Unterricht für die Generation Youtube

Nachhaltigkeit mit Filmen vermitteln

Videos auf dem Smartphone gehören für viele Jugendliche selbstverständlich zum Alltag. Das machten sich Lehramtsstudierende der Fächer Kunst und Biologie in einem Seminar über Nachhaltigkeit zunutze.

Text: Julia Siekmann, Pressestelle der CAU

Dieser Artikel ist auch in der aktuellen »unizeit« erschienen.

Klimakillertomaten oder harmloses Gemüse? In selbst gemachten Animationsfilmen wollen die Studierenden auf versteckten Wasserverbrauch aufmerksam machen. Foto: Liv Hanson

»Klimakillertomaten« lautet die Schlagzeile in der Tageszeitung – ein Schock für die Tomaten, die sich alle nicht schuldig am hohen Wasserverbrauch fühlen. Animierte Tomaten mit Mündern aus Knete und großen Kulleraugen berichten aus ihren Heimatländern: Spanien, Holland und dem deutschen Balkonien.

So in etwa haben sich Tabea Dreismann, Liv Hanson und Lara Kneesch ihren Kurzfilm über virtuelles Wasser vorgestellt. Dreismann studiert im Master Biologie, Hanson und Kneesch Kunst, alle an der Kieler Universität und alle auf Lehramt. Mit Film hatten sie bisher nichts zu tun, höchstens Videos mit dem Smartphone gemacht. Und genau darum geht es in dem fächerübergreifenden Seminar, das die angehenden Lehrerinnen in diesem Sommersemester besuchen: Mit Tablet-PCs erstellen die 20 Teilnehmenden in interdisziplinären Kleingruppen eigene Filme zum Thema Nachhaltigkeit. Dazu entwickeln sie didaktische Konzepte für den Einsatz von Filmen im Unterricht und wie Schülerinnen und Schüler sie mit einfachen Mitteln selbst erstellen können. Gefördert wird das Seminar durch das Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe).

Fachwissen trifft Kreativität

Im Seminar erhielten die Teilnehmenden eine Einführung in Animationstechniken, Sound und Zeichnen eines Storyboards sowie in die Wissenschaftskommunikation. »Die Biologen bringen Fachwissen zu Nachhaltigkeitsthemen ein«, sagt Kunststudentin Hanson. »Und die Kunstdidaktiker die Kreativität, wie man das am besten umsetzt«, ergänzt Biologiestudentin Dreismann. Das Medium Film passe gut zur Zielgruppe Jugendliche, finden sie. »Das ist quasi die Generation YouTube, die machen ja selbst stän­dig Filme in ihrer Freizeit«, sagt Dreismann.

Als größte Herausforderung eines Videos über ein wissen­schaft­liches Thema sehen sie die Fülle an Informationen. »Man muss für die Vermittlung eine Balance finden zwischen span­nend oder witzig einerseits und informativ und wissenschaftlich andererseits«, sagt Dreismann. Darüber wird auch im Plenum des Seminars viel diskutiert: Wie können wir ohne moralischen Zeigefinger auf das Thema Nachhaltigkeit aufmerksam machen? Wie sollten komplexe Zusammenhänge visualisiert werden? Wie funktioniert unterhaltsame Wissensvermittlung?

Mutige Beispiele mit Aha-Effekt

Darum geht es auch den Veranstalterinnen, Kunstdidaktikerin Friederike Rückert vom Kunsthistorischen Institut und Kerstin Kremer, Professorin für Didaktik der Biologie. »Für Jugendliche spielen Videos heute ganz selbstverständlich eine zentrale Rolle. Darin steckt ein großer Bildungsauftrag für uns und viel Potenzial für den Unterricht. Das sollten wir nutzen, um die Schülerinnen und Schüler in ihrem Alltag abzuholen«, erklärt Rückert.

Sie und Kremer wissen, dass in einem kurzen Video nicht alle Fakten zu einem Thema untergebracht werden können – und sollten. »Hier gilt es, mutig zu sein und exemplarisch zu wer­den. Ein gut gewähltes Beispiel kann oft mehr Aha-Erlebnisse erzeugen als umfangreiche Wis­sens­vermittlung«, rät Kremer, die am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathe­matik forscht.

Themen wie Nachhaltigkeit eignen sich besonders gut für eine filmische Umsetzung in der Schule, sind die beiden überzeugt. Zum einen spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle im Lehrplan. »Zum anderen kann mit Mitteln des Films und der Animation Unsichtbares sehr gut sichtbar gemacht werden«, so Rückert. Hierbei ergänzen sich faktisch-empirische und künstlerische Perspektiven der beiden beteiligten Fächer. Rückert: »Kunst will bewegen und aufzeigen – wie Naturwissenschaft auf ihre Weise auch.«

 

 

Virtuelles Wasser
Die tatsächliche Wassermenge, die bei der Herstellung eines Produktes verbraucht wird, heißt auch »virtuelles Wasser« oder »Wasserfußabdruck«. Auf diese Weise wird zum Beispiel die Bewässerung von Gemüse, das Trinkwasser für Tiere und Futterpflanzen zur Fleischproduktion oder die Ver­schmutzung von Grundwasser dargestellt. (jus)

PerLe-Seminar
Im kommenden Wintersemester findet ein weiteres fächerverbindendes Seminar statt, das vom PerLe-Fonds für Lehrinnovation gefördert wird: In Tandem-Projekten untersuchen die Fachdidaktik Kunst und die Didaktik der deutschen Sprache das Wechselverhältnis von Bild und Sprache, sowohl fachlich als auch fachdidaktisch. Dabei arbeiten sie mit Expertinnen und Experten der Sprachbildung und der Kunstgeschichte zusammen. Die Ergebnisse werden im Januar 2018 vorgestellt. (jus)


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