Interviewing Researchers in English

Innovative sprachpraktische Übung an der TF

Studierende der Technischen Fakultät (TF) müssen sowohl auf den Umgang mit englischsprachiger Literatur als auch auf Vorträge und schriftliche Ausarbeitungen in Englischer Sprache vorbereitet werden. Zu diesem Zweck haben Frau Prof. Dr. Martina Gerken und Frau Dr. Kirstin Scholz das Pflichtmodul „Technisches Englisch“eingeführt, in dessen Rahmen Studierende Interviews mit internationalen Forscher_innen an der TF führen. Im Blogbericht schildern die Projektinitiatorinnen ihre Erfahrungen.

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Text: Prof. Dr. Martina Gerken und Dr. Kirstin Scholz
(Projektinitiatorinnen)

 

„Technisches Englisch“ wurde zum Sommersemester 2016 als Pflichtmodul im zweiten Studiensemester in den Studiengängen B.Sc. Elektrotechnik und Informationstechnik sowie B.Sc. Wirtschaftsingenieurwesen Elektrotechnik und Informationstechnik aufgenommen. Die Studierenden sollen auf den Umgang mit englischer Literatur, englischen Vorträgen sowie Ausarbeitungen auf Englisch vorbereitet werden, der sowohl für Lehrveranstaltungen höherer Fachsemester als auch im Berufsleben notwendig ist. In der Planung stellte sich schnell heraus, dass keine_r der Institutsdozent_innen dieses Modul lehren kann und es auch nicht innerhalb der CAU „eingekauft“ werden konnte. Deshalb entschieden wir uns für einen Ansatz, der einen Online-Kurs (3 ECTS) mit einer sprachpraktischer Übung (1 ECTS) kombiniert.

Der Online-Kurs

Als Online-Kurs kommt dabei die Lernplattform „e-Xplore Technical English!“ zum Einsatz, die seit mehreren Jahren von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig betrieben wird. Weitere Informationen zum Thema hält e-teaching.org bereit.

Der Online-Kurs bietet im Vergleich zu Präsenzkursen eine deutlich höhere Flexibilität hinsichtlich der Lernzeiten und fördert das selbstorganisierte Lernen stärker als andere Lehrformen. Per Email werden die Studierenden an die kontinuierliche Teilnahme am Kurs erinnert und der Lernfortschritt wird im Online-Modul dargestellt. Für die Lehrenden war es interessant, den Fortschritt der Studierenden im Kurs anhand von Statistiken zu beobachten. Während einige Studierende kontinuierlich im Kurs gearbeitet haben, hat ein Teil der Studierenden den Kurs überhaupt erst kurz vor dem Bearbeitungsende begonnen. 85,6 Prozent der im Modul registrierten Studierenden haben den Online-Kurs erfolgreich absolviert und das Zertifikat der Stufe C1.1 erlangt.

 

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 Die sprachpraktische Übung im Interview-Format

Ergänzend zum Online-Kurs haben wir im Sommersemester 2016 eine sprachpraktische Übung im Interview-Format etabliert. Ziele der Übung sind:

  • Kommunikationsfähigkeit in Englisch stärken
  • Schreib- und Lesekompetenz fördern
  • Einblicke in Forschungsthemen der Elektrotechnik und Informationstechnik geben
  • Kontakt der „neuen“ Studierenden zu Master-Studierenden bzw. Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herstellen
  • Motivation für die theoretischen Studieninhalte des ersten Studienjahres erhöhen
  • Teamarbeit fördern

 

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Doktorand Matthias Bremer im Interview zu nanostrukturierten organischen Leuchtdioden.

 

Da das neue Modul „Technisches Englisch“ durch das Institut für Elektrotechnik und Informationstechnik selbst organisiert wurde, bot es die Möglichkeit, gleichzeitig weitere Komponenten für eine Verbesserung des ersten Studienjahres zu integrieren.

Die Studierenden haben in Gruppen à fünf Personen Interviews mit überwiegend internationalen Mitarbeiter_innen oder Studierenden des Instituts für Elektrotechnik und Informationstechnik auf Englisch geführt. Die Interviews befassten sich mit Fragen zur Forschung der jeweiligen Person. Jede Gruppe fasste ihr Interview in einem Bericht von rund fünf Seiten zusammen. Diese Berichte wurden zunächst zwischen den Gruppen ausgetauscht und gegenseitig korrigiert. So haben alle Studierenden die Berichte von vier anderen Gruppen gelesen. Eine Endkorrektur aller Berichte erfolgte durch eine Englischlehrerin.

 

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Doktorand Pramod Kumar Prasobhu im Interview zu Leistungshalbleiterbauelementen.

 

Rückmeldung aus dem Kurs

Auf die Frage, was ihm am Kurs besonders gefallen habe, antwortete ein Kursteilnehmer wie folgt:

„Dass man sich mit einem Studenten aus einem höheren Semester unterhalten konnte. Man konnte einen Eindruck von den späteren Semestern bekommen. Außerdem war es spannend, etwas darüber zu erfahren, wie es sich als Student in einem fremden Land anfühlt.“


Evaluationsergebnisse

Die Evaluation des ersten Durchlaufs erfolgte durch drei Fragebögen. Einen Fragebogen haben die Studierendengruppen ausgefüllt, nachdem sie den Termin mit ihrem Interviewpartner bzw. ihrer Interviewpartnerin hatten. Den zweiten Fragenbogen haben die Interviewpartner_innen nach dem Interviewtermin ausgefüllt. Der dritte Fragebogen wurde zu Ende des Moduls ausgeteilt und bezieht sich sowohl auf den Online-Kurs als auch auf die sprachpraktische Übung.

Nach den Interviews meinten 83 Prozent der Studierenden, dass die Kommunikation im Interview „sehr gut“ oder „gut“ geklappt hat. Insbesondere geschätzt wurden die freundliche Atmosphäre in den Interviews, der Einblick in spätere Tätigkeitsfelder sowie auch Eindrücke von Ausländern in Deutschland. Kritisch wurde von einigen Studierenden angemerkt, dass die Interviews zwar interessant gewesen wären, die Übung aber zu wenig gebracht hätte. Auch wurden mehr Interviews und kleinere Gruppen gewünscht. Bei den Gruppen gaben 72 Prozent an, dass sich alle Gruppenmitglieder am Interview beteiligt hätten. Die Beobachter_innen bestätigten dieses dagegen nur für 53 Prozent der Gruppen. 87 Prozent der Interviewpartner_innen fühlten sich zudem gut auf die Aufgabe vorbereitet.

Bei der Endevaluation gaben rund 75 Prozent der Studierenden an, dass sie in der sprachpraktischen Übung Vokabular aus dem Online-Kurs nutzen konnten, dass das Interview ihnen neue Einblicke in das Institut für Elektrotechnik und Informationstechnik gegeben hat und dass das Interview eine motivierende Wirkung für ihr weiteres Studium hatte.

 

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Das Verfahren zur gegenseitigen Korrektur der Berichte wurde als mittelmäßig bis gut eingestuft. 88 Prozent der Studierenden fanden die Korrekturen durch die anderen Lerngruppen hilfreich.

 

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Ob die erhofften positiven Auswirkungen auf die Englischkenntnisse und das Lernverhalten eintreten, werden die Dozent_innen des Instituts erst einige Semester später beurteilen können, wenn die erfolgreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Moduls die – z.T. englischsprachigen – Lehrveranstaltungen höherer Fachsemester besuchen.

 

Fazit nach dem ersten Durchlauf des neuen Moduls

Der Online-Kurs und die meisten Interviews haben gut geklappt. Es war spannend, die Interaktion der Studierenden mit den interviewten Forscher_innen zu verfolgen, und wir haben unsere selbst gesteckten Ziele erreicht. Trotzdem stellt sich am Institut die Frage des Verhältnisses von Aufwand und Nutzen. Die Kosten für den Online-Kurs sowie der Organisationsaufwand mit 28 freiwilligen Interviewpartner_innen sind relativ hoch. Ein Großteil unserer Studierenden hat bereits passable Englischkenntnisse und das Fachvokabular kann auch im Rahmen englischsprachiger Modulen im späteren Studium gelernt werden. Von einigen Studierenden wurde zudem angemerkt, dass der Online-Kurs zu einfach sei. Im Sommersemester 2017 werden wir den Online-Kurs mit sprachpraktischer Übung mit mehr Erfahrung erneut durchführen und evaluieren.

 

Dieses Projekt wurde durch den PerLe-Fonds für Lehrinnovation
sowie durch HSP2020-Mitteln gefördert.

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