Studieren im Corona-„Homeoffice“

Lernherausforderungen & Lösungsstrategien

Mit unglaublich wenig Bewegung auskommen und den kompletten Alltag nur in den eigenen vier Wänden meistern – das sind für den Lüneburger Studenten Tom Schmidt die beiden größten Herausforderungen seines Homeoffice-Studiums. In seinem Gastbeitrag beschreibt er Strategien, dank derer es sich besser mit der aktuellen Situation zurechtkommen lässt.

Text: Tom Schmidt

Moin! Mein Name ist Tom Schmidt, ich studiere den Masterstudiengang „Nachhaltigkeitswissenschaften“ an der Leuphana Universität Lüneburg und arbeite dort auch am Institut für Soziologie und Kulturorganisation in der Lehre. Kontaktieren kann man mich über tom.schmidt@leuphana.de.

Mein Blogbeitrag bietet ein paar Ansätze, um vor allem Strategien für zwei aktuelle Probleme zu entwickeln:

  1. Unglaublich wenig Bewegung durch das Studium im Homeoffice
  2. Der komplette Alltag spielt sich nur in den eigenen vier Wänden ab

 

Die folgenden Ansätze dienen als Anregung zum Ausprobieren. Nutzt sie teilweise, miteinander verbunden oder komplett und schaut, ob irgendetwas in den Alltag integrierbar ist. Mir hat vieles davon sehr geholfen, vor allem weil ich nicht nur durch meine Doppelrolle als Student und Tutor noch mehr vor dem Laptop sitze und Leistung erbringen muss, sondern weil ich gleichzeitig als Vater nicht nur zeitlich eingeschränkt bin, sondern auch nach den vielen Videokonferenzen leider nicht einfach abschalten und Nichtstun kann.

Vorweg eine Leseempfehlung. Um ein Gefühl zu bekommen, was mittel- bzw. langfristig so eine Art Alltag wie unserer aktueller mit uns macht, lohnt sich dieser Artikel von einer Astronautin, die für ein Experiment zwölf Monate lang in Isolation lebte.

So jetzt geht es aber los:

  • Ein Morgenritual hilft immer! Z.B. Wasser trinken, Zeitungsartikel lesen, 20 Minuten Podcast hören, im besten Fall auch ein schnelles Workout (eine Runde Liegestütz, Kniebeuge, Sit-ups, Yoga-Übungen gehen auch, Hauptsache der Kreislauf kommt in Schwung und erste Erfolgserlebnisse werden erreicht,  das tritt nämlich zum Beispiel bei 40 Kniebeugen-Wiederholungen, die jede_r aus dem Stand kann, in der Tat auf).
  • Aus meiner Sicht absolut empfehlenswert: Die derzeit kostenlose Mentaltraining-App www.mindance.de mit eigenem Trainingsplan, 10 Minuten Konzentrations- und Entspannungsübungen pro Tag reichen schon aus.
  • Wer es nicht lassen kann: www.freedom.to bietet einen gut funktionierenden Websiten- und App-Blocker für konzentriertes Arbeiten an.
  • Konzentrationsförderndes Homeoffice ist es erst dann, wenn es wie ein Office aussieht!
  • Da jetzt sowieso VIEL ZU VIEL vor dem PC gesessen wird, ist jede Ablenkung während der Arbeitszeit absolut verschenkt. Dann lieber unbedingt Freizeit einplanen.
  • Unbedingt zwischen Seminaren/Vorlesungen aufstehen und etwas anderes machen, im besten Fall kurz rausgehen oder mal wieder 40 Kniebeugen oder Ähnliches machen, sodass die Augen eine andere Perspektive bekommen und vor allem der Körper auch das Minimum an Aufmerksamkeit erhält.
  • Planung und Struktur waren schon immer wichtig, sind jetzt aber existenziell: Große Aufgaben in kleine Meilensteine mit eigenen Zeitslots unterteilen (Tipp: Die in dem Modul vorgesehene Vor- und Nachbereitungszeit als feste wöchentliche Arbeitszeit einplanen).
  • Achtung: Es gibt auch bzw. gerade in Corona-Zeiten wirklich nur maximal ZWEI Arbeitsslots (= Konzentrationseinheiten) pro Tag – im besten Fall Vormittag und Nachmittag mit einer langen Mittagspause dazwischen, keine Nachtschichten.
  • 10-Minuten-Regel für alles, was du machen musst: Wenn du etwas nicht willst, dann diszipliniere dich es wenigstens 10 Minuten lang zu erledigen. Danach kannst du schauen, ob du vielleicht doch die Aufgabe zu Ende machen willst, wenn du nun schon angefangen hast, oder sie nach hinten schiebst, aber dafür schon mal zumindest etwas geschafft hast.
  • Nur weil die Mensa zu hat, kann man sich trotzdem zum virtuellen Mittagessen mit Kommiliton_innen treffen ;-)!
  • Arbeite zwei bis drei Mal pro Woche für mindestens 30 Minuten an deiner Körperhaltung, vor allem über Eigenkörpergewichtstraining im Rumpf/Bauch oder Joggen/Walken. Es gibt unzählige Youtube-Videos oder Online-Trainingshilfen dazu. Ich habe (zu) viele ausprobiert und kann auf Nachfrage auch gerne ein paar Angebot empfehlen, die wirklich Sinn machen. Falls dies nicht gemacht wird, ist die Chance sehr hoch, dass Corona einem Haltungsschäden beschert. Wir als Menschen sind eben nicht dafür gemacht, den ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen – auch nicht, wenn die giftige Dosis in Corona-Zeiten nochmal signifikant erhöht wird.
  • Mittagsschlaf schadet allgemein nicht, jetzt noch weniger. Darüber hinaus hilft gerade jetzt auch ausreichend regulärer Schlaf, mindestens 7 Stunden ohne Digital Devices ab 20 Uhr.
  • Aufmerksamkeitsfördernd für die vielen Online-Videokonferenzen ist es zum Beispiel während des Zuhörens einer körperliche Aktivität nachzugehen, für die man keine Konzentration/nur das Unterbewusstsein braucht, zum Beispiel etwas essen oder irgendetwas mit den Fingern machen (basteln, stricken, mit Physio-Bällen rumspielen). So bleibt die Konzentration des Ohres als dann einziges wichtiges Sinnesorgan konstant hoch.
  • Last, but not least: Versucht nicht 30 CP zu machen, sondern lieber 20. Wir leben in einer Ausnahmephase und lernen unter viel schwierigeren Extrembedingungen, da sollte der Erfolgsdruck nicht genauso hoch sein wie unter normalen Zeiten/Bedingungen!

 

Viel Erfolg und viel Spaß in diesem Semester!

 

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