Studierende erleben Forschung hautnah

Forschungswerkstatt Politikwissenschaft

In ihrem Studium müssen Studierende sich mit der Forschung anderer auseinandersetzen – die Möglichkeiten, selbst Forschung zu betreiben, sind jedoch häufig begrenzt. Mit der von Dr. Ines Weber und Dr. Sandra Brunsbach ins Leben gerufenen Forschungswerkstatt im politikwissenschaftlichen Master soll dies geändert werden. Die Teilnehmenden erhalten die Möglichkeit, eigenständig sowohl quantitativ als auch qualitativ an Themen zu forschen, die unter die Überschrift „Frauen und Männer in der Politik“ beziehungsweise „Gleichstellungspolitik“ passen. Zudem erhalten die Studierenden ein spezielles Coaching, das die Fähigkeit zur Teamarbeit schult.

Text: Maline Kotetzki, studentische Hilfskraft im Projektteam

Die Forschungswerkstatt bestand aus sechs Blocksitzungen, die sich auf drei Wochenenden verteilten, wobei die Studierenden zwischen den einzelnen Sitzungen intensiv in drei Gruppen an ihren Projekten arbeiteten. Während der ersten Sitzung im Oktober stiegen die Studierenden direkt in das Coaching von Jörg Friebe und Hannah Brand ein, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, die zuvor zugelosten Gruppen zusammenzuschweißen. Auch wenn sich die Studierenden teilweise schon aus anderen Veranstaltungen und Kontexten kannten, war es eine komplett neue Form der Zusammenarbeit.

Ziel war es, gemeinsam immer komplexere Aufgaben zu lösen, um sich so an die Arbeit miteinander zu gewöhnen. Ob es darum ging, einen Flipperautomaten aus Alltagsgegenständen zu bauen oder Reis mit Hilfe von Seilen in eine Flasche umzufüllen, immer standen die Teamarbeit und die gemeinsame Lösung von Problemen im Fokus. Ein positiver Nebeneffekt war außerdem, dass die Gruppen noch vor dem Einstieg in die Forschung zusammen Erfolgserlebnisse verzeichnen konnten. Zusätzlich wurden Probleme thematisiert, die wohl jede*r bereits aus vorangegangen Gruppenarbeiten kennt: Probleme mit der Deadline, unterschiedliche Ansprüche an Qualität, verschiedene Arbeitsweisen… die Listen kann endlos fortgesetzt werden. Die Coaches zeigten allerdings auch, wie viele Lösungen es für diese häufig auftauchenden Probleme gibt. Damit wurden die Studierenden für die kommende Gruppenarbeit gestärkt.

Die zweite Sitzung widmete sich voll und ganz dem Themenkomplex Theorie und Methoden. Die Einführung stand dabei unter dem Stern von Geschlecht und Politik. So wurden auch die Studierenden, die bisher noch kein Seminar zu diesen Themen belegt hatten, abgeholt. Neben der thematischen Einführung wurde sich auch mit der Art und Weise der Forschung befasst. Zentrale Aspekte waren der Entwurf eines Forschungsdesigns sowie die Besonderheiten von qualitativer und quantitativer Forschung. Durch das Zulosen der Gruppen wurden einige Teilnehmende, die sich bisher nur mit je einer Forschungsmethode befasst hatten, ins kalte Wasser geschubst. Nach dem anfänglichen Schock überwog jedoch die Erkenntnis, dass beide Ansätze mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede aufweisen und dass eine Verschmelzung beider ein idealer Weg ist.

Das Ziel vor Augen

Im Dezember fand sich das Seminar wieder zusammen. Die zwei qualitativen und die quantitative Gruppe hatten sich in der Zwischenzweit weiter mit ihren Forschungsthemen auseinandergesetzt. Ob die metaphorische Darstellung von Ursula von der Leyen in Printmedien, die Karriereverläufe von weiblichen Landtagsabgeordneten in Schleswig-Holstein oder die Rolle von Gleichstellungspolitik in Wahlprogrammen – so langsam nahmen die einzelnen Projekte konkretere Form an. Die jeweilige Form visualisierten die Studierenden auf Poster, um ihre Kommiliton*innen in ihre jeweilige Forschung einzuweihen. Während der Präsentationen ging es vor allem darum, den eigenen Forschungsprozess mittels  konstruktiver Kritik sowohl durch die anderen Gruppen als auch durch die Dozentinnen zu verbessern.

Dieser Ansatz ging Hand in Hand damit, die Arbeitsweise zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern zu optimieren. Die Coaches hatten es sich dabei zum Ziel gesetzt, eventuell bereits entstandene Konflikte zu entschärfen. Im Mittelpunkt standen außerdem die vier Ebenen der reflexiven Praxis, bestehend aus „Beschreiben/Dokumentieren“, „Analysieren/Interpretieren“, „Beurteilen/Bewerten“ sowie „Planen“. Um den Forschungsprozess besser zu strukturieren, sollten die Studierenden außerdem ihre Projektziele konkretisieren und den weiteren Zeitplan entwerfen. Dies erfolgte mit Methoden der Visualisierung und sollte helfen, jedem Gruppenmitglied die jeweiligen Aufgaben zu verdeutlichen.

Der Kritik ausgesetzt

Das letzte Treffen fand im Januar statt und stellte eine Tagungssimulation da. Im Vorfeld sollten die einzelnen Gruppen Forschungspaper erstellen. Je eine Gruppe las das Paper zu einem anderen Projekt und übte extensiv Kritik während der Tagung. Zunächst wurden die Projekte durch einen mit PowerPoint-Präsentationen unterstützten Vortrag vorgestellt. Dann bekamen die Kritiker*innen Zeit, ihre Punkte zu äußern. In einem anschließenden Gespräch konnte die Kritik entweder entkräftet oder für den abschließenden Forschungsbericht fruchtbar gemacht werden. Bei den Vortragenden wurde dadurch vor allem die Fähigkeit zur logischen Argumentation gestärkt. Hier offenbarten sich sowohl bisherige Fehler im  Forschungsprozess als auch die bereits gemachten Fortschritte. Auch wenn die Gruppen im Anschluss an diesen Termin vor einigen Baustellen innerhalb ihrer Projekte standen, hatten sie dennoch konkrete Handlungskonzepte erhalten, um mit diesen umzugehen.

Besonders interessant war für die Studierenden die Klärung von Fragen zum Forschungsbericht. Schließlich steht nicht nur die Forschung um der Forschung Willen im Fokus, sondern auch der Abschluss eines politikwissenschaftlichen Moduls. Der Bericht, an dem die Gruppen derzeit arbeiten, soll aus zwei Teilen bestehen. Zum einen ist dies der inhaltlich-wissenschaftliche Teil, zum anderen ein reflexiver Part, der sich mit der Arbeit in den Gruppen befasst. Damit schließt sich der Kreis aus fachlichen Input und Coaching.

 

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