Was heißt hier gute Lehre?

Teil III – Kurzinterviews mit Studierenden der CAU

Alle wollen gute Lehre. Aber was genau soll das heißen? Auf dem Campus der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) hat die Studentin Mirjam Michel Kommiliton_innen zum Thema befragt – und überraschend vielfältige Antworten erhalten. In der dritten Folge unserer Serie „Was heißt hier gute Lehre?“ spricht sie mit drei Studierenden der Psychologie.

Interview & Foto: Mirjam Michel (Studentin/PerLe)

Gianluca Lamberti, (23), 8. Semester, Melina Häckel, (24) 6. Semester, Max Klähn, (24), 8. Semester (v.l.n.r.), Studierende der Psychologie.

 

Was macht für Euch gute Lehre aus?

Melina: Vernünftige Didaktik. Gianluca und ich sind beide aus unserem Auslandssemester in Finnland verwöhnt. Dort gibt es eine gute Didaktik, so dass du selbst anfängst kritisch zu reflektieren, was dir beigebracht wurde, statt nur auswendig zu lernen. Du wirst auch dazu angehalten, mal zu überlegen, ob das Gelernte Sinn macht, und dem vielleicht auch zu widersprechen. Das ist für mich gute Lehre. Wichtig ist auch, dass sich die Lehrenden wirklich Mühe geben, den Stoff aufzubereiten, so dass er verständlich wird.

Gianluca: Und dass die Lehrperson selbst begeistert ist, von dem was sie oder er macht.

Max: Ich finde eine Verbindung aus Forschung, Praxis und Lehre gut. Wenn Lehrende Dinge erforschen, die sie in der Praxis einsetzen und darauf aufbauende Lehre machen, gerade in angewandten Fächern wie Psychologie oder Medizin. Für uns als Studierende ist es gut, wenn wir merken, dass Lehrende sowohl an der Universität als auch in anderen Bereichen arbeiten. Das zeigt, dass es nicht getrennte Systeme sind – nach dem Motto: Hier ist die Universität als eigener Subkosmos und da ist die Welt da draußen. Was in der Forschung untersucht wird, ist auch wichtig für die Arbeit in der Praxis und umgekehrt. Diese Verbindung sollte auch in Lehrveranstaltungen ersichtlich werden.

Melina: Es wäre toll, wenn wir im Studium mehr Zeit hätten zu lernen, etwas auch in der Praxis anzuwenden. Ich habe jetzt im 6. Semester zum ersten Mal etwas über therapeutische Gesprächsführung gelernt, was ich mir wesentlich früher gewünscht hätte. Im Grundstudium hatten wir sehr viele Basisfächer. Vieles brauchen wir nicht unbedingt für die Praxis. Es gibt vieles, wo wir nicht genau wissen, wie der Praxisbezug ist und was wir ohne Bedenken anwendenn können.

Max: Also ich finde die Grundlagen als Basis trotzdem wichtig.

Melina: Und ich glaube, es wäre gut, den Stoff zu reduzieren und noch einmal genau zu prüfen, was die Studierenden wirklich brauchen. Einige der Inhalte könnten daraufhin vielleicht optional angeboten werden statt verpflichtend.

Max: Ich finde es cool, wenn Begeisterung seitens der Dozentinnen und Dozenten da ist und du merkst die brennen für etwas. Du merkst auch in der Vorlesung den Unterschied, ob etwas abgehandelt werden muss oder ob die Dozentin oder der Dozent wirklich von dem Thema begeistert ist. Das kommt dann ganz anders rüber.

 

Welche Lehrveranstaltung hat Euch in diesem Semester oder allgemein besonders gefallen und warum?

Gianluca: Mir hat die Vorlesung in Klinischer Psychologie bei Anja Petersen sehr gut gefallen, weil sie eine sehr gute Professorin ist. Sie baut Themen interessant und studierendenfreundlich auf. Sie regt dazu an, weiterzudenken. Gleichzeitig geht sie sehr sensibel und auf eine sehr menschliche Art und Weise mit dem Thema um – es geht in der Vorlesung um psychische Störungen – statt uns nur wissenschaftliche Fakten zum Thema zu präsentieren, die wir auswendig lernen müssen.

Melina: Mir gefällt allgemein der Bereich Klinische Psychologie gut, weil die Dozentinnen und Dozenten dort sehr viel Ahnung von Lehre haben, weil sie nah dran sind. Zum Beispiel hatte ich ein Seminar zum Thema Störung von Emotionen bei Sandra Thiele. Das ist ein Seminar, wo wir durchgehen, welche Störungsgruppen es gibt. Wir behandeln auch, welche Interventionen bei diesen Störungen gut sind. Zusätzlich machen wir eine kleine Expositionstherapie, wo wir in Kleingruppen selbst eine therapeutische Gesprächsführung und eine Expositionstherapie durchführen, sowohl in der Rolle des Therapeuten als auch in der Rolle des Klienten. Das war meine Lieblingsveranstaltung. Die Dozentin hat es didaktisch sehr gut aufbereitet und sie hat das Thema gut rübergebracht. Obwohl sie sehr jung ist, ist sie sehr gut im Thema, sodass alle sie respektiert haben und nie jemand gestört hat. Durch ihre Art und ihr Alter war sie sehr nah dran an den Studierenden.

Max: Ich hatte auch mehrere Seminare bei ihr, zum Beispiel das Seminar Angststörung bei Kindern und Jugendlichen. Mir gefällt die Lehrform gut, die veranstaltung war wie ein interaktiver Frontalunterricht gestaltet. Ein Leitfaden wird vorgegeben, aber innerhalb dessen werden viele Fragen eingebaut, du kannst dich melden und du kannst mehr Fragen stellen als im Rahmen einer Vorlesung. Trotzdem ist die Veranstaltung strukturiert. Ähnlich ist es in dem Seminar von Simone Goebel. Ich habe bei ihr das Seminar zur Klinischen Neuropsychologie besucht, wo wir sowohl viele Grundlagen gelernt haben, was das Gehirn angeht, als auch angewandte Praxisbeispiele. Das Dritte, was mir als sehr positives Beispiel einfällt, ist das Seminar Aussagepsychologie bei Günter Köhnken. Er hat 30 Jahre Praxiserfahrung in Forschung, Lehre und Praxis. Er hat sehr viel geforscht zu Themen, die er praktisch auch angewendet hat. Zudem hat er Erfahrungen in vielen praktischen Bereichen und ist immer neben der Universität freiberuflich tätig gewesen.

 

Was ist für dich eine gute Dozentin oder ein guter Dozent?

Gianluca: Ich fand es immer positiv, wenn sowohl Theorie als auch Praxiserfahrung vorhanden waren. Du merkst den Unterschied zwischen Dozierenden, die die Unilaufbahn durchlebt haben und nur an der Uni geforscht haben und Lehrenden, die mal im Feld gearbeitet haben. Die Dozentinnen und Dozenten, die auch außerhalb geforscht haben, bringen häufig mehr Erfahrungen mit.

Melina: Mir fällt noch Julian Keil ein, aus dem Bereich Biologische Psychologie. Er ist zwar nur in der Forschung tätig, aber mit Leidenschaft und Begeisterung. Er ist sehr gut darin, eine Vorlesung zu strukturieren, immer mit Lernfragen am Anfang und mit einer Gliederung, die wir durcharbeiten. Ansonsten finde ich Franziska Klemens gut. Sie hat auch in skandinavischen Ländern studiert und hat dementsprechend den Lehrspirit von da zum Teil übernommen. Sie duzt alle Studierenden und alle Studierenden duzen sie, was ich in dem Rahmen völlig in Ordnung finde. Sie geht auch sehr auf Fragen ein. Du merkst, dass sie wirklich Lust hat, mit den Studierenden zu interagieren. Es ist für sie nicht nur ein Nebeneffekt vom Forschen an der Universität, wo du auch Lehre machen musst. Bei beiden merkst du, dass sie wirklich gerne lehren.

 

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