Innovativ und nachhaltig zugleich?

Im Praxistest: Neue Studieneingangsphase der Evangelischen Theologie

Zwei Jahre nachdem die Studieneingangsphase in der Evangelischen Theologie umgestaltet worden war, war Professorin Uta Pohl-Patalong erstmals dafür zuständig, die Lehrveranstaltung abzuhalten. Wie diese Premiere lief – und inwiefern sich die ausführliche Dokumentation der Neustrukturierung für sie als hilfreich erwies, berichtet sie im Blog.

Text: Prof. Uta Pohl-Patalong, Institut für Praktische Theologie

Die 2013 umgestaltete Lehrveranstaltung aus der Studieneingangsphase war von vornherein auf eine rotierende Durchführung unter den fünf Instituten der Theologischen Fakultät angelegt. Das entwickelte Konzept war daher auch mit dem gesamten Professorium, dem Mittelbau und den Studierenden besprochen worden, um dessen Nachhaltigkeit sicherzustellen. Zwei Jahre nach der Neukonzeption habe ich im Wintersemester 2015/16 zusammen mit meiner damaligen Mitarbeiterin Kerstin Erhart die einführende Lehrveranstaltung übernommen. Dabei hat sich das erarbeitete Konzept sehr bewährt.

Gerade das neu entworfene, dreitägige Blockseminar vor Semesterbeginn erwies sich auch in unserem Durchgang als gewinnbringend für die Studierenden. Sie starteten damit deutlich besser orientiert in ihr erstes Semester, nicht zuletzt, weil sie bei der Gestaltung des Stundenplans für die ersten Semester ausführlich beraten wurden.

Die Einheit zur Studienmotivation und zu den beruflichen Zielen wurde sehr gut angenommen und bewirkte unserem Eindruck nach einen bewussteren Umgang mit den Studieninhalten und Lernzielen sowie ein besseres Verständnis des Charakters ihres Studiums. Dieser wird gerade im Fach Theologie manchmal als irritierend empfunden, wenn Studierende entweder ein stärker an Glaubensfragen als an wissenschaftlichen Kriterien orientiertes Studium erwarten oder aber überrascht sind, dass die Förderung einer begründeten Positionierung in theologischen Fragen durchaus Bestandteil des Studiums ist, was bis zum Studienabbruch führen kann. Dies frühzeitig zu thematisieren und aufzufangen, unterstützt den Studienerfolg maßgeblich.

Entlastung für die späteren Proseminare

Auch das Konzept für die semesterbegleitende, zweigeteilte Veranstaltung konnten wir sehr gut übernehmen. Die Wiederholung beziehungsweise Vermittlung grundlegender Kompetenzen des wissenschaftlichen Arbeitens wurde zwar auch in diesem Jahr von manchen als redundant empfunden, von anderen jedoch als unabdingbar für ein gelingendes Studium hervorgehoben. Es entlastet die späteren Proseminare, insofern sich diese jetzt auf die jeweiligen disziplinspezifischen Methoden konzentrieren können und weniger allgemeine Grundlagen vermitteln müssen. Da dieser einstündige Teil sich zeitlich mit einer von mir ebenfalls durchzuführenden Pflichtvorlesung überschnitt, wurde er von meiner Mitarbeiterin in enger Abstimmung mit mir durchgeführt.

Unterstützt wurde sie von einer studentischen Tutorin, die durch die finanzielle Unterstützung der Nordkirche angestellt werden konnte. Sie hatte keine konzeptionellen und evaluativen Aufgaben wie die Tutorinnen in der Pilotveranstaltung, engagierte sich jedoch außerordentlich in der Lehrveranstaltung und konnte diese sehr bereichern. Sie agierte als niedrigschwellige Vertrauensperson, leitete aber auch Kleingruppen und bereitete gemeinsam mit der Dozentin die Sitzungen vor und nach. Dabei konnte sie etliche der von der Projektgruppe in der Pilotphase zusammengestellten Arbeitsblätter und Materialien (Texte, Bilder, Aufgaben) gut verwenden. Gleichzeitig boten diese Raum für Weiterentwicklung und eigene Schwerpunktsetzung.

Den zweistündigen Teil der Einführungsveranstaltung gestaltete ich im Vorlesungsformat mit kommunikativen Phasen zum Verarbeiten von Informationen und gegenseitigen Austausch. Aus der Disziplin der Praktischen Theologie kommend, setzte ich dabei teilweise andere Schwerpunkte als der Alttestamentler Markus Saur, übernahm aber das in dem Projekt erarbeitete Konzept eines enzyklopädischen Überblicks über die fünf traditionellen Disziplinen der Evangelischen Theologie. Die Leseaufgaben hatte ich nach den Ergebnissen der Evaluation etwas reduziert. Die Diskussionsphasen habe ich überwiegend als sehr engagiert und lebhaft in Erinnerung. Dabei entdeckten Studierende nicht selten enge Parallelen zwischen eigenen Lebens- und Glaubensfragen und theologischen Inhalten, die die Plausibilität der Studieninhalte zusätzlich förderte.

Für den Austausch der Studierenden mit Personen aus der Berufspraxis haben wir ebenfalls je eine Person aus dem Berufsfeld „Kirche“ und eine aus dem Berufsfeld „Schule“ eingeladen. Allerdings haben wir die Gruppe dafür nicht nach den beiden Studiengängen aufgeteilt, weil es uns sinnvoll erschien, auch die jeweils andere Perspektive zu kennen – zumal nicht wenige Studierende später zwischen den Studiengängen wechseln.

Fazit: eine nachhaltige und sinnvolle Maßnahme

Als sehr wertvoll erwies sich während des gesamten Semesters ein Reader, der Reflexionen zu den einzelnen Sitzungen und Auswertungen der Evaluationen enthält und uns wertvolle Hinweise und Gestaltungsideen zu den einzelnen Sitzungen lieferte.
Auch die anschließende Evaluation der Lehrveranstaltung belegte, dass die Erstsemester sie überwiegend als außerordentlich positiv bewerteten und als inhaltlich und strukturell sinnvolle Einführung in ihr Studium empfanden. Meine eigene Erfahrung, mit der nicht immer unproblematischen Übernahme eines von anderen entworfenen Konzepts, war durchweg sehr positiv, da sich zentrale Bestandteile als sehr sinnvoll erwiesen und gut übertragbar waren, gleichzeitig aber auch genügend Raum für Akzentsetzungen und Schwerpunkte von uns vorhanden war. Die finanzielle Förderung für die Konzeption der Einführungsveranstaltung für Erstsemesterstudierende der Theologie durch den PerLe-Fonds für Lehrinnovation hat sich insofern sehr gelohnt.

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