Methode: Projekttagebuch

Reflexion & Bewertung studentischer Projektarbeit – mit Praxisbeispielen

Text: Thomas Sporer
Experte für Service Learning an der Universität Augsburg

In einem Tagebuch reflektieren die Studierenden über aktuelle Vorkommnisse in ihren Projekten. Ungefähr einmal pro Woche nehmen sie sich dabei die Zeit, aufzuschreiben, was im Projekt gerade passiert und wo sie persönlich in Bezug auf die Projektarbeit stehen. Ein solches Tagebuch eignet sich hervorragend als Bestandteil eines umfassenderen Portfolios – nach Häcker (2005, S. 6) sind die enthaltenen „gezielten Reflexionen, die während der gesamten Entstehung des Portfolios“ stattfinden, sogar das „Herzstück des Portfolioprozesses“.

Der Prozess der Reflexion kann durch Leitfragen unterstützt werden – z.B. in Anlehnung an Jones und Shelton (2006, S. 51ff.): Über „vier Schritte des Reflexionsprozesses“ (siehe Tab.) werden die Studierenden angeleitet, ihr Tun bereits im Handlungszusammenhang zu reflektieren und gewonnene Erkenntnisse direkt im Anschluss an die Reflexion in ihr Projekt einfließen zu lassen (nach Schön, 1983, S. 68).

Tabelle Projekttagebuch

Die regelmäßige Reflexion im Projekttagebuch zielt darauf ab, dass die Studenten lernen, über ihre Erfahrungen im Projekt auf methodische Art und Weise nachzudenken. In Analogie zu Kolbs und Frys „Learning Cycle“ (1975, zitiert nach: Smith, 2001) werden hier zunächst die eigenen Erfahrungen beschrieben (Schritt 1). Im Anschluss folgt die Analyse und Reflexion (Schritt 2), woraufhin eher abstrakte Einsichten gewonnen und Schlussfolgerungen gezogen werden (Schritt 3). Diese gehen schließlich in konkrete Handlungspläne über (Schritt 4). Durch die zusätzliche Trennung zwischen „objektiv“ und „subjektiv“ sollen die Studenten lernen, die objektiven Ereignisse im Projekt von ihren subjektiven Eindrücken zu trennen.

Beispiele aus der Praxis

  • Seit dem Wintersemester 1999-2000 wechseln sich kreative Köpfe im Team des Augsburger Studentenfernsehens „Blickpunkt Campus” ab. Jens Hansen reflektiert in einem Projekttagebuch über das redaktionelle Arbeiten dort.

 

Literatur/Quellen

    • Häcker, Thomas (2005): Mit der Portfoliomethode den Unterricht verändern. Pädagogik 57 (3). 13-18.
    • Häcker, Thomas (2005): Portfolio in der LehrerInnenbildung – Erweiterung des Blickwinkels und Erhöhung der Tiefenschärfe. In: Amt für Lehrerbildung (Hrsg.): FIT für die Schule. Auf dem Weg zu einer kompetenzorientierten Lehrerbildung. Tagungsband des Modellversuchs FIT. Frankfurt am Main: Hessisches Kultusministerium. 75-87.
    • Häcker, Thomas (2005): Portfolio als Instrument der Kompetenzdarstellung und reflexiven Lernprozesssteuerung. bwp@ – Berufs- und Wirtschaftspädagogik online Heft 8.
    • Jones, Marianne; Shelton, Marilyn (2006): Developing Your Portfolio – Enhancing Your Learning and Showing Your Stuff: A Guide for the Early Childhood Student or Professional. Routledge: Oxford.
    • Schön, Donald A. (1984): The Reflective Practitioner: How Professionals Think In Action. Basic Books: New York.
    • Smith, M. K. (2001, 2007): The learning organization. The encyclopedia of informal education. Link: http://www.infed.org/biblio/learning-organization.htm.

 

Quelle: virtuelle hochschule bayern

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