Sprachförderung von Studierenden für Geflüchtete

PerLe bietet berufliche Einblicke & Praxiserfahrungen

Mit der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 stieg der Bedarf an Deutschlernangeboten drastisch. Um einen Beitrag zur Verbesserung der Situation zu leisten, richtete das Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) – gemeinsam mit Kooperationspartnern vom International Center und vom Lektorat für Deutsch als Fremdsprache – Sprachlerngruppen für Geflüchtete ein, die von Studierenden selbst gestaltet und geleitet werden sollten.

Text: Mirjam Michel (Studentin)

eutsch

 

Mittlerweile haben sich die Kurse als Einstiegshilfe für Geflüchtete etabliert, die am Studium interessiert sind, jedoch das erforderliche Deutsch-Niveau noch nicht erreicht haben. Ein ganzes Jahr lang hatten die Studentinnen Nicole Czora (25) und Anna Lappnau (26) inzwischen Gelegenheit, Geflüchteten die deutsche Sprache näherzubringen.

„Es ist ein voneinander und miteinander Lernen  ein Geben und Nehmen“, erzählt Nicole, die Kunstgeschichte, Deutsch und Geographie auf Lehramt studiert. Auch Anna, die Empirische Sprachwissenschaften und Skandinavistik studiert, hat in ihrer Zeit als Lerngruppenleiterin viele Erkenntnisse dazugewonnen: „Mir ist bewusst geworden, wie unterschiedlich die Kulturen sind, dass man es zum Beispiel nicht persönlich nehmen darf, wenn jemand zu spät kommt oder seine Hausaufgaben nicht gemacht hat“. Bereits bevor sie Lerngruppenleiterin in dem Projekt wurde, hatte Anna ihr Hauptpraktikum im Bereich der Lern- und Sprachförderung für Flüchtlinge absolviert.  Die PerLe-Maßnahme bot ihr im Anschluss die Möglichkeit, einen tieferen Einblick in das Berufsfeld „Sprachförderung für Geflüchtete“ zu gewinnen: „Ich habe im Laufe des Jahres gemerkt, dass mir das Unterrichten Spaß macht und ich weiter in diesem Bereich tätig sein möchte“. So zögerte die 26-Jährige nicht lange und bewarb sich in Bad Oldesloe. Jetzt fängt sie dort an, als Deutschlehrkraft zu arbeiten.

„Es ist ein schönes Gefühl, wenn man die Fortschritte sieht“

Nicole dagegen ist im Rahmen der Sprach-Lerngruppen an der Kieler Universität zum ersten Mal mit Geflüchteten in Kontakt gekommen: „Als die ganzen Flüchtlinge nach Deutschland kamen, habe ich überlegt, wie ich helfen kann. Da ich Deutsch studiere, wollte ich es gerne in diesem Bereich machen. Ich hatte schon an mehreren Workshops von PerLe teilgenommen und bin so auf eine Infoveranstaltung zu den Deutschlerngruppen aufmerksam geworden.“ Zusätzlich zu praxisorientierten Lernangeboten sowie organisatorischen und inhaltlichen Vorbereitungstreffen wurden die angehenden Deutschgruppenleitenden in sogenannten BEAT-Workshops – BEAT steht für BE A TUTOR –  auf ihre neuen Aufgaben vorbereitet. „Wir haben gelernt, was wichtig ist als Tutor und was man sich nicht zu sehr zu Herzen nehmen sollte. Ich fand sehr gut, dass wir eine recht kleine Gruppe mit ungefähr 10 Leuten waren. Auch der Austausch mit anderen war schön. Manche hatten schon ein Tutorium geleitet, die konnten dann ihre Erfahrungen mit uns anderen teilen und uns Tipps geben.“

Bei der inhaltlichen Gestaltung der Lerngruppen sind die beiden jedoch weitestgehend frei, es gibt keinen strikten Lehrplan. „Da wir kein Lehrbuch haben, nach dem wir vorgehen, suchen wir uns die Inhalte selbst zusammen“, erklärt Anna. Nicole nickt und fügt hinzu: „Dabei berücksichtigen wir die Wünsche der Teilnehmer“. Auf dem Programm steht ein Mix aus Grammatik, Wortschatzarbeit, Sprechen, Schreiben, Lese- und Hörverstehen. Nicole beschreibt die ersten Schritte: „Zu Anfang des Semesters fragen wir, was die Teilnehmenden gerne machen wollen. Wir haben damit angefangen, sie einen Text schreiben zu lassen, um zu sehen was sie gut können und was nicht so. Darauf aufbauend haben wir überlegt, was wir machen wollen.“

Dabei sind die beiden auch auf Herausforderungen gestoßen, die sich von ihren alltäglichen Studienerfahrungen abheben. „Es ist etwas anderes, die deutsche Grammatik zu verstehen und anzuwenden, als sie auch Nicht-Muttersprachlern erklären zu können. Auch Redewendungen zu erklären, ist manchmal schwierig“, erzählt Nicole. Sie ist froh, sich dieser Herausforderung gestellt zu haben: „Das Unterrichten hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man wirklich helfen kann; wenn man die Fortschritte sieht, die die Gruppe gemacht hat“. Anna rät anderen Studierenden, die am Kontakt mit Geflüchteten interessiert sind, das ruhig einmal auszuprobieren: „Ich kann das  besonders Leuten empfehlen, die gerne im interkulturellen Bereich arbeiten möchten. Auch wenn man auf Lehramt studiert, ist es gut, Praxiserfahrungen zu sammeln.“

 

Kontakt

Kati Lüdecke-Röttger
PerLe – Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen
Teilbereichskoordination Zukunftsorientierung

Koboldstraße 4, R. 03.15
Telefon: +49 431 880-5940
Telefax: +49 431 880-5951
kluedecke-roettger@uv.uni-kiel.de

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.