Szenen der Konsumkritik: Theater im öffentlichen Raum

Theatermethoden für die Lehre

Theater bewegt Menschen, Theater regt zum Denken an, rüttelt auf und berührt. Es eignet sich daher auch besonders gut für den Transport politischer und gesellschaftsrelevanter Botschaften. Aber nicht alle Menschen sind für einen Theaterbesuch zu gewinnen, also was tun? Kein Problem, wir bringen das Theater zu Ihnen – unsichtbar und effektiv.

Text: Sandra Barth

Der brasilianische Theatermacher Augusto Boal entwickelte mit Schauspieler_innen und Nicht-Schauspieler_innen die Methode des Unsichtbaren Theaters. Das Unsichtbare Theater kann überall im öffentlichen Raum stattfinden und ist nicht als Theater erkennbar. Die umstehenden Menschen erleben also eine reale Szene, auf die sie auch echte Reaktionen zeigen. Das Ziel ist immer, Missstände, wie Boal sagt „Unterdrückung“, sichtbar zu machen und Handlungsalternativen erlebbar zu machen. Dabei wirkt das tatsächliche Beobachten einer Situation viel stärker als es eine Diskussion könnte. Boal arbeitete zum Beispiel in Skandinavien mit Laienschauspieler_innen an Szenen zum Thema Sexuelle Belästigung. Bezeichnend war, wie unterschiedlich Menschen auf eine solche Szene reagierten, je nachdem ob eine junge Frau oder ein junger Mann Zielscheibe der Belästigung war.

Es werden also Szenen entwickelt, die dazu geeignet sind, Menschen zum Nachdenken anzuregen, sie reale Missstände in der Gesellschaft erleben zu lassen und zum Handeln und Eingreifen zu bewegen. Das „Theater der Unterdrückten“, innerhalb dessen das Unsichtbare Theater eine von mehreren Methoden darstellt, ist eine von der UNESCO anerkannte Method of Social Change.

In der Lehrveranstaltung Szenisches Arbeiten: Wirtschaften nach der Finanzkrise setzten Frauke Godat und Sandra Barth vom Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) diese Methode mit Studierenden um. Die Teilnehmer_innen erhielten die Aufgabe, Szenen zu entwickeln, die dazu geeignet sind, im Alltagsleben auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, denn komplexe Zusammenhänge müssen auf eine prägnante alltägliche Situation heruntergebrochen werden und so realistisch gezeigt werden, dass Zuschauer_innen das Theater nicht erkennen – denn Letzteres würde dem Zweck entgegenlaufen.

 

 

Sind die Szenen zwar gestellt, so enthalten sie doch Wahrheiten, über die die Zuschauer_innen zum Nachdenken angeregt werden sollen. Ein Ziel, das leider schwer zu überprüfen, nach den erfolgreichen Aufführungen der Szenen jedoch wahrscheinlich ist. Die Studierenden setzten sich dabei auf ungewohnte Weise mit den Inhalten auseinander und erlernten eine neue Herangehensweise, die dazu geeignet ist, Bezüge zwischen abstrakten Inhalten und dem eigenen Alltagsleben herzustellen.

Mehr über Boal in der Lehre

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Beispiel Forumtheater (Methode des Theaters der Unterdrückten):

 

Literatur:
Boal, Augusto (1982). Theater der Unterdrückten. Edition Suhrkamp

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