Problemorientiertes Lernen in der Sportmedizin – ein Praxisbeispiel

Ein Beitrag von Jutta Noffz

Lernen am konkreten Fallbeispiel: Was im Medizin-Studium längst Usus ist, war für Kieler Studierende der Sportwissenschaften ganz neu. Dozentin Jutta Noffz hat einen Kurs am "problem based learning" orientiert. In ihrem Beitrag schildert sie den "Siebensprung zum Lernziel".

In der Ausbildung von Medizinstudierenden ist das problemorientierte Lernen seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts etabliert. Die Ursprünge reichen allerdings bis in die Philosophie der Antike zurück: Sokrates bewies, dass der scheinbar Unwissende ausgehend von einem komplexen Problem durch Nachdenken und Nachfragen zur Lösung des Problems gelangen kann. Heute versteht man darunter eine studierendenzentrierte Lehr- und Lernmethode bei der anhand möglichst realer, komplexer und fächerübergreifender Fallbeispielen potentielle Probleme aus dem späteren Berufsleben gelöst werden sollen. Die Lernenden erwerben die Kompetenz analytisch und selbstständig Fragen zu formulieren, Informationen zu generieren, Wissenslücken zu füllen und Lösungen zu präsentieren.

Umsetzung in der Praxis:

  1. Erarbeitung eines Lehrplanes für die gesamte Veranstaltung im Semester.
  2. Konstruktion der einzelnen Fälle. Diese sollten exemplarisch relevante Themen aus dem zukünftigen Arbeitsalltag der Studierenden abbilden. Ein gut konstruierter Fall mobilisiert das Vorwissen und die individuelle Erfahrung der Studierenden, bringt sie aber auch an ihre Grenzen und motiviert sie für das Eigenstudium. Neben fiktiven Fallbeispielen eignen sich z.B. auch aktuelle Berichte aus Zeitungen.
  3. Im Rahmen einer Einführungsveranstaltung werden die Studierenden mit dem Ablauf des Seminars und dem sog. „Siebensprung“  vertraut gemacht:

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Die Schritte 1 bis 5 finden im ersten Seminar statt, der Schritt 7 in der ersten Hälfte des folgenden Seminars.

Die Besonderheiten:

  1. Kein Frontalunterricht.
  2. Lernen am praktischen Beispiel.
  3. Aktivierung von Vorwissen und Erfahrung.
  4. Ein Thema wird in zwei „halben“ Seminaren behandelt.
  5. Die Studierenden formulieren selber die Lernziele, die sie bis zur nächsten Sitzung  erreichen möchten. Diese können individuell oder für die ganze Lerngruppe gelten.

Die Schwierigkeiten:

  1. Konstruktion von „guten Fällen“ .
  2. Unterricht mehrerer Gruppen parallel in einem Seminarraum.
  3. Studierende müssen Moderatorenaufgaben übernehmen.
  4. Der Dozent  betreut mehrere Kleingruppen gleichzeitig in einem Raum.
  5. Aktive Mitarbeit der Studierenden ist für die Methodik essentiell.
Mit sieben Sprüngen zum Lernziel

Die Pressemitteilung über das Seminar hält weiterführende Informationen für Sie bereit.
Zur Kurzinfo und zum Poster über das Lehrprojekt gelangen Sie hier.

Ansprechpartnerin:
Jutta Noffz, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin
Institut für Sportwissenschaft, Abteilung Sportmedizin
Tel.: 0431 880-5398
E-Mail: jnoffz@email.uni-kiel.de

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