Das reziproke Verhältnis von Theorie und Praxis

Kurzdokumentation aus dem Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe)

Seit der Antike beschäftigt Menschen das Verhältnis von Theorie und Praxis. Wie wissenschaftliche Theorie und Praxis und deren Bezug zueinander in verschiedenen Fachbereichen der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) aussehen und wie unterschiedlich die beiden Begriffe je nach Kontext definiert werden, zeigt ein neues Video aus der Serie „Impulse – Videos zu aktuellen Themen der Hochschullehre“ vom Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) der Uni Kiel.

Text: Kathrin Ludwig
Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe)

 

Jede absichtliche Handlung – also jede Art von Praxis – beruht auf persönlichen Erfahrungen und Wissen über die Welt. Dieses Wissen betrifft Fakten ebenso wie die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung. Mit anderen Worten: Wer handelt, tut das auf Grundlage einer wie auch immer beschaffenen Theorie. Oft ist dem handelnden Menschen nicht einmal bewusst, dass er gerade seine persönliche, individuelle Theorie angewendet hat, um sich dafür zu entscheiden, eine Handlung auf eine bestimmte Art durchzuführen. Spätestens aber, wenn eine Aktion das beabsichtigte Ziel nicht erreicht, wird Nachdenken notwendig. Worauf ist der Misserfolg zurückzuführen, wie lässt er sich beim nächsten Mal vermeiden? Tritt sogar noch ein weiterer Misserfolg ein, kann es erforderlich werden, die Grundlagen der Handlung selbst infrage zu stellen –  es ist Zeit, auf der nächsthöheren Ebene zu theoretisieren, das bedeutet, Reflexion auf einer Metaebene zu betreiben. Dieser Herangehensweise folgen auch Dr. Ines Weber und Dr. Sandra Brunsbach in ihrem Masterseminar Forschungswerkstatt Theorien und Methoden der Politikwissenschaft an der CAU: Neue Forschungsergebnisse werden von der bereits bestehenden Forschung aufgegriffen und finden Eingang in die Theorie, verbessern und erweitern diese.

Beim Entwickeln, Weiterentwickeln und Vermitteln von Theorien, ja beim Theoretisieren selbst, handelt es sich ebenfalls um eine Praxis – um eine schwierige, die großen Aufwand und viel Erfahrung erfordern kann. Auf den zweiten Blick sind Theorie und Praxis also keineswegs so strikt auseinanderzuhalten, sondern miteinander verzahnt. Eines wirkt auf das jeweils andere ein, geht daraus hervor, verändert sich, wie Prof. Winfried Böhm von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg im Video erläutert.

Der Ansatz der Forschungsbasierten Lehre eignet sich, um Studierende Theorie und Praxis ihres Faches in ihrer Verbundenheit erfahren zu lassen. Auf dieser Vorgehensweise fußt auch das Masterpraktikum Optoelektronik, das Prof. Martina Gerken im Nanolabor der CAU anbietet und das im Video ebenfalls dargestellt wird. Durch die eigenständige Entwicklung von Fragestellungen, das Durchleben eines Forschungsprozesses und die Einordnung der Ergebnisse sind Studierende angehalten, sowohl ihre theoretischen Kenntnisse zu aktivieren als auch akademische Praxis selbst zu erleben.

 

Forschungsbasierte Lehre

 

Quellen

  • Böhm, Winfried (2011). Theorie und Praxis: eine Einführung in das pädagogische Grundproblem. Würzburg: Königshausen & Neumann.
  • Nakamura, Yuka; Böckelmann, Christine; Tröhler, Daniel (2006).  Theorie versus Praxis? Perspektiven auf ein Missverständnis. Zürich: Verlag Pestalozzianum.

 

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