Werkeln für eine bessere Welt

Werk/statt Konsum beim MakeSense Hold-Up an der CAU

Im Rahmen der MakeSense Hold-Ups an der CAU treffen Studierende auf Social Entrepreneurs und entwickeln gemeinsam mit ihnen Lösungssstrategien für gesellschaftliche und unternehmerische Herausforderungen. Im Januar war die Werk/statt Konsum zu Gast – eine offene Kieler Holzwerkstatt. Mitbegründerin Anne-Sophie Neuber berichtet über den Ablauf und die Resultate des Hold-Ups.

Das Workshop-Format der MakeSense Hold-Ups begegnete mir zum ersten Mal während meiner HiWi-Tätigkeit für das Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen – PerLe an der CAU und überzeugte mich sofort. Es basiert auf einem Gruppenbrainstorming, bei dem 100 Ideen gesammelt werden, um Lösungsstrategien für die Herausforderungen einer/s Social Entrepreneurs zu entwickeln. Der Begriff Social Entrepreneurship war mir schon seit längerer Zeit ein Begriff. Dabei geht es darum, Unternehmungen zu starten, die zu einem sozialen oder ökologischen Wandel in der Gesellschaft beitragen (der englische Begriff entrepreneurship ist sehr viel umfassender als die häufig gewählte deutsche Entsprechung Unternehmen).

Unter anderem hatte ich 2013 mit fünf anderen Studierenden am yooweedoo Ideenwettbewerb teilgenommen und dort die Idee der ersten offenen Werkstatt in Kiel entwickelt, der Werk/statt Konsum. Diese gibt es nun seit acht Monaten. Unser Team hat sich seither verändert, erweitert und ist ein bisschen dem studentischen Kontext entwachsen. Herausforderungen hat unser junges Projekt jede Menge. Deshalb habe ich die Workshopleiterin Frauke Godat gefragt, ob unser Werkstattprojekt der Praxispartner für den MakeSense Hold-Up im Januar 2015 sein könnte. Sie war einverstanden und so begannen die Vorbereitungen.

100_Ideen_Aktionen

Eine Woche vor dem Hold-Up trafen wir uns in unseren Werkstatträumen, die sich gemeinsam mit vielen anderen Projekten in der vorübergehend freistehenden alten Muthesius Kunsthochschule befinden. Ziel des Treffens war es, dass Frauke Godat unsere Gruppe, unsere Motivationen, Ideen, Routinen und Schwierigkeiten kennenlernte, damit sie auf dieser Basis Fragen für das Brainstorming im Hold-Up entwickeln kann. Mein Teamkollege Florian und ich erzählten davon, …

  • dass es uns darum geht, Menschen zum selbst aktiv sein zu motivieren und den Unerfahrenen Ängste zu nehmen beim Umgang mit Werkzeugen;
  • dass wir eigentlich viele verschiedene Zielgruppen ansprechen wollen, um Menschen über Milieus und Altersunterschiede hinweg wieder miteinander in Kontakt zu bringen;
  • dass wir Rest-Holz, Werkzeuge, Arbeitsplätze und sachkundige Unterstützung anbieten;
  • dass bisher alles auf Spendenbasis und nach Tauschprinzip läuft;
  • dass unsere Nutzerzahlen seit einiger Zeit stagnieren und wir mit der jetzigen Teamgröße lange nicht alles leisten, können, was der Werkstattbetrieb eigentlich erfordert.

Die Herausforderung

Frauke entnahm unseren Berichten die folgende Hauptherausforderung: Wie kann der Bekanntheitsgrad von Werk/statt Konsum in Kiel erhöht werden um a) neue Teammitglieder für 2015 zu gewinnen und um b) die Nutzergruppe zu erweitern? Vier Tage später schickte sie uns Vorschläge für 10 Unterfragen, die die Hauptfrage greifbarer machen und die Teilnehmenden Schritt für Schritt möglichen Lösungsstrategien annähern sollen, z.B. Was würdet ihr euch als Einstiegsprojekte in der Werkstatt wünschen? oder Was hält euch davon ab, in die Werk/statt Konsum zu kommen? Florian und ich nahmen eine Priorisierung des Fragenkatalogs vor und dann konnte der Workshop kommen.

MakeSense ist ein weltweites informelles Netzwerk, das Social Entrepreneurs dabei unterstützen möchte, Lösungen für ihre Probleme und Herausforderungen zu finden. In Kiel finden die Hold-Ups als Kurz-Workshops im Rahmen einer vom Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS) und PerLe durchgeführten Reihe zur Berufsorientierung statt. Deshalb sind die Teilnehmenden vor allem Geisteswissenschaftler_innen. Florian fand das super, er wünschte sich von der Veranstaltung vor allem, eine Perspektive von außen zu bekommen und „Sackgassen zu umfahren und gedanklich weiter zu kommen“.

Produktives Brainstorming

Gruppenarbeit III Gruppenarbeit VI Gruppenarbeit V

Tatsächlich waren diese drei Stunden Brainstorming für uns sehr produktiv. Die Teilnehmenden hatten unsere Hauptanliegen verstanden: unsere Idee und unser Angebot in Kiel zu streuen und Leuten einen Anlass bieten, in die Werkstatt zu kommen – ohne die Verpflichtung gleich etwas zu bauen. Nach dem Nachdenken über die 10 Unterfragen schlossen sich die Teilnehmenden in Kleingruppen zusammen und arbeiteten vier Lösungsansätze aus. Eine Gruppe schlug vor, ein Medien-Praktikum für die Erstellung von youtube-Tutorials auszuschreiben, eine andere erfand das Veranstaltungsformat „Möbelkreisel“, bei dem angelehnt an den „Kleiderkreisel“ gebrauchte Möbel mitgebracht und getauscht werden können. Wieder andere machten den Vorschlag, ein „Midnight Werkeln“ zu organisieren und das Bauen mehr zum Event zu machen. Eine vierte Gruppe hatte die Idee eines kielweiten Stuhlbauworkshops für karitative Zwecke.

Florian und ich waren ziemlich begeistert von den vielen Ideen. Und erstaunt von manchem Feedback: „Statt immer größere und bewegendere Aktionen aus dem Boden zu stampfen, sind es eigentlich die einfachen Dinge, die Menschen anziehen und überzeugen können bei uns mit zu machen“, stellte Florian fest. Beim nächsten Teamtreffen werden die Ideen und Impulse auf jeden Fall Thema sein und vielleicht können wir einiges davon in unseren Jahresplan 2015 einbeziehen.

  • Mehr über die Werk/statt Konsum erfahren Sie auch im NDR-Beitrag über das Projekt.

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