Schreibkompetenzen für individuelle Orientierungsprozesse nutzen

Workshop – Tag der Lehre 2018

 

Ich wende die vorgestellten Übungen in meinen eigenen Veranstaltungen an und mache immer wieder gute Erfahrungen damit, wie auf letztendlich leichte Weise Lernprozesse bei Studierenden angeregt werden können.

Dörte Husmann, Zentrum für Lehren und Lernen (ZLL)/Career Service,
Universität Bielefeld (Workshopreferentin)

Workshopthema

Wissenschaftliches Schreiben fordert von Studierenden, in Fachtexten eine eigene Position zu entwickeln. Die Studierenden durchlaufen einen Erkenntnisprozess, dessen Reflexion für das selbstgesteuerte Lernen gewinnbringend sein kann. Dieses Wissen lässt sich auch auf andere Herausforderungen im Studium und in Entscheidungsprozessen wie in der Berufsorientierung übertragen. In diesem Workshop wurden praktische Ansätze und Methoden aus der Schreibdidaktik und der Berufsorientierung kombiniert, die in verschiedenen Lehrsituationen eingesetzt werden können, um Studierende in ihren Lern- und Entwicklungsprozessen zielgerichtet zu begleiten.

Zugang

Die Teilnehmenden lernten den Ansatz im Rahmen eines Impulsvortrags kennen und hatten Gelegenheit, die vorgestellten Übungen auszuprobieren.

Heiße Eisen

Der Workshop lud dazu ein, sich über folgende Aspekte auszutauschen:

Textsorten-Diskurs: Wissenschaftliches Schreiben vs. „Spontanschreiben“
  • Können kreative Denk- und Schreibmethoden einen Beitrag zur Vermittlung wissenschaftlicher Arbeitsmethoden und eigenverantwortlicher Lern- und Orientierungsprozesse leisten?
  • Ziel verfehlt? Welchen Nutzen haben subjektive Reflexionen, wenn das Endprodukt in der Regel eine wissenschaftliche Haus- oder Abschlussarbeit ist?
Rolle und Zuständigkeit für Berufsorientierung als Lehrende
  • Welchen Stellenwert sollten Angebote zum Transfer und zur Reflexion persönlicher Berufsorientierungsprozesse in der Lehre spielen?

 

Highlights

Besonders spannend am Workshopthema ist,….

  • … dass der Einsatz von Schreibmethoden zur Reflexion von Lernprozessen vielfältige Formen des Dialogs mit den Studierenden ermöglicht und eine motivierte Arbeitsatmosphäre fördert.
  • … dass Studierende auf ungezwungene Weise motiviert werden, Handlungsstrategien, Kompetenzen, Lernerfahrungen, Erfolge sowie auch Entwicklungsaufgaben zu reflektieren. Dazu gehört auch, dass sie durch den Austausch in der Gruppe von den Erfahrungen der anderen Studierenden lernen können.

 

Diskussionen im Workshop

Herausforderungen des Schreibprozesses beim Begleiten Studierender:
  • Etwas zu schaffen, was Autor_in und Adressat_innen gleichermaßen zufriedenstellt, ist eine Herausforderung, weil unter anderem auch die eigenen Ansprüchen an einen Text eine Rolle spielen.
  • Ist das, was ich schreibe, tatsächlich auch das, was ich sagen will? Oder imitiere ich nur eine/n andere/n Autor_in, ohne auf die Inhalte zu achten? Dies einschätzen zu können ist eine Herausforderung.
  • Eine weitere Herausforderung ist, dass Reflexionen der Studierenden in Lehrveranstaltungen üblicherweise mündlich angeregt werden, dabei wäre es durchaus möglich und wünschenswert, (ausch) das Schreiben funktional als Orientierungsprozess in die Studieneingangsphase zu integrieren.
  • Wenn Schreiben als individueller Prozess verstanden wird, wie kann man dann das persönliche Endprodukt mit anderen (zum Beispiel in der Lehre) teilen?
  • Eine weitere Herausforderung in der Lehre ist, eine Schreibroutine durchzusetzen, d.h. Schreiben als Training, denn die Studierenden sind eher daran gewöhnt, nach konkreten Aufgaben zu schreiben (z.B. weil sie eine Hausarbeit als Prüfungsgegenstand abgeben müssen)

 

Studierende haben oft eine unterkomplexe Vorstellung eines Schreibprozesses im Kopf, die wie folgend aussieht: Ich lese/forsche, denke, warte, bekomme eine Erleuchtung, schreibe. Der tatsächliche Prozesse ist aber viel komplexer und vielschichtiger als das: das Schreiben muss vorbereitet und geplant werden, dann wird recherchiert und Quellen werden gesucht (Literaturstudium). Ein erster Rohtext wird so früh wie möglich geschrieben, dann inhaltlich überarbeitet und neu geschrieben und ganz zum Schluss korrigiert (Rechtschreibung und Formalia). Warum ist es so wichtig, so früh wie möglich, Gedanken zu Papier zu bringen? Weil Schreiben nicht nur als Mittel zum Zweck zu betrachten ist. Das Schreiben hilft dabei, ins Denken zu kommen.

Oft herrscht auch in der Berufsorientierung eine unterkomplexe Vorstellung des Prozesses, die die Studienwahl direkt mit der Berufswahl gleichsetzt. Aber so wie oben, ist auch dieser Prozess viel komplexer, nämlich:

  1. Kompetenzprofil erstellen (was kann ich?)
  2. Arbeitsmarktwissen erlangen (Wem nutzt das?)
  3. Netzwerken
  4. Ziel- und Entscheidungsfindung (welche Strategien kenne ich dafür?)
  5. Bewerbung (Wie kann ich mein Kompetenzprofil am besten darstellen?)
  6. Übergangsmanagement (was brauche ich nun, um diesen Job auszuüben?)

 

 

Links & Literatur

Literaturtipps
  • Bolles. Richard Nelson. What Color Is Your Parachute? 2018: A Practical Manual for Job-Hunters and Career-Changers. Auflage: 2018 ed. New York: Ten Speed Press.
  • Frank, A., Haacke, S. & Lahm, S. (2013). Schlüsselkompetenzen: Schreiben in Studium und Beruf. (2., aktualisierte und erweiterte Aufl.). Stuttgart u.a.: Metzler.
  • Fröhlich, Melanie ; Henkel, Christiane ; Surmann, Anna, (2017). Zusammen schreibt man weniger allein – (Gruppen-)Schreibprojekte gemeinsam meistern. Opladen, Toronto: Verlag Barbara Budrich.
  • Lahm, S. (2016). Schreiben in der Lehre –Handwerkszeug für Lehrende (Kompetent lehren). Opladen, Toronto: Verlag Barbara Budrich.
Links

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