„Man muss mit vollem Herzen dahinterstehen“

Über den Spagat zwischen Konferenzplanung und Vollzeitstudium

Die junge Forschungskonferenz Emerging Science Convention Hamburg (ESCH) brachte im November über 80 Studierende aus lebenswissenschaftlichen Fächern zusammen. Nicht nur die Teilnehmenden des Events waren noch an deutschen Hochschulen immatrikuliert, auch das Organisationsteam selbst bestand ausschließlich aus Studierenden. Ein ganzes Jahr lang haben die Mitglieder im Vorfeld neben dem regulären Studium der Molekularen Lebenswissenschaften an der Uni Hamburg mit Terminen jongliert, Expertenvorträge, Räume und vieles mehr organisiert. Nina Kähler erzählt uns im Interview, wie sie den zusätzlichen Aufwand gestemmt – und warum sich das Ganze für sie allemal gelohnt hat.

Interview: Eva-Lena Stange (Studentin/PerLe)

Foto: Kai Kiehn

 

Nina, du hast gemeinsam mit  anderen Studierenden eine Konferenz für Studentinnen und Studenten der Life Sciences auf die Beine gestellt. Wie kam es dazu?

 Nina Kähler: Das Konzept der Veranstaltung gibt es schon ein bisschen länger. 2015 hatte die jGBM schon eine kleine studentische Biotech-Convention ausgerichtet, danach dachten sich die ein paar Leute dann, dass es doch toll wäre, wenn wir mal eine größere Konferenz hier hätten – ebenfalls für Studierende. 2016 gab es dann den Zufall, dass wir Stefan Hell, einen Nobelpreisträger der Chemie, für einen Vortrag gewinnen konnten: Aus dieser Kombination eines richtig genialen Votragenden und eines verfügbaren Raums am DESY, der groß genug war, ergab sich dann die Idee, drumherum eine Konferenz zu basteln. Daraus ist dann die ESCH entstanden. Der Gedanke danach war: Das war schon ziemlich großartig, aber vom Konzept her noch nicht so ausgereift. So kam es dann dazu, dass wir 2017 nochmal eine Konferenz aufziehen wollten, mit professionellerem Konzept.

 

Und wie bist du persönlich zur Organisation der Konferenz gekommen

Als ich im Wintersemester 2016/17 als Erstsemester dazukam, hieß es, dass unbedingt Leute gebraucht würden, die Lust aufs Mitarbeiten haben. Ich bin da ein bisschen reingestolpert, noch ganz frisch im Studium, habe mich dazugesetzt und gesagt: „Ich glaube zwar nicht, dass ich schon so viel beitragen kann, aber wenn es darum geht, ein paar Mails zu schreiben, bekomme ich das hin“. Im Endeffekt hat es damit geendet, dass ich gemeinsam mit zwei anderen Hauptorganisatoren fast die ganze Konferenz organisiert habe. Das war schon ein wenig stressiger als geplant.

 

Wie seid ihr zum Thema „How to edit life“, also zum Genome Editing gekommen?

Wir hatten sehr lange überlegt, was wir als Thema machen wollen, hatten aber keinen festen Plan. Im Prinzip haben wir alle Forscher angeschrieben, die irgendwie in den wissenschaftlichen Neuigkeiten aktuell waren, u.a. auch Wissenschafts-Stars wie Jennifer Doudna und Craig Venter. Tatsächlich ist die Idee auf einer sehr produktiven ICE-Fahrt entstanden. Einige von uns saßen gemeinsam im Zug nach Hamburg und haben über die Planung diskutiert. Ein Kommilitone hatte gerade ein Paper der Leopoldina über die ethischen Überlegungen zum Genome Editing (Link: https://www.leopoldina.org/uploads/tx_leopublication/2017_Diskussionspapier_GenomeEditing.pdf) gelesen, das wir tatsächlich auch später zur Grundlage der ethischen Diskussion auf der Konferenz gemacht haben. Über dieses Paper haben wir gesprochen und dabei angefangen herumzuspinnen, wie eine Konferenz mit diesem Schwerpunkt ablaufen könnte.

 

Foto: Kai Kiehn

 

Wie habt ihr das Konzept der Konferenz geplant?  Hat der Ablauf so funktioniert, wie ihr euch das vorgestellt habt?

Der Gedanke war, dass wir am ersten Tag Vorträge mit Hintergrundinformationen und dem Stand der Forschung machen und am folgenden die Podiumsdiskussion zum Thema Ethik. Am letzten Tag wollten wir dann, dass die Teilnehmer sich selbst ausprobieren können, z.B. in Workshops und Diskussionen mit Vortragenden und Diskussionsteilnehmern. Das war der ursprüngliche Gedanke: Erst Input zum Hintergrundwissen, dann sieht man, wie es gemacht wird, und am nächsten Tag kann man es dann selbst ausprobieren. Bei diesem groben Ablauf ist es dann auch zum größten Teil geblieben. Es gab kleine Krisen hinter den Kulissen, von denen die Teilnehmer aber nichts mitbekommen haben sollten. Insgesamt ist aber alles ganz gut gelaufen. Die Seminare am Samstag waren ein bisschen durcheinander, weil wir die Workshops mit allen angemeldeten Teilnehmern geplant hatten, aber einige nur für einen Tag da waren und dann am letzten Tag fehlten.

 

Was waren die Herausforderungen in der Organisation?

Tatsächlich lief die  Anmeldung sehr abenteuerlich ab. Wir hatten ursprünglich mit 150 Leuten gerechnet, bekamen aber am Anfang so wenige Anmeldungen, dass manche von uns nicht mehr  an diese Zahl geglaubt haben. Da mussten wir viel Werbung machen. Zum Beispiel habe ich in meinem Studiengang dieses Jahr die Orientierungseinheit für die Erstsemester geleitet und dort Gutscheine für ein vergünstigtes Ticket verteilt – dann haben sich zwei Leute aus meinem Semester bereiterklärt, mit den Erstis gemeinsam sozusagen einen Ausflug zur Konferenz zu machen. So haben wir nochmal einige Teilnehmer dazubekommen. Die letzten Tage vor Ende des Ticketverkaufs sind die Anmeldungen auch nochmal ordentlich hochgegangen. Im Endeffekt waren jeden Tag zwischen 80 und 100 Leuten da. Mit einer so ungewissen und unregelmäßigen Teilnehmerzahl ist es schwierig zu planen. Ich habe immer mit der Anzahl an Leuten gerechnet, die wir von Anfang an erwartet haben, weil ich dachte „lieber zu viel als zu wenig“. Das hat am Ende dann zum Glück ganz gut hingehauen.

Gleichzeitig haben wir ja alle zur Organisation noch Univeranstaltungen gehabt. Wir haben alle unsere Freizeit für die Konferenz aufgewendet, manchmal auch aus dem Praktikumslabor heraus noch telefoniert, viel nachts gearbeitet und wenig geschlafen. Auch in den Pausen an der Uni haben wir zwischendurch Mails geschrieben und Organisation gemacht. Solche Probleme kann man aber auf jeden Fall abschwächen, indem man sich von Anfang an ein größeres Team sucht.

 

Meinst du, dass die Erfahrungen die du durch die Konferenz und ihre Organisation gemacht hast, sich auch auf dein „normales“ Studium auswirken?

Tatsächlich habe ich im Organisationsprozess gemerkt, dass ich Dinge durchsetzen kann, die ich möchte. Das ist mir sehr positiv aufgefallen. Man merkt sehr stark, dass man im Ernstfall doch mehr kann, als man vorher gedacht hat. Es hat mir auch geholfen, die Scheu davor zu überwinden, fremde Leute anzurufen oder Anschreiben zu verfassen. Insgesamt übt man also sehr viel Organisation und Kompetenzen, also Dinge, bei denen ich wirklich das Gefühl habe, dass mich die Durchführung der Konferenz weitergebracht hat.

 

Hast du Tipps an andere Studierende, die eigenständig eine Konferenz organisieren wollen?

Was natürlich total wichtig ist: Man muss wirklich mit vollem Herzen dahinterstehen, sonst wird man zwischendurch angesichts der vielen Arbeit aufgeben. Das klingt jetzt wie ein Selbstläufer, ist aber ein Tipp, bei dem ich erst am Ende gemerkt habe, wie wahr er ist. Was ich anders machen würde wäre, dass ich mehr Leute einspannen würde

Auch wichtig ist, sich kurzfristige Deadlines zu setzen. Das heißt, dass man nicht im Januar sagen sollte: „Bis Mitte Juni müssen spätestens die Redner stehen“ – dann machen es alle erst kurz vorher. Stattdessen braucht man kurzfristige Deadlines, am besten innerhalb von einer Woche, die man immer im Blick hat und die immer in Reichweite sind. Gleichzeitig sollte man die Deadlines immer unter dem eigentlichen Ziel ansetzen, damit man nicht in Zeitnot gerät, falls das Ziel mal verfehlt wird. So hätten wir einige Fehler vermeiden können.

Einen guten Tipp haben wir auf der Konferenz noch bekommen: Man sollte Aufgaben am besten in Zweierteams aufteilen. Einerseits spornt man sich dadurch gegenseitig an, dadurch dass man das Gefühl hat, man lässt jemanden hängen, wenn man etwas nicht macht. Gleichzeitig hilft es auch, wenn man z.B. einen Redner abholen muss, da man dann immer zu zweit unterwegs ist.

 

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