Semester 6.5 – Orientierung für Studium und Karriere

Kunstgeschichte: Neues Workshopformat für Bachelor-Absolvent_innen

Die erste Hürde ist geschafft! Den Bachelor-Abschluss in der Tasche geht es für viele Studierende direkt weiter ins Master-Studium. Da bleibt oft keine Zeit zur Reflexion des Geleisteten und – angesichts des fließenden curricularen Übergangs vom BA in den MA – ebenso wenig Zeit, um die kommenden Semester sinnvoll in Hinblick auf den persönlichen Berufseinstig zu strukturieren. Dem will Frau Dr. Susanne Schwertfeger mit einem neuen Workshop und einem Leitfaden entgegenwirken. Die Projektinitiatorin berichtet von ihren ersten Erfahrungen.

Text: Dr. Susanne Schwertfeger

Mit dem Workshop Semester 6.5 – Orientierung für Studium und Karriere sollte die Zäsur nach dem ersten Studienabschluss betont werden: Die Absolventinnen und Absolventen des Bachelor-Studiums Kunstgeschichte haben sich immerhin eine Fachterminologie, unterschiedliche Methoden und Theorien angeeignet, die zum größten Teil nicht in der Schule durch einen entsprechenden Unterricht vorbereitet worden waren. Diese Kompetenzen und dieses Wissen haben sie auf Exkursionen vor Originalen, in mehreren mündlichen Präsentation und schriftlichen Hausarbeiten angewendet, schließlich ist es mit der Bachelorarbeit ausführlich bewertet worden. In der ersten Sitzung des Workshops wurde allerdings deutlich, dass die Studierenden all diese Fähigkeiten tatsächlich nicht explizit als solche wahrnehmen, und sich daher auf viele ausgeschriebene Stipendien, Praktika oder Jobangebote gar nicht erst bewerben.

Schon die Anmeldephase zum Workshop zeigte darüber hinaus, dass bereits Studierende im Bachelor Interesse an den angekündigten Themen der Veranstaltung haben: Was als ein Kurs mit zehn Plätzen für Master-Studierende ausgeschrieben war, wurde auf Nachfrage zu einem Workshop für vierzehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer, zu denen auch Studierende zählten, die den Bachelor noch gar nicht abgeschlossen hatten.

Das Studium selbst aktiv gestalten

Zu Beginn der ersten Sitzung des insgesamt auf drei Termine angelegten Workshops haben wir innerhalb von Kleingruppen die Themen und Fragen in Bezug auf Studienorganisation und Berufsqualifikation zusammengetragen, die die Teilnehmenden besonders beschäftigen, um das Kursprogramm mit den Erwartungen der Studierenden abzugleichen und eventuelle Anregungen aufnehmen zu können. Besonders häufig kam dabei die Orientierungslosigkeit in Bezug auf die Zeit nach dem Studium zur Sprache. Auch fehlte den Teilnehmenden eine Übersicht, welche Angebote es beispielsweise an der CAU gibt, um zusätzliche Qualifikationen zu erwerben.

Der Workshop verlief in drei Phasen, wobei die erste der Reflexion der eigenen Studienleistungen diente. Hier zeigte sich, dass die Teilnehmenden vermeintlich basale Instrumente wie zum Beispiel Feedbackauswertungen oder Lerntagebücher nur selten nutzten, um an eigenen Kompetenzen zu arbeiten und eigene Fortschritte zu dokumentieren. In der zweiten Workshop-Phase ging es darum, das Studium selbst zu gestalten und sich über die am Institut angebotenen Seminare hinaus weiter zu qualifizieren. Schon jetzt wurde deutlich, dass die Studierenden außer der Abarbeitung des Curriculums wenig weiterführende Ziele oder Wünsche für das Studium formulierten – auch weil sie manche Angebote und Chancen nicht als solche wahrnahmen und nutzten (z.B. die Gremienarbeit, Teilnahme an Konferenzen, Erasmus-Aufenthalt, zusätzliche Sprachkurse oder das bewusste Aufbauen von Netzwerken). Außerdem sorgten Zweifel und Vorbehalte ganz unterschiedlicher Art dafür, sich gegen eine Maßnahme zu entscheiden – oder sich auch nur genauer darüber zu informieren.

Neue Möglichkeiten entdecken

In der noch ausstehenden abschließenden Phase werden die im Workshop erstellten Materialien in einen Leitfaden zusammengeführt. Darin sollen Fragen und Aufgaben aus den Sitzungen die Reflexionsphase widerspiegeln und durch die zusammengetragenen Informationen zu den einzelnen Themenfeldern ergänzt werden. Ziel ist es, den Leserinnen und Lesern des Leitfadens einen Impuls zu geben, im eigenen Studium neue Möglichkeiten zu entdecken und die verbleibenden Semester selbst aktiv zu gestalten.

Eine Anregung aus der ersten Sitzung hat sich bereits zu einem konkreten Vorhaben gemausert: Ausgehend vom Wunsch der Studierenden, auch über die eigenen Praktika hinaus einen Einblick in möglichst unterschiedliche Beschäftigungsfelder zu bekommen, plant die Fachschaft Kunstgeschichte, eine eigenständige kleine Vortragsreihe zu entwickeln. In diesem Rahmen sollen beispielsweise Vertreterinnen und Vertreter aus der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, dem Denkmalschutz, den Museen und Galerien, dem Verssicherungs- und Auktionswesen eingeladen werden und sowohl über ihre Tätigkeit als auch über ihren Werdegang berichten. Dieses studentische Projekt ergänzt nicht nur Inhalte, die über das fachwissenschaftliche Angebot des Instituts hinausgehen, sondern bildet auch einen Kern des Workshops ab: Aus der Frage nach den Leerstellen und den eigenen Bedarfen sollen die Studierenden ermutigt werden, aktiv entsprechende Initiative zu entwickeln.

Dieses Projekt wurde mit dem PerLe-Fonds für Lehrinnovation gefördert

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