenden auf der Konferenz in 15-minütigen Präsentationen vorstellen. Zusammen mit weiteren Inputs von Vertretern aus der Wirtschaft über Karrierewege außerhalb der Universität entsteht ein vielfältiges Rahmenprogramm für die Poster-Sessions, in deren Rahmen alle Teilnehmenden ihre Projekteden Gästen und Mitstudierenden in lockerer Atmosphäre präsentieren.

 

Teamwork auf der Tagesordnung: Die Biochemiker Jan Dobert und Egor Pavlenko präsentieren auf einem gemeinsamen Poster ihre Bachelorarbeiten. Foto: Eva-Lena Stange

 

Für viele Studierende, die zum ersten Mal forschen, ist die Konferenz eine gute Möglichkeit, den Ablauf einer wissenschaftlichen Tagung kennenzulernen und sich mit anderen über die Projekte auszutauschen: „Das ist das erste Mal, dass unsere Ergebnisse extern zu sehen sind. Das ist sehr cool, weil man ja auch herausfinden möchte, ob das, was man herausgefunden hat, eine Relevanz besitzt“, sagt der Biochemie-Student Jan Dobert. Er präsentiert gemeinsam mit seinem Kommilitonen Egor Pavlenko die Ergebnisse  ihrer Bachelorarbeiten, die sich beide mit der Protease ADAM 17 beschäftigen. Für die beiden war die Bachelorarbeit das erste eigene Forschungsprojekt. Der Schritt vom Lernen an der Universität zum Anwenden ihrer Fähigkeiten war für beide mit viel Umdenken verbunden, besonders die Planung der Experimente erwies sich als kniffliger als gedacht.

Genau das finden, was einen interessiert

„In Laborpraktika im Studium bekommt man ein Skript, das einem erklärt, was man machen muss, und oft führt man die Experimente auch nicht komplett durch. Wenn man tatsächlich selbst Forschung betreibt, muss man sich Gedanken machen: Was möchte ich untersuchen, wie möchte ich das untersuchen und wie plane ich mein Experiment zeitlich?“, so Dobert. Auch damit zurechtzukommen, dass Experimente und Strategien manchmal nicht funktionieren und ein Umdenken erforderlich ist, um neue Erkenntnisse zu bekommen, sei ihm während der Bachelorarbeit das erste Mal bewusst geworden. Diese Erfahrungen hat er mit den anderen Konferenzteilnehmern gemeinsam – nun freut er sich auf den Austausch. „Ich finde es toll, dass hier jeder Person am Poster steht und wirklich Lust hat, etwas darüber zu erzählen. Auch der Einblicke in die Industrie über die Vorträge gefallen mir sehr gut. Dieser fachübergreifende Austausch ist das, was für mich neu ist“, sagt Dobert. Durch die Konferenz könne man außerdem mit Studierenden außerhalb des eigenen Instituts Kontakte knüpfen und deren Forschungsthemen kennenlernen.

Auch Biologie-Masterstudent Tim Hasenbein präsentiert auf der Konferenz die Ergebnisse seiner Bachelorarbeit, allerdings nicht auf einem Poster, sondern in einem Vortrag. In 15 Minuten gibt er in englischer Sprache einen Einblick in sein Forschungsthema – die Veränderungen des Mikrobioms eines Süßwasserpolypen bei erhöhter Zufuhr von Nährstoffen im Wasser; durch die Nahe Verwandtschaft seines Modellorganismuses zu Korallen zieht er den Schluss, dass auch Korallenbleichen zu einem gewissen Grad durch zu viele Nährstoffe im Meer entstanden sein könnten. Wie er zu diesem Thema gekommen ist, erzählt er nach dem Vortrag im Foyer. „Bei uns gibt es im 4. Semester eine Veranstaltung, wo die verschiedenen Arbeitsgruppen sich für die Bachelorarbeit vorgestellt haben. Daraufhin habe ich in den Sommerferien ein Praktikum in einer Arbeitsgruppe gemacht, um mal drei Wochen lang in das Thema des Metaorganismus und die Arbeitsweise hereinzuschnuppern. Nachdem ich auch mein Wahlmodul im 5. Semester auf Mikroorganismen gelegt hatte, stand letzten Endes fest, dass genau das das ist, was mich interessiert.“

Komplexes prägnant darstellen

Bei der Umstellung vom Studium zum Arbeiten an der Bachelorarbeit betont er besonders, wie wichtig eine gute Betreuung in der Arbeitsgruppe sei, um das eigene Forschungsprojekt als gewinnbringende Ergänzung zum Studium durchzuführen. Die Konferenz bietet ihm die Möglichkeit, auch in Bereiche der Lebenswissenschaften hereinzuschnuppern, die er im Studium bisher nicht kennengelernt hat. „Ich finde es einfach spannend, zu sehen woran andere forschen. Gerade mit einem Bachelorabschluss ist man ja noch relativ weit unten und hat die Möglichkeit, noch in eine ganz andere Richtung zu gehen und sich zu informieren“, so Hasenbein. Auch gerade von den teilnehmenden Promotionsstudierenden, die eher den Stand ihrer Projekte als abgeschlossene Arbeiten präsentieren und nach Anregungen suchen, könne man sich was Gestaltung und Vortragsweise angehe, einiges abschauen und so dazulernen.

 

 

Quelle: Markus Scholz

Doch auch für die im Studium weiter fortgeschrittenen Teilnehmenden bietet die Konferenz Premieren. „Das ist das erste Mal, dass ich ein wissenschaftliches Poster erarbeitet und präsentiert habe“, sagt Michael Mannbar, der zum Wintersemester seine Doktorarbeit in der Virologie begonnen hat. „Das war erstmal eine Herausforderung“, erzählt er, „aber wenn man eine sinnvolle Aufteilung hat und ein gutes Gefühl dabei, das Thema anhand des Posters zu erklären, dann funktioniert die Darstellung.“ Das sieht die Jury anscheinend auch so: Zum Ende der Veranstaltung verkündet sie die Gewinner der von Kiel Life Science und Life Science Nord gestifteten Preise, Mannbar erhält für sein Poster den ersten Preis im Wert von 300 Euro, gefolgt von Kai Rathje (Zell- und Entwicklungsbiologie) und Philippe Dänzer-Barbosa (Experimentelle Medizin). Für die drei besten Vorträgen werden Tim Hasenbein sowie die Promotionsstudierenden Taylor Hermes (Graduiertenschule Human Development in Landscapes) und Antonella Fazio (Molekulare Zellbiologie) mit Geldpreisen von bis zu 500 Euro ausgezeichnet. Auch Professor Bosch ist  begeistert von der Vielfalt und Qualität aller Beiträge: „Man merkt, dass die junge Generation lernt, komplexe Inhalte prägnant darzustellen“, sagt er in seiner abschließenden Rede.

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