Kulturelle Mitgestaltung in Städten

Urban Dynamics: Stadtstudien als Vorbild für die Philosophische Fakultät?

Geisteswissenschaften haben ein riesiges Potential für die Gesellschaft. Dabei haftet ihnen häufig noch das Image an, Forschung im Elfenbeinturm zu betreiben. Daher ist es wichtig, ihre Relevanz auch in der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Einen solchen Schritt unternimmt das Programm Urban Dynamics. Mittwochabend (1.6. 2016) findet eine Podiumsdiskussion des Programms im Kulturforum statt, die kulturelle (Mit-)Gestaltungsmöglichkeiten in Kiel und anderen Städten aufzeigt. Der Eintritt ist frei.

Text: Lambert Schultz (Student & Projektteilnehmer)

1200px-Kiel_Rathaus_0336

Die Oper Kiel – einer von vielen Kulturräumen in der Landeshauptstadt. CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3407836

Auf der Veranstaltung sprechen unter anderem Ratsherr Dirk Scheelje von den Grünen sowie Nils Aulike von der Hansa 48 über die Trias Stadt-Kultur-Räume. Welche Möglichkeiten bieten sich, die Stadt kulturell mitzugestalten? Wie kann man mit den vielfältigen soziokulturellen Herausforderungen umgehen?

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Workshops „Spaces of/for urban cultures“ statt, der aktuell in Kiel stattfindet und Teil von Urban Dynamics ist.

Das Programm Urban Dynamics

Die EU-geförderte Erasmus+-Strategische Partnerschaft  Urban Dynamics besteht aus den Universitäten Kiel, Paris 8, Santiago de Compostela, Buenos Aires (USAL) und Recife (UFPE) und entwickelt von Oktober 2015 bis September 2017 ein internationales transprofessionelles Curriculum im Bereich der interkulturellen Stadtstudien, an dem Expert_innen aus Geographie, Literatur- und Kulturwissenschaften, Soziologie u. a. disziplinenübergreifend zusammenarbeiten. Ziel ist die Entwicklung eines internationalen Masters ab 2017, der den soziokulturellen Herausforderungen unserer Zeit gerecht wird.

Geisteswissenschaften liefern Impulse für die Praxis

Stadtstudien sind ein ideales Feld für Geisteswissenschaftler_innen, um Impulse und Handlungsempfehlungen für die Praxis zu liefern. Es geht dabei um Fragen der kulturellen und sprachlichen Diversität. Um das Zusammenleben und die Integration von Menschen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe. Um Mitgestaltung am kulturellen Leben einer Stadt.

 

Urban Dynamics Kiel beim Symposium in Paris

Paris im März: Die Kieler Gruppe der Romanisten beim Symposium von Urban Dynamics. Quelle: Privat

 

Alles Bereiche, in denen die Geisteswissenschaften besondere Stärken haben. Studierende fremdsprachiger Philologien erwerben während ihrer universitären Ausbildung interkulturelle Kompetenzen: Eine Sprache studieren heißt auch, sich mit der Kultur und sozialen Gegenwart des jeweiligen Landes zu beschäftigen. Häufig ist die Zugehörigkeit zu einer Sprachgemeinschaft für Menschen ein zentraler Bestandteil ihrer Identität.

Welches Image will Kiel von sich kommunizieren?

Auch die Literatur- und Medienwissenschaft macht spannende Perspektiven auf: Eine Stadt oder ein Stadtviertel haben ein Image, es existieren Vorstellungen und Bilder davon in den Köpfen der Menschen – man könnte sagen, sie umgibt eine Fiktion. Dabei prägen neben persönlichen Eindrücken vor allem Zeitungsartikel, Romane oder Filme solche Bilder von Städten und Quartieren. Auf diese Weise bringen Touristen häufig schon Vorstellungen von einer Stadt mit, wenn sie sie das erste Mal besuchen.

Welches Bild möchte Kiel von sich vermitteln, um attraktiv für Touristen zu sein? Ist dieses Bild kongruent mit dem Eindruck, den die Bewohnerschaft von Kiel hat? Sind Kieler_innen bereit, dieses Imaginarium anzunehmen – oder gibt es Widerstände?

Selbst einzelne Viertel oder Räume können ein eigenes Imaginarium haben. Passt dieses mit der Nutzung des Viertels oder der intendierten Funktion eines Raumes zusammen? Die Beachtung des fiktionalen Aspektes von Räumen bietet Stadtentwicklern die Chance, Nutzungskonzepte zu entwickeln, die die Bewohnerschaft auch akzeptiert und annimmt.

Urban Dynamics als Vorbild für die Philosophische Fakultät?

Das Programm Urban Dynamics wurde durch Professor Javier Gómez-Montero vom Romanischen Seminar und Professor Rainer Wehrhahn vom Geographischen Institut initiiert. Hierbei gelang es, 235.000 Euro an Fördermitteln von der EU zu erhalten. Die Politik hat also die gesellschaftliche Relevanz der betriebenen Forschung erkannt und ist bereit, diese auch in großem Maße finanziell zu fördern.

Neben anderen Projekten an der Philosophischen Fakultät wird auch hier den Studierenden eine Orientierung für den späteren Werdegang geboten. Sie können das im Studium erworbene „Handwerkszeug“ zur Lösung gesellschaftlicher Fragen einsetzen.

Dabei können die im Rahmen der Zusammenarbeit gemachten Lehr- und Forschungserfahrungen auch für die anderen Philologien wie Anglistik, Slawistik, Skandinavistik oder Orientalistik interessant sein. Es wäre im aktuellen Migrationskontext spannend zu sehen, welche Impulse und Ideen die Orientalistik für das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen auf engem Raum liefert. Und auch eine historische oder philosophische Perspektive könnte sicher einiges zur Lösung aktueller Fragen beitragen.

Weiterführende Informationen

  • zur Veranstaltung: Mittwoch, 1. Juni 2016, 19.30 Uhr, bis ca. 21.30 Uhr; im KulturForum, Andreas-Gayk-Straße 31, 24103 Kiel.Der Eintritt ist frei. Die Diskussion findet auf Englisch statt.
  • zum Projekt Urban Dynamics: www.urbandynamics.eu

 

Kontakt

Koordination des Projekts an der CAU
Professor Dr. Javier Gómez-Montero
Romanisches Seminar
gomez.montero@romanistik.uni-kiel.de

Professor Dr. Rainer Wehrhahn
Geographisches Institut
wehrhahn@geographie.uni-kiel.de

Projektmanagement
Priv.-Doz. Dr. Victor A. Ferretti
Romanisches Seminar
ferretti@romanistik.uni-kiel.de

Dr. Corinna Hölzl
Geographisches Institut
hoelzl@geographie.uni-kiel.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.