Über Austern und Empowerment

Bericht von einer Podiumsdiskussion zu Nachhaltigkeit im Meeresschutz

Nachhaltigkeit als Kompass? Unter diesem Motto stand die vierte Veranstaltung der Vorlesungsreihe „Ozean im Wandel: Herausforderungen für die Zukunft“. Ein Bericht aus studentischer Perspektive.

Das Podium war hochkarätig besetzt: Am 18.11.14 diskutierten Konrad Ott, Professor für Philosophie und Ethik der Umwelt in Kiel, Jens Ambsdorf, Vorstand der Lighthouse Foundation, Norman Laws vom Institut für Nachhaltigkeitssteuerung der Leuphana Universität Lüneburg sowie Christoph Corves, Professor für Geographie und Medien in Kiel. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Barbara Neumann vom Geographischen Institut der CAU Kiel.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Foto: Nancy Smith

Nachhaltigkeit – mehr als reine Rhetorik?

Den vier Podiumsteilnehmern gelang es, in der knappen Zeit einen facettenreichen Einblick in die Theorie und Umsetzung des Nachhaltigkeitskonzepts zu präsentieren. Konrad Ott schlug eine Brücke von der erstmaligen Verwendung des Begriffs in der Forstwirtschaft im 18. Jhd. über den Bericht der Brundtland-Kommission in den 1980er Jahren hin zu den aktuellen Debatten über starke und schwache Nachhaltigkeit. Ott verwies darauf, dass Nachhaltigkeit heute eine Art „ungeschützte Markenbezeichnung“ sei, die von vielen Akteuren für sich beansprucht werde und damit Gefahr laufe, beliebig zu werden.

Das bestätigte Norman Laws, der im Rahmen einer Studie Mitarbeiter des Kanzleramts und verschiedener Bundesministerien sowie führende Abgeordnete im Bereich Nachhaltigkeit befragt hatte. Er wollte herausfinden, ob das „Leitbild Nachhaltigkeit“ (Angela Merkel im Juni 2014) mehr sei als reine Rhetorik. Sein Fazit fiel leider negativ aus. Er schloss mit dem Zitat eines Beamten im Wirtschaftsministerium: „Nachhaltigkeit interessiert hier keine Sau.“

Optimistischer war der Ansatz von Christoph Corves, der sich – anstatt länger auf den Staat warten zu wollen – auf das Empowerment der (studentischen) Zivilgesellschaft konzentrierte. Unter dem Motto „Nachhaltigkeit lernen heißt handeln lernen“ präsentierte er Erfolge des Kieler Lernprogramms „yooweedoo“, das auf die Umsetzung von ökologischen oder sozialen Projektideen zielt. Jens Ambsdorf ergänzte die Darstellung mit einem persönlichen Beitrag zur Entstehung seines Engagements für die Meere. Dabei stellte er vor allem die Bedeutung des Jahres 1972 heraus, das mit der berühmten ersten Vollaufnahme der Erde aus dem All und der Debatte um „Die Grenzen des Wachstums“ die Entstehung des Nachhaltigkeitskonzepts und das Leben vieler Menschen entscheidend geprägt hat.

Nachhaltigkeit konkret: »Die Auster und die Austernwirtschaft«

Leider kam es in der darauf folgenden Diskussion nicht dazu, die Folgen einer Anwendung des Nachhaltigkeitskonzepts auf den Meeresschutz herauszustellen und zu debattieren. Das lag zu einem großen Teil daran, dass sich kein/e MeeresbiologIn auf dem Podium befand. Aber auch die Diversität der Podiumsteilnehmer erschwerte eine tiefer gehende Diskussion.

Vielleicht muss man es aber auch gar nicht so kompliziert machen. Denn die zentralen Handlungsanweisungen liegen schon seit geraumer Zeit auf der Hand. Seit 1877 um genau zu sein. Da veröffentlichte Karl August Möbius, damaliger Ordinarius für Zoologie an der Universität Kiel, sein Werk »Die Auster und die Austernwirtschaft«. Konrad Ott präsentierte es als die erste Anwendung des Nachhaltigkeitsbegriffs in der Meeresforschung. Laut Möbius solle sich die Nutzung natürlicher Rohstoffe weder nach Preis noch Nachfrage richten, sondern einzig nach dem natürlichen Zuwachs eines Bestandes. Eine klare Richtungsweisung durch den Kompass Nachhaltigkeit, oder?

Das große Finale: Habeck im Hörsaal

Wer mehr erfahren oder mitdiskutieren möchte, sollte sich den Termin der Abschlussveranstaltung der Vorlesungsreihe am 9.12.2014 vormerken. Auch da steht Nachhaltigkeit mit auf der Agenda: Mensch–Meer–Nachhaltigkeit: Die Meerespolitik vor neuen Herausforderungen. Ab 18:00 Uhr diskutieren dazu im Frederik-Paulsen-Hörsaal des Audimax…

  • … Schleswig-Holsteins Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Dr. Robert Habeck
  • … Dirk Lindenau (Ingenieur für maritime Projekte und ehemaliger Geschäftsführer der Lindenau-Werft, Kiel)
  • … Prof. Dr. Martin Visbeck (GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel)
  • … Thilo Maack (Greenpeace, Hamburg)

Weiterführende Links

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.