Religion zum Anfassen

Im reli:labor lernt der Nachwuchs theologische Fragestellungen kennen

Das reli:labor ermöglicht Schülerinnen und Schülern Einblicke in aktuelle Ansätze und Themen aus unterschiedlichen Bereichen der Theologie. Angleitet von Mitarbeitenden der Fakultät und von Theologie-Studierenden setzen sich die Jugendlichen mit Fragen auseinander wie: Bin ich frei? Was ist Gerechtigkeit? Wem kann ich vertrauen? Was bedeutet Verantwortung für mich?

Text: Rebecca Such
(Studentin/PerLe)

Dienstag, 10.30 Uhr: 21 Schülerinnen und Schüler des RBZ Wirtschaft betreten die Theologische Fachbibliothek. Zusammen mit ihrer Religionslehrerin nehmen sie heute am reli:labor teil. Saskia Eisenhardt, wissenschaftliche Angestellte der Religionspädagogik, staunt nicht schlecht. Bis gestern hieß es noch, dass nur 14 Jugendliche teilnehmen würden. „So ist das – es läuft nie alles wie zuvor besprochen und keine zwei Durchgänge sind gleich,” stellt Eisenhardt fest und überlegt bereits, wie ihr Team umdisponieren muss.  

Das reli:labor gehört zur Kieler Forschungswerkstatt, die vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik  (IPN) und der Kieler Universität initiiert wurde. Ziel ist es, dass sich Schüler_innen mit wissenschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen, angeleitet von Mitarbeiter_innen der CAU. Das reli:labor ist ein weltanschaulich offenes Angebot, bei dem man zwischen vier Themenschwerpunkten wählen kann. Die Klasse vom RBZ hat sich für Verantwortung entschieden und wird dazu an diesem Dienstag drei Stationen durchlaufen.

Nach der anfänglichen Überraschung werden schnell zusätzliche Stühle herangeholt und die Vorstellungsrunde beginnt. Zu Saskia Eisenhardts Team gehören heute fünf Theologiestudentinnen und eine wissenschaftliche Mitarbeiterin. Lene ist eine von drei studentischen Hilfskräften, die vom Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) finanziert werden und die Ethik-Station anleitet. „Es ist cool, dass ich die Station nicht nur anleiten kann, sondern schon seit Beginn des reli:labors dabei sein durfte,” erzählt sie.  

Die drei Stationen sollen jeweils eine unterschiedliche theologische Perspektive ermöglichen: Im Bereich Ethik stellt man sich gesellschaftspolitischen Fragen, beim Bibliolog biblische – und beim Theologisieren diskursive. Die Schüler_innen sollen die Möglichkeit bekommen, sich gedanklich auszuprobieren und einen Einblick in aktuelle theologische Fragestellungen erhalten. 

 

 

Auch die Studierenden der Theologischen Fakultät profitieren davon. Studentin Patricia steht kurz davor, ihr Lehramtsstudium abzuschließen und leitet die Station zum Bibliolog.

„Mir gefällt besonders der Praxisbezug, den wir hier lernen. Wir treffen auf verschiedene Schulformen und können uns als angehende Lehrkräfte ausprobieren, ohne den Bewertungsdruck,”

sagt sie. Der Bibliolog ist eine Methode zur interaktiven Interpretation biblischer Texte, bei dem eine Teilnehmendengruppe biblischen Figuren Gedanken und Gefühle verleiht und die Bibelgeschichte so lebendiger macht. 

Beim Theologisieren sollen die Jugendlichen ermutigt werden, sich mit Bibelstellen auseinanderzusetzen und eine eigene Meinung zu bilden. Es geht nicht darum, nach „richtigen” oder „falschen” Deutungen zu unterschieden, sondern kritisch zu reflektieren.

Jede Station hat nicht nur ihr eigenes Thema, sondern nutzt auch unterschiedliche Methoden. An der Ethik-Station zeigen Lene und ihre Kollegin einen Film und lesen mit den Schüler_innen gemeinsam einen philosophischen Text. Anschließend diskutieren die Jugendlichen und machen sich Gedanken, was Verantwortung eigentlich ist, wer sie trägt und wie sie aussieht.

 

 

Nach dem eigentlichen Bibliolog hängen Patricia und Femke Satzanfänge an die Tafel und bitten die Jugendlichen, sie zu vervollständigen: „Ich bin verantwortlich für…”, „Solche Verantwortung kenne ich auch, wenn…”, „Verantwortung in dieser Geschichte bedeutet…”. Zu Beginn der Station wirkten die Schüler_innen skeptisch und wenig motiviert, umso beeindruckender sind ihre sehr persönlichen Antworten. Nachdem die Station beendet ist, ziehen die Jugendlichen fröhlich weiter – und Femke resümiert:

„Wenn ich eins durch das reli:labor gelernt habe, dann dass man Kinder und Jugendlichen nicht unterschätzen darf.”

 

 

weiterführende Links: 

  • Eisenhardt, Saskia; Kürzinger, Kathrin S.; Naurath, Elisabeth; Pohl-Patalong, Uta (Hrsg.) (2018): Religion unterrichten in Vielfalt. konfessionell – religiös – weltanschaulich. Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen. (Download über die Homepage des Verlags möglich)
    • Eisenhardt, Saskia (2018): Theologisieren mit Jugendlichen. 137-145. 
    • Pohl-Patalong, Uta (2018): Bibliolog. 183-192. 
    • Eisenhardt, Saskia; Hertel-Holst, Stefanie (2018): Schüler*innen erleben Theologie – das reli:labor an der Kieler Forschungswerkstatt. 313-316. 

 

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