Chancen studentisch angeleiteter Lehre

Workshop – Tag der Lehre 2018

 

Nachdem ich selbst während meiner beiden Studienphasen die Vorteile tutorieller Lehre erfahren konnte und als Tutor tätig war, bin ich seit fast zehn Jahren in der Tutorienarbeit aktiv. Die hohe Dynamik, Abwechslungsreichtum und die elementare Funktion von Tutorien im Lehr-Lerngeschehen unserer Hochschule erlauben mir in einem der interessantesten Tätigkeitsbereiche, die eine Hochschule zu bieten hat, tätig zu sein.

Marko Heyner, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg,
Netzwerk Tutorienarbeit (Workshopreferent)

 

Workshopthema

Studentische Lehrformate bieten Studierenden eine hervorragende Möglichkeit, ihre didaktischen, fachlichen und personalen Kompetenzen beträchtlich zu entwickeln. Für Lehrende bedeuten sie einen Mehrwert zur Ergänzung eigener Lehrformate wie Vorlesung und Seminar, für Lernende zusätzliche Unterstützung und Austausch auf Augenhöhe und in kleinen Gruppen. Die bekannteste Form der studentisch angeleiteten Lehre ist das Tutorium; aber auch andere Formate haben sich als hilfreich erwiesen und wurden in diesem Workshop in den Blick genommen. Es wurde erläutert, wie die Einbindung von Studierenden als Unterrichtende gelingen kann und welche Rolle die drittmittelfinanzierten Tutorienprogramme der Hochschulen hierbei übernehmen. Beteiligte aus allen Bereichen (Lehrende, Tutorinnen und Tutoren, PerLe-Mitarbeitende) besprachen ihre Erfahrungen und diskutierten konkrete Umsetzungsideen in der Lehre.

Zugang

Zunächst holte eine kurze Einführung in die Thematik auch Teilnehmende mit wenig Bezug zur Tutorienarbeit ab. Es lag dem Referenten am Herzen, dass alle ungeachtet ihres Status miteinander ins Gespräch kamen und so eines der wichtigsten Merkmale der Tutorienarbeit auch gleich selbst erleben konnten. Dazu versuchte Marko Heyner aus dem Publikum Teilnehmende zu gewinnen, die sich als Lehrende, Tutorierende, Studierende oder Mitarbeitende im Tutorienprogramm äußern mochten. Anhand weniger Leitfragen fand eine angeregte Diskussion statt.

Heiße Eisen

Marko Heyner: „Welche Aspekte im Zusammenhang mit dem Workshopthema besonders kontrovers diskutiert werden, hängt natürlich vom jeweiligen Interesse der Beteiligten ab. Erfahrungsgemäß können Vor- und Nachteile kontrovers diskutiert werden. Aber auch die Rahmenbedingungen auf der Organisations-, Programm- und Veranstaltungsebene sind immer wieder Thema. Die Balance zwischen einerseits hohem Vertrauen und andererseits Abgrenzung und Schutz vor Überlastung der Tutor_innen werden dabei bedacht.“

Highlights

Marko Heyner: „Jede Hochschule hat eigene Wege tutorieller Lehre entwickelt. Manchmal unterscheidet sich nur die Bezeichnung, manchmal stecken hinter gleichen Titeln ganz unterschiedliche Formate, Praxen und Theorien. Diese kennenzulernen und vor dem Hintergrund meines Überblicks durch die deutschlandweite Netzwerkarbeit einzuordnen, finde ich persönlich besonders anregend.“

Ablauf des Workshops

  • In der Kennenlernrunde zu Beginn des Workshops zeigte sich, dass mit studentischen Tutor_innen, Lehrenden und Personen aus dem Bereich der Qualifizierung die verschiedenen Statusgruppen rund um tutorielle Lehre gut vertreten waren.
  • Ein kurzer Ausflug in die Geschichte der studentisch angeleiteten Lehre machte deutlich, dass bereits Ende der 60er Jahre studentische Tutor_innen in der Lehre eingesetzt wurden.
  • In einer ersten Austauschrunde diskutierten die Teilnehmenden, was es für eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Lehrenden und Tutor_innen braucht und inwieweit Hospitationen durch Lehrende in studentisch angeleiteten Lehrveranstaltungen hilfreich sind. Teamteaching zwischen Lehrenden und Tutor_innen, eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle sowie gegenseitige Wertschätzung wurden im weiteren Verlauf der Diskussion als mögliche Wege skizziert.
  • Ein weiterer Fokus lag auf der Frage, wie das Wissen erfahrener Tutor_innen vor dem Hintergrund einer hohen Fluktuation weitergegeben werden kann. Als eine Möglichkeit wurde der Einsatz qualifizierter Tutor_innen als Multiplikator_innen benannt. Darüber hinaus bestand Einigkeit darin, Qualifizierungen studentischer Tutor_innen als frühzeitige Nachwuchsförderung und somit Mehrwert für Hochschulen in Sachen Personalentwicklung zu begreifen und im Hinblick auf das Thema tutorielle Lehre im kontinuierlichen Austausch zu bleiben.

 

WWW

 

Literatur:

  • Antosch-Bardohn, J.; Beege, B.; Primus, N. (2015). Tutorien erfolgreich gestalten. Ein Handbuch für die Praxis. UTB.
  • Eßer, A.; Kröpke, H.; Wittau, H. (2016)(Hrsg.). Tutorienarbeit im Diskurs III. Qualifizierung für die Zukunft. Münster.
  • Hempel, M.; Sekyra, A.; Wiemer, S. (2016)(Hrsg.). Vernetzt und eigenständig. Tutorienarbeit an sächsischen Hochschulen. Ulm.
  • Kröpke, H. (2015). Tutoren erfolgreich im Einsatz. Ein praxisorientierter Leitfaden für Tutoren und Tutorentrainer. UTB.
  • Kröpke, H.; Ladwig, A. (2013)(Hrsg.). Tutorienarbeit im Diskurs. Qualifizierung für die Zukunft. Berlin.
  • Zitzelsberger, O. et al. (2014)(Hrsg.). Neue Wege in der Tutoriellen Lehre in der Studieneingangsphase. Münster.

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