Studierendenteam organisiert wissenschaftliche Tagung

Mit Gestaltungsspielraum, Eigenverantwortung & Motivation zum Lernerfolg

Ein halbes Jahr Planungsphase für eine Tagung zum Thema Regionalgeschichte: Was dem studentischen Organisationsteam zunächst als großzügiges Zeitfenster erschien, erwies sich rasch als knapp bemessener Zeitrahmen. Dennoch ist es den vier Studierenden gelungen, ihre Tagung im vergangenen Winter erfolgreich über die Bühne zu bringen. Den Weg dorthin beurteilen sie rückblickend als „professionellen und produktiven Prozess“ – und haben inzwischen sogar einen selbstverfassten wissenschaftlichen Tagungsbericht veröffentlicht.

Text: Studierendenteam

Im Rahmen eines geschichtswissenschaftlichen Projektseminars organisierten wir, die Studierenden Anna Brauer (B.A.), Marvin Groth (B.A.), Arne Leckband (B.A.) und Markus Wilke (B.A.) im Sommersemester 2016, sowie eingeschränkt im Wintersemester 2016/2017, eine fachwissenschaftliche Tagung zum Thema „Bedrohte Landesgeschichte an der Schule?“.

Zu Beginn des Projektes im April 2016 stellten unsere Dozenten Prof. Dr. Auge und Martin Göllnitz (M.Ed.) den Veranstaltungsrahmen der Tagung vor. Mit der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek direkt an der Kiellinie und dem Internationalen Begegnungszentrum der CAU (IBZ) standen bereits zwei verkehrstechnisch gut erreichbare und gleichzeitig für Kiel und die Universität repräsentative Veranstaltungsorte zur Verfügung. Der Tagungstermin stand ebenfalls fest: 1. und 2. Dezember 2016. Dies bedeutete ein halbes Jahr Planungs- und Organisationszeit für uns.

Was zunächst den Anschein eines großzügigen Zeitfensters für die gesamte Planung erweckte, erwies sich schnell als ein zu knapp bemessener Zeitrahmen, da beispielsweise die Reservierung der Tagungsräumlichkeiten, die Antragsstellung zur Abhaltung der Tagung, die Vorauswahl möglicher Referenten und auch die Wahl des Tagungsdatums nicht erst sechs Monate im Voraus organisiert werden können. Dementsprechend hatten unsere Dozenten diese grundlegenden Vorkehrungen bereits getroffen, sodass sich uns nun ein klarer Ablaufplan für die nächsten Wochen und Monate offenbarte. Zugunsten der Übersichtlichkeit haben wir ihn nachfolgend in Phasen eingeteilt.

Phase 1:

Diskussion zur Bedeutung der Landesgeschichte im deutschen Schulunterricht.

Zunächst besprachen wir das Thema „Landesgeschichte“ und unternahmen den Versuch, diese von dem Begriff der „Regionalgeschichte“ abzugrenzen. Basierend auf persönlichen Erfahrungen formulierten wir die Hypothese, dass Landesgeschichte bereits seit mehreren Jahren nur vereinzelnd Berücksichtigung im Schulunterricht findet. Um unsere Hypothese zu überprüfen, begannen wir Studierende bald darauf, sowohl verschiedene deutsche Schulbücher als auch den Lehrplan der Sekundarstufe auszuwerten. Unsere Hypothese bestätigte sich: die Landesgeschichte ist an der Schule im Rückzug begriffen. Unter Berücksichtigung dieser Informationen erstellten wir in einem weiteren Schritt zunächst in Eigenarbeit – später dann gemeinsam – einen Informationstext für die Tagung, der die Aktualität der Frage nach Stand und Perspektiven der Landesgeschichte im Schulunterricht für Interessierte hervorheben sollte.

Phase 2:

Auswahl der Diskutanten und Referenten für die Tagung.

An dieser Stelle profitierten wir sehr von der Erfahrung unserer Dozenten. Da diese bereits seit Jahren überregionale Kontakte knüpfen konnten, fiel uns die Auswahl der geeigneten Tagungsteilnehmerinnen und Tagungsteilnehmer recht einfach. Engagierte Geschichtsprofessoren- und Dozenten, Gymnasiallehrer und Projektleiter wurden kontaktiert und um einen Vortrag zum Thema gebeten. Fast alle, die von uns angeschrieben wurden, sagten ihre Tagungsteilnahme zu. Später beschlossen wir, die bereits am 30. November 2016 anwesenden Referenten am Vorabend des ersten Konferenzabends zu einem ersten Treffen und Gedankenaustausch in die Kieler Brauerei einzuladen, wofür entsprechende Buchungstätigkeiten anfielen.

Für die Podiumsdiskussion am Abend des 1. Dezembers konnten wir renommierte Experten vom Staatssekretär, über den Landesarchivleiter, bis hin zum ehemaligen Universitätspräsidenten gewinnen. Das Publikum, welches wir durch diese personelle Auswahl anziehen wollten, setzte sich aus Geschichtsinteressierten der Allgemeinheit, sowie aus Studierenden, Lehrern und Hochschuldozenten zusammen.

Phase 3:

Aufteilung der Organisationsaufgaben unter den Studierenden.

Darunter fielen das Catering, die schriftliche Korrespondenz, die Anfahrtsplanung, die Hotelbuchung, das Informationsmaterial, die Hintergrundrecherchen zu den Referenten, der Personen/Materialtransport und natürlich die Sitzungsprotokolle.

Hier konnte jeder Studierende zeigen, was in ihm steckte. Je nach Neigung wurden die Aufgaben unter uns aufgeteilt. Für Studierende hierbei besonders interessant: da die Ausführung der Aufgaben zum größten Teil außerhalb der Seminarsitzungen erfolgte, gab es einen großen Gestaltungsspielraum, sowie eine hohe Eigenverantwortung. So konnte ein Studierender zum Beispiel im Kieler Stadtpark Aufnahmen für das Motiv der Informationsflyer anfertigen während eine andere Studierende je nach Eingang von Referenten-E-Mails eigenständig, jedoch unter Absprache mit den Herrn Auge und Herrn Göllnitz, die elektronische Korrespondenz verwaltete.

Phase 4:

Zwischen- und Fortschrittsberichte sowie Diskussionen zu den einzelnen Aufgaben.

Von Seiten der Dozenten, sowie im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Gruppensitzungen kamen uns Feedback, Ratschläge, Vorschläge und Gegenvorschläge zugute. Von den einfachen Fragen, wie etwa: Lachsbrötchen oder Käseschnittchen? bis hin zu präzisen Kostenkalkulationen der zu buchenden Materialien und Hotelzimmer trug der kollektive Kenntnisstand und Einfallsreichtum der Seminarteilnehmer entscheidend zum Gelingen der Organisationsphase der Tagung bei. Beispielsweise erarbeiteten wir auf diese Weise gemeinsam sowohl die Gestaltungsvorgaben für den Informationsflyer, für das Plakat und auch für die Einladungsschreiben der Referentinnen und Referenten.

Phase 5:

Kostenaufstellung, Buchungen und Reservierungen, Öffentlichkeitsarbeit.

 

Zum Ende des Sommersemesters hin standen die meisten Einzelheiten zur Tagung bereits fest, sodass wir nun mit dem Drucken von Flyern, sowie mit der Aufstellung einer Internetpräsenz beginnen konnten. Auch ein Treffen mit der hauseigenen Hochschulzeitung, welche unsern Arbeitsalltag dokumentieren sollte, fiel in diese späte Organisationsphase am Semesterende. Um der Veranstaltung weitere Aufmerksamkeit und rege Besucherzahlen zu bescheren, legten wir fest, dass in dem von weiten Kreisen der entsprechenden akademischen Fachwelt genutzten Homepage „H-Soz-Kult“ (E-Mail-Verteiler der HU Berlin) eine von uns erstellte Meldung über die stattfindende Konferenz erscheinen sollte.

Obgleich die aktive Planungsphase des Projektseminars nun eigentlich beendet war, galt es noch dessen Repräsentation auf dem Tag der Lehre an der Christian-Albrechts-Universität am 25. November 2016 vorzubereiten. Hierfür fertigten wir, unterstützt von Projekt Perle, ein Plakat im Großformat an, welches Auskünfte über den Ablauf der Organisation sowie über die Umsetzung der Tagungsplanung gab. Am 25. November stieß das von uns vorgestellte Projektseminar auf durchgehend positive Resonanz von Seiten der Messeteilnehmer – es wurden jedoch auch die Herausforderungen und Problemstellungen dieses Lehrformates angesprochen. Die Überreichung einer Urkunde an unsere Dozenten zur Würdigung dieses innovativen Lehrkonzeptes stellte den inoffiziellen Höhepunkt der Präsentation dar.

Phase 6:

Durchführung der Fachtagung

Eine knappe Woche später fand die fachwissenschaftliche Tagung nahezu planmäßig statt, da Krankheiten und „höhere Gewalt“ kaum an der regen Teilnahme durch Besucher und Referenten zu rütteln vermochten. Durch die vielfältige Beschäftigung mit der Regional- und Landesgeschichte in Bezug auf den Schulunterricht und den dabei auftretenden Schwierigkeiten konnte folglich eine anregende Tagung realisiert werden. Uns Studierenden fiel in diesem Rahmen neben der Vorstellung der Referenten auch die technische Assistenz derselben zu. Aus den angefertigten Notizen zu den einzelnen Vorträgen der Tagung erstellten wir zum Abschluss des Seminars einen Tagungsbericht, welcher von H-Soz-Kult veröffentlicht wurde.

So zeigten die am 1. und 2. Dezember gehaltenen (gut besuchten) Vorträge neben den Herausforderungen der Beschäftigung mit dem Thema Landesgeschichte auch deutlich ihre Vorzüge und Erkenntnispotentiale auf. Insgesamt spiegelten die während der Podiumsdiskussion formulierten Standpunkte jene Schlussfolgerungen, die von den Referenten der Fachtagung gezogen wurden. An die Befragung der Diskutanten schloss sich eine lebhaft geführte Debatte über die Zukunft der Landesgeschichte an der Schule an. Das Publikum brachte in diesem Zusammenhang konstruktive wie auch kontroverse Ideen zur Sprache, die zu Verbesserungen des aktuellen, von Zeitdruck und diffizilen finanziellen Vorgaben geprägten Lehr- und Lernalltages führen sollten.

Die internationale Präsentation aktueller Forschungsarbeiten gab zudem Anlass zu spannenden Dialogen. Es wurde deutlich, dass die auf der Tagung aufgeworfenen Fragen nach dem Stand und den Perspektiven von Regional- und Landesgeschichte im Schulunterricht hilfreich sein können, wenn man sich tiefer mit dem Geschichtsunterricht und den historischen Kenntnissen von Schülerinnen und Schülern beschäftigen möchte. Die Fachtagung konnte den an sie gerichteten Erwartungen somit vollends gerecht werden.

Unser Fazit:

Aufgrund der kleinen Gruppengröße in Verbindung mit einer auf längerfristige Spezialisierung ausgerichteten Aufgabenverteilung konnten wir uns in unseren jeweiligen Themenschwerpunkten besonders intensiv profilieren. Sowohl das wissenschaftliche Recherchieren als auch die kreative Umsetzung von eigenen Ideen forderte uns Studierende, jedoch ohne uns zu überfordern. In Bezug auf das Arbeits- und Lernpensum können wir dem Seminar folglich einen ausgeglichenen Eindruck attestieren.

Für die zeitliche Planung von Studierenden ist es weiterhin von Interesse, dass die studentische Planung, Organisation und Durchführung einer Fachtagung etwa zwei Semester in Anspruch nimmt. Das Gros des Arbeitsaufwandes liegt jedoch eindeutig im ersten Semester. Im zweiten Semester sind nur noch einzelne Treffen erforderlich um den erfolgreichen Abschluss der Tagung zu gewährleisten.

Durch die hohe Bedeutung jedes einzelnen Aufgabenbereiches für das Gelingen der Tagungsplanung konnten wir den Umgang mit Verantwortung in der Gruppe üben; eine Kompetenz, von der wir später in der beruflichen Praxis sicherlich profitieren werden. Diese Konfiguration ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. So stellt der stets mögliche Ausfall von Seminarteilnehmern, etwa aufgrund von Erkrankungen, mit Hinblick auf eine komplikationsarme Tagungsplanung das Damoklesschwert dieser wissenschaftlichen Gruppenarbeit dar.

Besonders Dozenten, welche dieses Format erstmals umsetzen möchten, ist es daher angeraten, bereits im Vorfeld eines Projektes mit studentischer Beteiligung einen Plan B (oder auch einen Plan C) bereitzuhalten, da der gleichzeitige Ausfall von mehreren Studierenden andernfalls besonders in den fortgeschrittenen Organisationsphasen leicht zu einer Gefahr für den erfolgreichen Projektabschluss geraten kann. In unserem Projekt war das glücklicherweise nicht der Fall.

Insgesamt konnten wir aus dem Projektseminar viele positive Eindrücke und Erfahrungen für unsern weiteren Studienweg mitnehmen. Das gemeinsame Arbeiten im Seminar empfanden wir alle als einen professionellen und produktiven Prozess, weshalb alle Mitglieder des Projektseminars die Fortsetzung dieses Lernformates gerne empfehlen.

Dieses Projekt wurde mit dem PerLe-Fonds für Lehrinnovation gefördert.

 

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