Trainingstherapeutische Einblicke für Sportstudierende

Kooperation mit UKSH ermöglicht Brückenschlag von Theorie zu Praxis

„Raus aus dem Hörsaal – rein in die medizinische Trainingstherapie und am Patienten lernen!“, fasst Dr. Thorsten Schmidt vom Institut für Sportwissenschaften das Ziel des Seminars „Praktischer Unterricht in der Medizinischen Trainingstherapie“ zusammen. „Die universitäre Ausbildung darf die praktische Anwendung des erlernten Wissens nicht aus dem Fokus verlieren, da diese für Absolventen der Sportwissenschaft für die spätere Berufstätigkeit enorm wichtig ist.“

Text: Carmen Voigt (Studentin)

Dieses Projekt wurde mit dem PerLe-Fonds für Lehrinnovation gefördert.

Im Ein-Fach-Master Studium Sportwissenschaft werden die Inhalte der Themenfelder Sportmedizin und Trainingstherapie üblicherweise zwar theoretisch über Seminare, jedoch ohne direkten Patientenkontakt vermittelt. Allerdings bleiben viele der Studierenden nach dem Abschluss ihres Studiums nicht in der Wissenschaft, sondern starten in ganz praktischen Berufsfeldern. An diesem Punkt setzt das Seminar Praktischer Unterricht in der Medizinischen Trainingstherapie an, das den Studierenden einen Einblick in die medizinische Trainingstherapie (MTT) am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) ermöglicht. Sie können dort zum einen das theoretische Wissen in die Praxis umsetzen und zum anderen erlangen sie wichtige Voraussetzungen, die von einem Sportwissenschaftler in dem Berufsfeld erwartet werden. Dazu zählen das Erkennen klinischer Symptomatiken, die methodische Trainingsplanung sowie mögliche Testmethoden. Das Ziel des Seminars ist, dass die Studierenden in der Lage sind, ein Anamnesegespräch zu führen und darauf aufbauend einen Trainingsplan für einen Patienten zu erstellen, der auf die Ressourcen und Defizite sowie individuellen Ziele des Patienten abgestimmt ist.

 

 

Umsetzung im MTT-Alltag

Wie lassen sich diese Ziele nun gut im bestehenden MTT- und Universitätsmodell umsetzen? Die Studierenden sollen einen Einblick in die Praxis der MTT bekommen, trotzdem sollte auch der normale Betrieb nicht durch die Seminarteilnehmer aufgehalten werden. Für eine bessere Integration in den Ablauf, eine gute Betreuung und um den Studierenden den Raum und die Zeit zu geben sich auszuprobieren, wurde Wert auf eine kleine Teilnehmerzahl gelegt. Dies ermöglichte dem Dozenten, auf den individuellen Könnensstand der einzelnen Studierenden einzugehen, Fragen ausführlich zu beantworten und jede/n zu fördern.

Nach einer ersten Einführungsstunde an der CAU fand das Seminar ausschließlich in der MTT am UKSH statt. Zunächst erhielten die Studierenden eine Einführung in die Räumlichkeiten und die Nutzung der Geräte, anschließend bekamen sie einen Einblick in den individuellen Ablauf im UKSH. Jetzt erstellten die Studierenden die ersten Trainingspläne für fiktive Patienten, um schließlich – am Ende des Seminars – einen echten Teilnehmer aufzunehmen, das Anamnesegespräch zu führen und darauf aufbauend einen Trainingsplan zu erstellen.

 

 

Einblick in das Seminar

„Herzlich Willkommen, ich bin heute ihr Trainer und nach einem kurzen Einführungsgespräch werden wir gemeinsam ihren Trainingsplan erstellen“, die Anspannung des Studenten war zu spüren. Verständlich, denn wir sind in der letzten Einheit unseres Seminars angekommen und die Aufgabe ist es, mit dem Wissen aus den letzten Stunden nun einen Patienten in das Gerätetraining einzuweisen.

Trotz der langjährigen Trainererfahrung des Studenten ist es für ihn eine ganz neue, unbekannte Situation, in der er sich gerade befindet. Die größte Herausforderung besteht darin, den Patienten in Bezug auf seine Leistungsfähigkeiten einzuschätzen. Die Patienten kommen meistens mit einer hauptsächlichen Einschränkung oder Erkrankung, haben aber oft weitere Nebenerkrankung. Bei der Erstellung des Trainingsplans müssen alle Faktoren miteinbezogen und die Teilnehmer dürfen weder über- noch unterfordert werden.

Trotz der Aufregung geht der Student einfühlsam und kompetent auf alle Probleme des Patienten ein. Am Ende der Seminarstunde sind beide zufrieden mit dem Ablauf der ersten Trainingseinheit.

 

Fazit

Rückblickend zeigt sich, dass sich das Seminar sehr gut in den Ablauf der MTT und in den Unialltag integrieren lässt. Die Studierenden hatten einen passenden Mix aus Anwesenheits- und Vorbereitungszeit, die sich gut in die anderen Seminarzeiten des Semesters einfügte. Ebenso wurden die Studierenden nicht als störend empfunden – ganz im Gegenteil: Herr Dr. Schmidt betont, dass „nicht nur die Teilnehmer die Arbeit am realen Patienten als Bereicherung empfanden, sondern auch von Patientenseite der Austausch mit Studierenden positiv bewertet wurde.“

„Ich habe das Seminar gebucht, da es mir die Möglichkeit bot, einen Themenbereich praktisch zu erkunden, was bisher im Studium in der Form fehlte“, begründete ein Student seine Wahl. Besonders der hohe Praxisanteil und der Einblick in ein mögliches späteres Berufsfeld empfanden alle als Bereicherung. Gezeigt hat sich, dass nicht alle Themen im Studium ausreichend behandelt worden waren, sodass es bei einer Wiederholung des Seminars sinnvoll wäre, im Vorfeld zusätzliche Theorieeinheiten einzuplanen. Zudem wünschten sich die Studierenden mehr Praxiszeit.

Abschließend das Feedback eines Seminarteilnehmers:

„Die Betreuung und Kommunikation mit den Dozenten waren authentisch und freundlich und das Mitwirken an einem solchen Projekt sollte weiterhin als obligatorischer Bestandteil des Studiums angeboten werden!“

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