Alle Artikel von Blogmoderatorin Antonia Stahl

Fachtagung „Rassismus und Soziale Arbeit“

Die Abteilung Sozialpädagogik des Instituts für Pädagogik und das Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) organisieren Vorträge und Workshops, um aufzuklären und Vernetzungsmöglichkeiten zu bieten.

Am 21. Februar findet die Fachtagung „Rassismus und Soziale Arbeit“ im Institut für Pädagogik statt. Gemeinsam mit vielen weiteren Kooperationspartner_innen werden zwei Fachvorträge und sieben Workshops angeboten. Erklärtes Ziel der Veranstaltung ist es, für Alltagsrassismus zu sensibilisieren und die Relevanz des Themas für die Sozialpädagogik bzw. Soziale Arbeit zu erkennen und diskutieren.

Zudem sollen sich die Teilnehmenden und Akteur_innen vernetzen; u. a. dabei sind das Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e. V., Zebra e. V. sowie die Regionalen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus in Schleswig-Holstein. Der Workshop „Rassismus im Alltag – Was geht mich das an? Alltagsrassismus entlarven, den eigenen Diskriminierungsradar schärfen und Handlungsstrategien entwickeln“ wird von Studierenden des PerLe-Seminars „Rassismus und Soziale Arbeit“ angeboten.

Wann? 21. Februar 2020, 10.00 Uhr bis 16.30 Uhr

Wo? Institut für Pädagogik, Olshausenstraße 75, Hörsaal 2

Weitere Informationen? Auf der Homepage der Abteilung Sozialpädagogik

Anmeldung? Auf der Homepage der Abteilung Sozialpädagogik bis zum 14. Februar 2020 möglich – die Veranstaltung ist kostenlos

Der Zugang zum Gebäude ist barrierefrei.

Was heißt hier gute Lehre?

Alle wollen gute Lehre. Aber was genau ist damit eigentlich gemeint? Auf dem Campus der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) hat die Studentin Mirjam Michel Kommiliton_innen zum Thema befragt – und überraschend vielfältige Antworten erhalten. In der fünften Folge unserer Serie „Was heißt hier gute Lehre?“ spricht sie mit Tabea Rahm, die Physik des Erdsystems studiert.

Text: Mirjam Michel

Was macht für dich gute Lehre aus?
Tabea Rahm: Für mich bedeutet gute Lehre, dass ich inhaltlich viel mitnehme und nach einer Veranstaltung mit Antworten auf meine Fragen rausgehe und mein Interesse am Thema weiter geweckt wurde. Ein gutes Seminar sollte mich motivieren, mich aktiv zu beteiligen. Ziel einer Lehrveranstaltung sollte für mich nicht sein, dass ich nur verarbeite, was mir vorgestellt wird, sondern dass ich es auch aktiv nutzen kann.

Welche Lehrveranstaltung hat dir besonders gefallen und warum?
Tabea Rahm: Mir hat die Vorlesung und die Übung zur Atmosphären- und Ozeandynamik gut gefallen. Das lag auch an den Inhalten, weil die Veranstaltung vieles, was in den Semestern vorher schon mal angeschnitten wurde, miteinander verbunden hat.

Was macht für dich eine gute Dozentin oder Dozenten aus?
Tabea Rahm: Dass er oder sie das Thema verständlich präsentiert und auf Fragen gut eingehen kann.

Und was sagen Studierende aus anderen Fächern und Semestern? Zur Serie „Was heißt hier gute Lehre?“

Unideutsch für Foreigners

Eine bestandene DSH-Prüfung oder ein vergleichbarer Test wird in der Regel vorausgesetzt, wenn Studierende aus dem Ausland ein Fachstudium an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) aufnehmen möchten. Doch bislang haben die vorbereitenden Kurse Teilnehmende weder mit dem speziellen Sprachgebrauch noch mit den Strukturen, Anforderungen oder Fachkulturen an deutschen Universitäten vertraut gemacht. Ein neues Modul soll diese Lücke schließen – unter anderem mit Unterstützung geschulter Studierender aus den Fächern.

SWS?! Hausarbeit?! Prof. Dr.-Ing. Dr.?! Laborpraktikum?! UnivIS?!

Wer die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH) bestehen möchte, benötigt mindestens Deutschkenntnisse auf C1-Niveau – also fortgeschrittene Fertigkeiten auf der fünften von insgesamt sechs Kompetenzstufen des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen. Mit den sprachlichen Gepflogenheiten an deutschen Universitäten und mit dem hiesigen Hochschulsystem sind DSH-Absolvent_innen deshalb aber noch lange nicht vertraut. „Unsere Studierenden stehen da vor vielerlei Hürden“, berichtet Kati Lüdecke-Röttger aus dem Bereich Deutsch als Fremdsprache (DaF) der Kieler Universität, „einerseits sind die zahlreichen Abkürzungen und neuen Vokabeln eine Herausforderung, andererseits – und das trifft die Studierenden meist sehr unerwartet – funktioniert das System Uni bei uns oft ganz anders als im jeweiligen Heimatland.“ Aus diesem Grund hat die versierte DaF-Dozentin jetzt ein neues Modul entwickelt, das seit dem Wintersemester 2019/20 einen Brückenschlag zwischen der Vermittlung allgemeiner Sprachkompetenz und Vorbereitung auf den Hochschulalltag versucht.

 

 

Das Modul „Universitäre Sprachpraxis und Studienkompetenzen“ vermittelt den Teilnehmenden praxisnahe Einblicke ins angestrebte Fachstudium. Zum einen kooperiert Kati Lüdecke-Röttger zu diesem Zweck mit dem International Center, das auch in einer Seminarsitzung zu Gast ist, um den Teilnehmenden beispielsweise Informationen zu Studienstrukturen und Zulassungsvoraussetzungen an die Hand zu geben. Zum anderen konnte die DaF-Dozentin dank Unterstützung des Projekts erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) didaktisch geschulte Studierende aus unterschiedlichen Fächern für ihr neues Angebot gewinnen. Diese Tutor_innen besuchen mehrere Sitzungen des DaF-Kurses „Sprachpraxis im Fach“ und betreuen dort jeweils Kleingruppen ausländischer Studierender, um mit ihnen gemeinsam unter anderem typische Fachaufgaben zu bearbeiten und nebenbei die wichtigsten deutschen Vokabeln dafür einzuführen.

Außerdem berichten die Studierenden den Teilnehmenden des DaF-Kurses aus ihrem Studienalltag und nehmen sie in eine typische Lehrveranstaltung mit. Dieses niedrigschwellige Konzept stammt aus der Studienorientierung von PerLe und richtet sich dort unter dem Titel „Ask a student“ üblicherweise an studieninteressierte Schüler_innen. „Die Kernidee von ‚Ask a student‘ lässt sich wunderbar auf den DaF-Bereich übertragen – auch wenn die Teilnehmenden in unseren Kursen häufig schon Studienerfahrungen mitbringen. Ein Fachstudium in Deutschland kann sich wirklich stark vom entsprechenden Studium an einer Universität im Ausland unterscheiden“, erläutert DaF-Dozentin Lüdecke-Röttger, „da ist es sehr hilfreich, hier ein paar konkrete Einblicke zu bekommen.“

 

 

 

Auch viele andere Elemente des neuen Kurses sind darauf ausgerichtet, die Teilnehmenden auf den universitären Alltag an der CAU vorzubereiten – etwa die Posterpräsentation, die als Prüfungsleistung am Ende des Kurses auf dem Plan steht. „Viele meiner Teilnehmenden kennen diese Präsentationstechnik nicht“, berichtet Lüdecke-Röttger, „aber bei uns sind Posterpräsentationen oft üblich. Gerade im Masterstudium wird in vielen Fächern vorausgesetzt, dass die Studierenden wissen, worauf es dabei ankommt.“

Kursteilnehmerin Miluna Rilo Alaya kommt aus Brasilien, wo sie bereits einige Semester lang Journalismus studiert hat, um in Kiel – nach bestandener DSH-Prüfung – ins Fach Politikwissenschaften einzusteigen. „Aus Brasilien kenne ich weder Hausarbeiten, noch Vorlesungen oder Seminare“, sagt sie, „darum finde ich es unheimlich wichtig, dass ich hier einen Tutor habe, der mir alles genau erklärt. Auch für all die kleinen Vokabelfragen – heute habe ich zum Beispiel ein tolles Merkblatt mit allen wichtigen Abkürzungen fürs Studium bekommen. SWS, SoSe, LP und so weiter.“

 

Weiterführende Links und Info

Lehrmaterial frei nutzen, teilen, weiterentwickeln

Lehrmaterialien teilen, sie kostenlos zur Verfügung, Wiederverwendung oder sogar zur Veränderung freigeben – all das folgt, genau wie lizenzfreie Software, dem „Open Source“-Ideal. Im Bildungskontext haben sich die Begriffe „Open Educational Resources“ (OER) und „Open Educational Practices“ (OEP) für freie Materialien und deren Nutzung durchgesetzt. Hier erfahren sie mehr über OEP und OER im Hochschulkontext.

Text: Leona Kruse & Philipp Marquardt,
PerLe – Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen

Kostenfreie Lizenzmodelle, um Software frei wiederverwendbar zu nutzen, zu teilen und beliebig weiterentwickeln zu können, wurden bereits in den 1970er und 80er Jahren konzipiert, beispielweise an US-amerikanischen Universitäten wie der University of California, Berkeley (BSD-Lizenz) oder dem Massachusetts Institute of Technology (MIT-Lizenz). In der Welt der Software hat sich diese Art der Lizenzierung mittlerweile durchgesetzt. Eine solche Erfolgsgeschichte könnte sich nun bei den Open Educational Resources (OER) wiederholen. Institutionen wie die UNESCO [vgl. Paris OER Declaration 2012] und das BMBF [vgl. BMBF Bekanntmachung (2016)] fördern einen solchen freien Zugang zu Bildungsmaterialien.

OER bieten die Chance, Lehren und Lernen gleichermaßen zu verbessern. Auch Lehrende können durch die Öffnung der eigenen Lehre über das bloße Material hinaus profitieren. Open Educational Practices (OEP) können die Lehre verbessern, indem die Lehrenden die Rahmenbedingungen der Lehrveranstaltung didaktisch offen, partizipativ und transparent gestalten. OEP zielen darauf ab, dass die Lernenden selbst freie Bildungsmaterialien (OER) erstellen. Die Lernenden nehmen beim Konzept der OEP eine aktive Rolle ein, arbeiten selbstbestimmt und werden von den Lehrenden dabei begleitet.

Auseinandersetzung mit dem eigenen Rollenverständnis vorausgesetzt

Allerdings erfordert die offene Lehr- und Lernpraxis von den Hochschullehrenden eine Auseinandersetzung mit dem eigenen akademischen Habitus und dem eigenen Rollenverständnis in der Lehre. Offenheit führt dazu, dass Lehrinhalte und -materialien in der wissenschaftlichen Community sichtbar und diskutierbar werden. Dies ermöglicht eine Art Qualitätsmanagement, sowohl durch die Lernenden innerhalb der Lehrveranstaltung als auch in der jeweiligen Fach-Community. OER können dadurch optimiert und für unterschiedliche Anwendungsszenarien weiterentwickelt werden.

Eine etablierte Fehlerkultur und didaktisches Wissen helfen bei der Umsetzung offener Lehrpraktiken. Ein Einstieg kann über die Nutzung bereits vorhandener OER oder durch die Erstellung eigener OER erfolgen. Darüber hinaus ist die gemeinsame Erstellung solcher Materialien mit Studierenden in einer offenen partizipativen Arbeitsweise möglich.

Freies Material erstellen – leichtgemacht

Neben den didaktischen Fragestellungen entstehen sofort auch rechtliche Fragestellungen über freie Lizenzen, Nutzungsrechte und den Zugang zu freien Materialien und Bildern.

Anhand der sogenannten Creative Commens-Lizenz, die mit „CC“ am Anfang und einer nachfolgenden Buchstabenkombination gekennzeichnet ist, können die Rechte für eigene Materialien vergeben werden. Dadurch entscheiden die Lehrenden und Studierenden selbst, ob sie ihre Materialien zur freien und beliebigen Verwendung bereitstellen oder ob sie die kommerzielle Nutzung oder die Bearbeitung ihres Materials ausschließen.

 

„Welches ist die richtige CC-Lizenz für mich?“ (Grafik von Barbara Klute und Jöran Muuß-Merholz für wb-web unter CC BY SA 3.0)

 

Hilfe bei der Entscheidung, welche Lizenz Sie verwenden möchten, gibt Ihnen nachfolgende Grafik. Kennzeichnen Sie Ihre Materialien (Texte, Bilder, Videos u. a.) mit dem auf der rechten Seite dargestellten Lizenzierungsschlüssel. So können die Materialien unter den von Ihnen gewünschten Bedingungen rechtssicher von Dritten weiterverwendet werden.

 

Weiterführende Links

 

Beispiel für OER-Material

PERSPEKTIVEN: 4. Konferenz für studentische Forschung

Die Online-Publikation PERSPEKTIVEN vom Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) kreist um Projekte, Konzepte und Ideen zu aktuellen Themen der Hochschuldidaktik. Im Fokus der dritten Ausgabe steht die 4. Konferenz für studentische Forschung (StuFo), die am 26. und 27. September 2019 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel stattgefunden hat.

Studierende aus ganz Deutschland präsentierten auf der StuFo in knapp 50 Vorträgen und Workshops, wie und worüber sie forschen – und wie sie die Lehre an ihren Hochschulen durch eigene Ideen bereichern. Unter dem Motto „Forschung vermitteln, Lehre voranbringen, Gesellschaft gestalten“ lud die vom Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) in Kooperation mit Studierenden ausgerichtete Veranstaltung zum Erfahrungsaustausch und zum Netzwerken ein. Das Rahmenprogramm war den Schwerpunktthemen Nachhaltigkeit und Diversität gewidmet.

PerLe_Journal_03_2019 (pdf)

*Damit die Verlinkungen im Programmheft auch auf mobilen Endgeräten
optimal funktionieren, öffnen Sie das PDF bitte mit dem Acrobat Reader.

PerLe-Förderung für Kurzformate ausgeschrieben

Mit einer einmaligen Sonderförderung vom Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) werden Vorhaben und Kurzformate an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) gefördert, die der (über)fachlichen wissenschaftlichen Diskussion dienen, Studierenden praxisnahe Einblicke in verschiedene Disziplinen ermöglichen sowie dazu beitragen, dass Studierende ihre Kompetenzprofile weiter schärfen.

Unter Kurzformaten sind Veranstaltungen wie studentische Tagungen, Spring/Summer Schools, Thementage sowie Symposien o. ä. zu verstehen. Von der beruflichen Orientierung der Studierenden über den interaktiven Wissenserwerb bis hin zum Aufbau beruflicher Netzwerke sind unterschiedliche Zielsetzungen der Kurzformate möglich. Es können Vorhaben in unterschiedlichem Umfang beantragt werden.

Mit der Förderung für Kurzformate wird zu diesem Zweck im Sommersemester 2020 einmalig eine Summe in Höhe von 40.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Mit der Ausschreibung laden wir Lehrende und Studierende zur Antragseinreichung von Kurzformaten zu einem der folgenden Schwerpunkte ein:

  • forschungsorientierte Lehre: wodurch Studierende nicht nur auf Grundlage von Forschungsergebnissen an Forschungsmethodik und -prozesse herangeführt werden, sondern auch für die Förderung erster selbstständiger Forschung sensibilisiert werden;
  • Einbindung von Digitalisierung in die Lehre: wodurch individuelle, digitale Lernszenarien ermöglicht werden oder Studierende sich kritisch mit der Digitalisierung in der eigenen Disziplin und/oder über ihre Grenzen hinaus auseinandersetzen;
  • studentisch-begleitete bzw. -angeleitete Lehre: die die Kompetenzen von Studierenden mit Lehraufgaben in den Fokus rücken lässt;
  • Studienkompetenzen, die im Hinblick auf heterogene Studierendenschaft und individuelle Lehr-Lern-Voraussetzungen fachspezifisch oder interdisziplinär betrachtet und gefördert werden;
  • (berufs)praxis- und projektbezogene Lehre, die gesellschaftliche Herausforderungen und Nachhaltige Entwicklung in übergeordnete Fragestellungen für das Kurzformat integriert oder bei diesem die Vernetzung mit der Gesellschaft ermöglicht;
  • Internationalisierung und Diversität in der Lehre, die gezielt Aspekte der Internationalisierung in das Veranstaltungskonzept einbindet bzw. dabei die mehrdimensionale Heterogenität von Studierenden in den Blick nimmt.

 

⇒ Zur Ausschreibung & den Antragsformularen

Werkstattvertrag in einfacher Sprache

Theoretische Aspekte der angewandten Linguistik vermitteln und zugleich auch in der Praxis erfahrbar machen: PD Dr. Alexander Laschs Lehrprojekt aus dem Sommersemester 2017 wollte beides. Unter dem Titel „Einfache Sprache* – Praktische Lösungen für die Herausforderungen des Bundesteilhabegesetzes“ setzte die Lehrveranstaltung dabei auf studentische Projektarbeit. Das Ziel: mit einer „Einfachen Sprache“ inklusive Zugänge zu Texten finden und damit selbstbestimmte gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.

Text: PD Dr. Alexander Lasch
Projektinitiator

In Kooperation mit der Stiftung Drachensee Kiel entstand im Rahmen der Germanistik-Veranstaltung „Themenfelder der Angewandten Linguistik“ und gefördert durch den PerLe-Fonds für Lehrinnovation und das BMBF eine Begleitbroschüre für einen Werkstattvertrag in einfacher Sprache*.

Der Clou: Neben einem Text zur Lektüre erarbeiten die Studierenden eine Hörversion für die Menschen, die mit den Erläuterungen in einfacher Sprache noch ihre Schwierigkeiten haben.

Der Gestaltung der Texte in einfacher Sprache lagen Ergebnisse zugrunde, die vorab empirisch gemeinsam mit dem Martinsclub Bremen e.V. erarbeitet worden waren. Außerdem haben die Studierenden im Projektverlauf das Feedback potentieller Nutzer_innen zur ersten Testversion des Werkstattvertrags eingesammelt, um das Schriftstück im Anschluss weiter zu be- und überarbeiten.

Hier können Sie einige Arbeitsergebnisse einsehen bzw. anhören:

 

* „Einfache Sprache“ wird hier als Begriff verwendet, um sich
vom Politikum „Leichte Sprache“ zu lösen.

Mittlerweile arbeitet Professor Alexander Lasch an der TU Dresden. Die Kernidee seines Lehrprojekts „Einfache Sprache – Praktische Lösungen für die Herausforderungen des BTHG“ konnte er dort weiterentwickeln und hat inzwischen gemeinsam mit Studierenden und Absolvent_innen die VERSO gGmbH für verständnisorientierte und barrierefreie Kommunikation gegründet.

Studierende machten sich für Wahlbeteiligung stark

Wie können junge Menschen motiviert werden, ein aktiver Teil der Gesellschaft zu werden und wählen zu gehen? Diese Frage stellte sich Dr. Christian Meyer-Heidemann, der Landesbeauftragte für politische Bildung, bereits im Jahr 2011. Eine seiner Antworten: Das Projekt „Jung und Wählerisch“, das seit 2012 rund 10.575 Schülerinnen und Schüler mit Studierenden zusammengebracht und einen Dialog über politische Teilhabe angestoßen hat. Vom 22. April bis zum 24. Mai 2019 waren studentische Projektteilnehmende in Berufsschulen, Gemeinschaftsschulen und Gymnasien in ganz Schleswig-Holstein unterwegs, um mit 1800 Schülerinnen und Schülern über die Europawahl zu sprechen – und haben dabei selbst viel gelernt. Ein Rückblick.

Text: Mirjam Michel, Studentin

 

 

Schon zum 7. Mal hat das Projekt in diesem jahr stattgefunden. Die Europawahl erschien vielen jedoch nicht wie irgendeine Wahl. Für viele war es die Schicksalswahl, die über Europas Zukunft entscheiden sollte. Auch für Stefan Mehrens, der zum dritten Mal als Teamer in dem Projekt aktiv war, war es eines der wichtigsten Ereignisse des Jahres. Der 25-jährige hatte gerade sein Studium der Politikwissenschaft und Geschichte beendet, seit 2016 engagiert er sich bei den Jungen Europäischen Föderalisten, einem überparteilichen pro-europäischen Verband: „Nach dem Brexit habe ich mir gedacht: ‚So kann es doch nicht weitergehen mit Europa!‘ Generell erleben wir in der Politik eine Entwicklung, die mir gegen den Strich geht. Jeder, der sich engagieren kann, sollte sich auch engagieren. Die Demokratie lebt von Menschen, die diese Demokratie gestalten. Und wenn die Mehrheit der Demokraten sich nicht engagiert, überlassen wir das Feld den Populisten und Nationalisten.“ Mehrens freut sich, dass er auch dieses Jahr wieder bei dem Projekt dabei sein konnte, um Schülerinnen und Schüler an das Thema ‚Politik‘ heranzuführen und sie zum Wählen zu motivieren.

Vorbereitung: Argumentationshilfen und methodische Tipps

Damit die Studierenden auf den Dialog mit den Schülerinnen und Schülern gut vorbereitet sind, finden vor jedem Projektdurchlauf Einführungsworkshops statt. Je nachdem, welche Wahl gerade stattfindet, erhalten die Studierenden dort inhaltlichen Input. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt auf dem thema EU-Politik. Im ersten Workshop erhielten die Studierenden zunächst einen Einblick in die Funktionsweise der EU und den Ablauf der EU-Parlamentswahl. Im Anschluss ging es um Argumentationen gegen EU-Skepsis und EU-Mythen. In Form einer Debatte übten die Studierenden, wie es sich anfühlt, für oder gegen die EU zu argumentieren. Wie reagiert mein Gegenüber? Wie kann ich argumentieren, ohne die Gegenseite persönlich anzugreifen, aber trotzdem bestimmt eine Position vertreten? Für Mehrens war das eine gute Übung, aber auch eine echte Herausforderung. „Es hat mich überrascht, wie einfach es ist, die Europäische Union und generell das politische Establishment durch den Kakao zu ziehen. Und wie schwierig es ist, als Demokrat mit sachlichen Argumenten dagegen anzugehen“, erzählt er.

Nach einer Kaffeepause ging es an die Wahlkampfthemen. Um auch Fragen der Schülerinnen und Schüler beantworten und Impulse geben zu können, brauchten die Studierenden ein Überblickswissen über die Themen der Europawahl. Dazu erarbeiteten sie in Kleingruppen, welche Themenschwerpunkte die Parteien in ihren Wahlprogrammen setzten. Danach präsentierte jede Gruppe die jeweiligen Aspekte aus den Programmen an einer Pinnwand, sodass sich langsam ein Gesamtbild ergab. Welche Partei steht für welche Inhalte ein? Welche Ziele verfolgen die Parteien für Europa? Welche Wahlversprechen machten Sie?

Offen diskutieren statt missionieren

Betont wurde aber auch, dass die Studierenden parteipolitisch unabhängig bleiben sollen. Das Ziel des Projektes ist, Erstwählerinnen und Erstwähler davon zu überzeugen, wählen zu gehen, und nicht, sie in eine bestimmte Richtung zu lenken. „Es geht darum, dass die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen, offen zu diskutieren und auch kritische Anmerkungen zu machen – und das ohne Leistungsbewertung. Mir ist wichtig, dass wir mit dem gesamten Projekt nicht in irgendeiner Weise missionieren“, erklärt Meyer-Heidemann.

Im zweiten Vorbereitungsworkshop ging es um die Lehr-/Lernmethoden. Dieser Teil war essenziell für einen reibungslosen Projekt-Ablauf an den Schulen, denn für einige Studierende war es eine völlig neue Erfahrung, vor einer Gruppe von Schülerinnen und Schüler zu stehen. Wieder fanden sich die Studierenden in Kleingruppen zusammen, um sich verschiedene Vermittlungsmethoden zu erarbeiten und diese anschließend einander vorzustellen. Dazu lagen Materialien mit Ideensammlungen zu verschiedenen Vermittlungsmethoden vor. Aber auch eigene Ideen konnten eingebracht werden. Im darauffolgenden Austausch hatten die Studierenden Gelegenheit, sich gegenseitig Tipps zu geben. Welche Methode hat sich in den letzten Jahren besonders bei den Schülerinnen und Schülern bewährt? Für welche Schülergruppe eignet sich welche Methode am besten? Welche Vor- und Nachteile bringen die verschiedenen Methoden mit sich?

Zu guter Letzt wurden die Studierenden auf die 70 Schulveranstaltungen verteilt. Jeweils drei Studierende, in wechselnden Teams, hielten bis zu 3 Workshops à 90 Minuten an einer Schule. Eine Person aus dem Team nahm nach Absprache Kontakt auf zu den zuständigen Lehrkräften auf, damit sich das Team optimal auf die jeweilige Klasse vorbereiten und den Input individuell anpassen konnte. „Das A und O ist, sich zu treffen und sich gut abzusprechen, wie man vorgehen will. Dann läuft es auch reibungslos“, verriet Katrin Schumacher. Die 26-Jährige studiert Wirtschaft/Politik und Englisch auf Lehramt und war zum zweiten Mal bei dem Projekt dabei. Für sie war es eine wertvolle Erfahrung, die ihr neue Einblicke in die Welt der Schule ermöglicht hat: „Es ist spannend in unterschiedlichen Konstellationen mit verschiedenen Persönlichkeiten zusammen zu arbeiten. Einige sind lebhafter als andere. Um sich als Lehrerpersönlichkeit zu finden, ist es interessant auch mal andere Leute in Action zu sehen, die teilweise nichts mit Lehramt zu tun haben. Die haben häufig einen anderen Blick darauf, wie wir den Schülerinnen und Schülern Politik vermitteln können. Von manchen habe ich gelernt, mehr aus mir rauszugehen und lockerer zu sein. Von anderen habe ich viel inhaltlich mitgenommen. Die waren sehr im Thema und hatten Expertenwissen.“

Positionen aushandeln und Demokratie lernen – jenseits der Benotung

Für Meyer-Heidemann ist das Projekt auch ein Versuch, unterschiedliche Lebenswelten zusammenzubringen. „Ich habe das Gefühl, dass es einigen Teamern, die sich sonst in gymnasialen Welten bewegt haben, gutgetan hat, auch mal in eine Flex-Klasse zu schauen. Das sind Schülerinnen und Schüler, die ohne Schulabschluss abgegangen sind und sich jetzt auf eine Berufsausbildung vorbereiten.“ Besonders der geringe Altersunterschied der Teamerinnen und Teamer wirke sich positiv im Projekt aus, so der Landesbeauftragte. „Für die Schülerinnen und Schüler ist es eine Chance, so dass sie weniger Hemmungen haben, Fragen zu stellen. Es ist also eine Win-Win-Situation.“

Im Anschluss an jeden Dialog mit den Schülerinnen und Schülern können diese den Studierenden noch ein Feedback geben in Form eines Fragenbogens oder auch direkt. Hier zeigte sich, dass viele begeistert waren von der interaktiven Herangehensweise der jungen Teamer. „Das Schöne in unseren Workshops ist, dass die Schülerinnen und Schüler in Bewegung kommen“, sagt Schumacher. Besonders beliebt bei den Teamern und den Schülerinnen und Schülern ist die Positionslinie. „Die Positionslinie bedeutet, dass sich die Schüler im Klassenraum allgemein zu einem EU-Thema, einer These oder einem Wahlgrundsatz innerhalb des Klassenraums positionieren sollen. Dass du dich als Teamer auch teilweise in andere Positionen reinversetzen musst, um die Debatte zu beleben, hat mir sehr viel Spaß gebracht“, erzählt Mehrens. Auch für Schumacher ist es ein persönlicher Favorit: „Ich mag die Positionslinie gern, weil du da räumlich und visuell ein Meinungsspektrum aufzeigst. Du schaffst einen Raum, in dem sich die Schülerinnen und Schüler bewegen können. Über die verschiedenen Positionen kommen sie ins Gespräch, können so miteinander aushandeln und ihre Position verändern. Auch im politischen Diskurs ändern wir unsere Meinung, wenn wir neue Argumentationsstränge, neue Aspekte zu einem Thema hören. Es zeigt, dass Nicht-Festgefahren-Sein von Politik“, erklärt Schumacher.

Sowohl Mehrens als auch Schumacher ziehen rückblickend ein positives Fazit aus dem Projekt. „Ich glaube, ich bin besser darin geworden, Diskussionen zu leiten. Es ist wichtig, die Schülerinnen und Schüler auch diskutieren zu lassen und nicht immer einzugreifen. Als Lehrkraft in der Schule hast du oft das Gefühl, dass du die ganze Zeit die Diskussion anleiten musst. Aber so sollte es nicht sein. Du solltest moderieren, aber die Schülerinnen und Schüler sollten im Mittelpunkt stehen und miteinander sprechen und nicht nur mit dir als Teamer oder Lehrperson. Ich habe auch gelernt, dass jede Schülergruppe anders ist. Auf jeder Gruppe musst du dich wieder neu einstellen“, sagt Schumacher. Auch Mehrens hat es gezeigt wie wichtig es ist, sich neben dem Studium zu engagieren: „Ich bin gerade im Bewerbungsprozess und merke, dass die Fähigkeiten aus dem Studium allein nicht reichen. Vor allem im geisteswissenschaftlichen Bereich sind ehrenamtliche Erfahrungen sehr nützlich, weil du dadurch zusätzliche Fähigkeiten erlernst. Außerdem zeigt es dir ehrenamtliches Engagement noch andere Anwendungsmöglichkeiten des Studiums auf. Als ich angefangen habe zu studieren, habe ich nicht daran gedacht in der politischen Bildung aktiv zu werden. Das ist jetzt aber der Bereich, in dem ich gerne aktiv bin, weil ich erkannt habe, dass es mir Spaß bringt. Ich merke auch, dass es mich persönlich weiterbringt, weil ich so etwas bewegen kann.“

Weitere Informationen zu „jung & wählerisch“ und anderen Projekten des Landesbeauftragten für politische Bildung gibt es unter

 

Auch interessant: Interview mit dem Landesbeauftragten für politische Bildung.

 

 

Qualitative Forschung im Fokus

Laut Veranstaltungshomepage ist das Berliner Methodentreffen Qualitative Forschung mit insgesamt circa 500 Beteiligten die größte Jahresveranstaltung zu qualitativen Forschungsmethoden im deutschsprachigen Raum. Im Juli 2019 hat die Tagung bereits zum 15. Mal stattgefunden. Ab sofort ist neben einer ausführlichen Veranstaltungsdokumentation mit Postern, Vorträgen und Powerpointpräsentationen auch ein liebevoll gestaltetes Video mit Veranstaltungsimpressionen online abrufbar. Speziell für Lehrende und Promovierende, aber auch für Studierende, die mit qualitativen Forschungsmethoden in Berührung kommen, lohnt es sich, einmal tiefer in diesen reichen Materialfundus einzutauchen.

Video

Neben dem Kurzfilm mit allgemeinen Veranstaltungsimpressionen stehen auf der Homepage zum Berliner Methodentreffen auch Videoaufzeichnungen ganzer Vorträge zur Verfügung:

 

Vortragstexte

Viele der Vorlesungs- und Vortragstexte sind dort ebenfalls abrufbar.

 

Postersession

Ein Grossteil der Beiträge aus der Postersession stehen zudem im PDF-Format zur Verfügung.

Übrigens: Das 16. Berliner Methodentreffen findet am 24. und 25. Juli 2020 statt. Weitere Informationen: 
www.berliner-methodentreffen.de/news/Termin_BMT16.html.

Wie in jedem Jahr wird es auch 2020 für alle Teilnehmenden wieder die Möglichkeit geben, eigene Daten mitzubringen und Methoden vor Ort in Workshops selbst auszuprobieren. Außerdem lädt die Veranstaltung dazu ein, Autor_innen, Verlage und Expert_innen der qualitativen Forschung persönlich kennenzulernen.

 

Winter School KlassifikatoR

Während der interdisziplinären Winter School KlassifikatoR erarbeiten sich die Teilnehmenden grundlegende Kenntnisse zu vier Varianten der Clusteranalyse. Der Kurs ist darauf ausgelegt, Studierende, Promovierende und Lehrende aller Archäologien, der Informatik, der Pädagogik und anderer Fächer zusammenzubringen. Das Besondere: Die Lehrenden werden zwar die notwendigen Informationen, jedoch kein Kursmaterial für die Teilnehmenden bereitstellen. Nach dem Motto „Lernen durch Lehren“ wird es stattdessen die Aufgabe der Kursteilnehmenden selbst sein, Lehr- und Lerninhalte in Form von Tutorials zu erstellen. Interessierte können sich noch bis zum 31. Dezember 2019 zu dem Kurs anmelden.

Klassifikationsmethoden spielen in vielen Disziplinen eine zentrale Rolle. Die Teilnehmenden der Winter School KlassifikatoR (09.03.2020 bis 12.03.2020) konzipieren neue E-Learning-Lehreinheiten für das Selbststudium im Bereich Archäoinformatik. Im heterogenen Umfeld werden dabei in Teamarbeit zunächst Kompetenzen innerhalb der Statistik, Didaktik und Archäoinformatik erworben, um anschließend in einer Synthesephase in der vorgegebenen Programmierumgebung ‚R‘ die erworbenen Fertigkeiten mit einem archäologischen Datensatz zusammen praktisch umzusetzen.

Dadurch, dass die Kursteilnehmenden das Kursmaterial selbst als Tutorial zusammenstellen, vertiefen sie die Inhalte und erlangen durch den Perspektivwechsel von Lernenden zu Lehrenden einen differenzierten Blick auf das Thema. Zugleich können die entstehenden Tutorials auch die zukünftige Lehre beeinflussen. Von diesem Experiment erwarten die Lehrenden Oliver Nakoinz (Kiel) und Sophie Schmidt (Köln) einen nachhaltigeren Lerneffekt als von traditionellen Ansätzen. Eigene Daten der Teilnehmer sind für Fallstudien willkommen.

Grundkenntnisse in R werden erwartet. Der Kurs wendet sich an Studierende, Doktorandinnen und Doktoranden sowie Postdocs. Die Plätze sind begrenzt. Bewerbungen mit einem kurzen Motivationsschreiben und der ausdrücklichen Nennung von zwei Clusterverfahren, die thematisiert werden sollen, bitte bis zum 31.12.2019 an: mod@gshdl.uni-kiel.de.

Weitere Informationen unter https://gitlab.com/oliver.nakoinz/klassifikator#winter-school-klassifikator