Alle Artikel von Blogmoderatorin Antonia Stahl

„So viele Freiheiten wie möglich“

27 Studierende aus neun Studiengängen und 14 verschiedenen Staaten: So bunt war die Zusammensetzung der Teilnehmenden aus Hans-Rudolf Borks Lehrveranstaltung „Terrestrial Ecozones and Ecosystems“ im vergangenen Sommersemester. Der Professor für Ökosystemforschung hat viel Erfahrung im Umgang mit heterogenen Studierendengruppen – und weiß, wie sich die unterschiedlichen Hintergründe der Teilnehmenden bereichernd fürs Seminar nutzen lassen. Im Videointerview berichtet er von seinen Ideen und Erfahrungen.

„Das spätere Berufsleben besteht nicht aus Vorträgen und Diskussionen, sondern vor allen Dingen aus Teamarbeit und dem Vertreten bestimmter Positionen.“

Professor Hans-Rudolf Bork

 

 

 

Seit fünf Jahren folgt Hans-Rudolf Bork in seiner regelmäßig angebotenen Lehrveranstaltung Terrestrial Ecozones and Ecosystems einem extrem offenen Lehrkonzept, das insbesondere auf die Kreativität der Teilnehmenden setzt. An dem Blockseminar können Studierende aller Fächer teilnehmen, häufig ist die Besetzung international. So auch im vergangenen Sommersemester, als  27 Studierende aus insgesamt neun Studiengängen und 14 verschiedenen Staaten an der Lehrveranstaltung teilgenommen haben.

Die enorme Heterogenität dieser Gruppe beschreibt Bork als außerordentlich „reizvoll und spannend“, aber auch als „herausfordernd“. Er begegnet ihr durch Kleingruppenarbeit á drei bis vier Personen mit viel Freiheit für eine kreative Auseinandersetzung mit den jeweils zu bearbeitenden Themen. Die einzige Prämisse: „Während der finalen Themen-Einheiten müssen die Kleingruppen alle übrigen Seminarteilnehmenden zu jedem Zeitpunkt aktiv ins Geschehen mit einbinden“. Ein ungewöhnlicher Arbeitsauftrag, der die Studierenden weit weg vom klassischen Referat und hin zu sehr lebhaften Formaten führt, darunter Umfragen im Stadtgebiet, schauspielerische Einlagen oder Live-Schalten im Hörsaal.

 

„Ich denke, man sollte den Studierenden so viele Freiheiten wie möglich geben, ihre Ideen zu verwirklichen und dabei unbedingt auch unkonventionelle Zugänge zulassen. Meine Erfahrung ist: Das wird immer gut, weil die Studierenden sich mit ihren eigenen Projekten und Ideen identifizieren.“

Professor Hans-Rudolf Bork

 

Die Lehrveranstaltung Terrestrial Ecozones and Ecosystems findet jedes Semester statt und steht Studierenden aller Fachrichtungen offen. Mehr Informationen hält das UnivIS bereit (Kursnr. 060097 bzw. 060104).

Religion zum Anfassen

Das reli:labor ermöglicht Schülerinnen und Schülern Einblicke in aktuelle Ansätze und Themen aus unterschiedlichen Bereichen der Theologie. Angleitet von Mitarbeitenden der Fakultät und von Theologie-Studierenden setzen sich die Jugendlichen mit Fragen auseinander wie: Bin ich frei? Was ist Gerechtigkeit? Wem kann ich vertrauen? Was bedeutet Verantwortung für mich?

Text: Rebecca Such
(Studentin/PerLe)

Dienstag, 10.30 Uhr: 21 Schülerinnen und Schüler des RBZ Wirtschaft betreten die Theologische Fachbibliothek. Zusammen mit ihrer Religionslehrerin nehmen sie heute am reli:labor teil. Saskia Eisenhardt, wissenschaftliche Angestellte der Religionspädagogik, staunt nicht schlecht. Bis gestern hieß es noch, dass nur 14 Jugendliche teilnehmen würden. „So ist das – es läuft nie alles wie zuvor besprochen und keine zwei Durchgänge sind gleich,” stellt Eisenhardt fest und überlegt bereits, wie ihr Team umdisponieren muss.  

Das reli:labor gehört zur Kieler Forschungswerkstatt, die vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik  (IPN) und der Kieler Universität initiiert wurde. Ziel ist es, dass sich Schüler_innen mit wissenschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen, angeleitet von Mitarbeiter_innen der CAU. Das reli:labor ist ein weltanschaulich offenes Angebot, bei dem man zwischen vier Themenschwerpunkten wählen kann. Die Klasse vom RBZ hat sich für Verantwortung entschieden und wird dazu an diesem Dienstag drei Stationen durchlaufen.

Nach der anfänglichen Überraschung werden schnell zusätzliche Stühle herangeholt und die Vorstellungsrunde beginnt. Zu Saskia Eisenhardts Team gehören heute fünf Theologiestudentinnen und eine wissenschaftliche Mitarbeiterin. Lene ist eine von drei studentischen Hilfskräften, die vom Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) finanziert werden und die Ethik-Station anleitet. „Es ist cool, dass ich die Station nicht nur anleiten kann, sondern schon seit Beginn des reli:labors dabei sein durfte,” erzählt sie.  

Die drei Stationen sollen jeweils eine unterschiedliche theologische Perspektive ermöglichen: Im Bereich Ethik stellt man sich gesellschaftspolitischen Fragen, beim Bibliolog biblische – und beim Theologisieren diskursive. Die Schüler_innen sollen die Möglichkeit bekommen, sich gedanklich auszuprobieren und einen Einblick in aktuelle theologische Fragestellungen erhalten. 

 

 

Auch die Studierenden der Theologischen Fakultät profitieren davon. Studentin Patricia steht kurz davor, ihr Lehramtsstudium abzuschließen und leitet die Station zum Bibliolog.

„Mir gefällt besonders der Praxisbezug, den wir hier lernen. Wir treffen auf verschiedene Schulformen und können uns als angehende Lehrkräfte ausprobieren, ohne den Bewertungsdruck,”

sagt sie. Der Bibliolog ist eine Methode zur interaktiven Interpretation biblischer Texte, bei dem eine Teilnehmendengruppe biblischen Figuren Gedanken und Gefühle verleiht und die Bibelgeschichte so lebendiger macht. 

Beim Theologisieren sollen die Jugendlichen ermutigt werden, sich mit Bibelstellen auseinanderzusetzen und eine eigene Meinung zu bilden. Es geht nicht darum, nach „richtigen” oder „falschen” Deutungen zu unterschieden, sondern kritisch zu reflektieren.

Jede Station hat nicht nur ihr eigenes Thema, sondern nutzt auch unterschiedliche Methoden. An der Ethik-Station zeigen Lene und ihre Kollegin einen Film und lesen mit den Schüler_innen gemeinsam einen philosophischen Text. Anschließend diskutieren die Jugendlichen und machen sich Gedanken, was Verantwortung eigentlich ist, wer sie trägt und wie sie aussieht.

 

 

Nach dem eigentlichen Bibliolog hängen Patricia und Femke Satzanfänge an die Tafel und bitten die Jugendlichen, sie zu vervollständigen: „Ich bin verantwortlich für…”, „Solche Verantwortung kenne ich auch, wenn…”, „Verantwortung in dieser Geschichte bedeutet…”. Zu Beginn der Station wirkten die Schüler_innen skeptisch und wenig motiviert, umso beeindruckender sind ihre sehr persönlichen Antworten. Nachdem die Station beendet ist, ziehen die Jugendlichen fröhlich weiter – und Femke resümiert:

„Wenn ich eins durch das reli:labor gelernt habe, dann dass man Kinder und Jugendlichen nicht unterschätzen darf.”

 

 

weiterführende Links: 

  • Eisenhardt, Saskia; Kürzinger, Kathrin S.; Naurath, Elisabeth; Pohl-Patalong, Uta (Hrsg.) (2018): Religion unterrichten in Vielfalt. konfessionell – religiös – weltanschaulich. Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen. (Download über die Homepage des Verlags möglich)
    • Eisenhardt, Saskia (2018): Theologisieren mit Jugendlichen. 137-145. 
    • Pohl-Patalong, Uta (2018): Bibliolog. 183-192. 
    • Eisenhardt, Saskia; Hertel-Holst, Stefanie (2018): Schüler*innen erleben Theologie – das reli:labor an der Kieler Forschungswerkstatt. 313-316. 

 

Online-Plattform HFDcert gestartet

Engagement für innovative und digitale Lehre sichtbar machen: Wer sich auf der neuen deutschlandweiten Plattform HFDcert des Hochschulforums Digitalisierung anmeldet, kann dort sämtliche Aktivitäten im Bereich digitaler Lehre in einem Online-Portfolio dokumentieren und sie sich durch einen Peer-Review-Prozess bescheinigen lassen.

 

Mit dem HFD Community Certificate (HFDcert) hat das Hochschulforum Digitalisierung eine Online-Plattform entwickelt, auf der Lehrende, Mitarbeiter_innen von Medien- und Didaktikzentren sowie Studierende ihre Aktivitäten rund ums digitale Lehren und Lernen in einem Online-Portfolio dokumentieren können. Bei HFDcert handelt es sich um ein Community Certificate im wahrsten Sinne des Wortes: Das Projekt wurde von Mitgliedern des Netzwerks für die Hochschullehre initiiert, richtet sich an eine bundesweite Gemeinschaft von Engagierten und wird nun gemeinsam im Austausch mit dieser Community weiterentwickelt.

 ➡️ www.hfdcert.de

Diversitätsfonds der CAU erneut ausgeschrieben

Chancengleichheit und Abbau noch vorhandener Benachteiligung: Mit diesen Zielsetzungen unterstützt der Diversitätsfonds der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) im Sommersemester 2019 wieder diversitätsbewusste Initiativen und Projekte in Studium, Lehre, Forschung, Technik und Verwaltung. Am 1. April 2019 endet die Einreichungsfrist.

English version below

Antragsberechtigt sind alle Angehörigen der Kieler Universität; gefördert werden unter anderem:

  • Fachvorträge, Workshops und Aktionen mit eindeutig thematischem Bezug,
  • Maßnahmen zur Gewährleistung der Barrierefreiheit und des Abbaus noch vorhandener Barrieren (z.B. Gebärdendolmetschen zur Durchführung dezentraler Veranstaltungen),
  • Maßnahmen zur Förderung der weiteren Vernetzung von Arbeits- und Hochschulgruppen mit Fokus Chancengleichheit bzw. Diversitätsorientierung und Antidiskriminierung und
  • Maßnahmen zur Unterstützung diversitätsbewusster Informations- und Öffentlichkeitsarbeit.

 

Weiterführende Information finden Sie unter: www.diversitaet.uni-kiel.de. Dort sind auch beispielhafte Projekte gelistet, die bereits eine Förderung durch den Fonds erhalten haben.

Die Einreichungsfrist für die Anträge endet am 1. April 2019. Bitte senden Sie Ihre Unterlagen an das Diversitätsbüro, diversitaet@uv.uni-kiel.de.

Kontakt

Kathrin Houda, Referentin der Vizepräsidentin für Studienangelegenheiten, Internationales und Diversität, diversitaet@uv.uni-kiel.de.

 

Funding for diversity-sensitive initiatives and projects
(summer semester 2019)

Appeal to submit applications by April 1, 2019

The University of Kiel promotes diversity-sensitive initiatives and projects in accordance with the university’s principles of equal opportunities and non-discrimination. Therefore, you are invited to apply for the Diversity Fund.

More detailed information can be found here: www.diversitaet.uni-kiel.de

Please send your application to the Diversity Office, diversitaet@uv.uni-kiel.de.
The submission deadline is April 1, 2019.

Contact

Kathrin Houda, diversitaet@uv.uni-kiel.de.

Methode: Clicker in der Lehre

Software herunterladen, Vorlesung mit Fragen konzipieren, Clicker austeilen – und los geht’s mit der interaktiven Lehre: Das elektronische Abstimm-System eignet sich nicht nur wunderbar zur Wissensabfrage oder zur Datenerhebung, sondern auch, um große Lehrveranstaltungen aufzulockern oder Lerninhalte zu vertiefen. Über den zentralen e-Learning Service der CAU können die Geräte unkompliziert ausgeliehen werden. Der Vorteil gegenüber Audience-Response-Systemen, die auf Smartphones der Teilnehmenden setzen, liegt auf der Hand: Es ist sichergestellt, dass wirklich alle ein Gerät erhalten und mitmachen können.

Text & Fotos: Johanna Rädecke (Studentin/PerLe)
& Marion Möller (elK.Medien – zentraler e-Learning Service an der CAU)

 

 

„Ich finde den Einsatz von Clickern in Vorlesungen total sinnvoll“, berichtet Medizinstudent Hauke. Befragt man Studierende zu dieser Variante der Audience Response Systeme, fällt das Feedback häufig positiv aus. „Durch solche Systeme erhält der Dozent oder die Dozentin ein direktes Feedback zu den Lehrinhalten“, meint beispielsweise auch Biochemiestudentin Eva.

In der Literatur findet man etwa 26 verschiedene Bezeichnungen für die Technologie (Schneider & Mustafic, 2015), das Prinzip jedoch ist in allen Fällen vergleichbar. Lehrende stellen den Studierenden eine Frage oder eine Aufgabe, die Antworten werden über ein technisches Hilfsmittel gegeben und über einen Empfänger registriert und verarbeitet. Dabei werden die Ergebnisse in Echtzeit aufgezeichnet und den Teilnehmenden zum Beispiel mittels Beamer als grafische Auswertung präsentiert.

 

 

Die Handhabung der von eInstruction konzipierten Clicker ist einfach: Software herunterladen, Vorlesung mit Fragen konzipieren, Clicker austeilen – und los geht’s mit der interaktiven Lehre. Die Geräte eignen sich einerseits zur Abfrage des Wissenstands der Studierenden, andererseits ermöglichen sie auch Evaluationen. So haben Dozentinnen und Dozenten schon vor der Lehrveranstaltungsevaluation am Ende des Semesters die Möglichkeit, sich bei den Studierenden zu informieren, wie ihre Veranstaltung aufgenommen wird.

 

 

In Großgruppenveranstaltungen wirkt der Einsatz von Clickern aktivierend und lockert das klassische frontale Lehrformat auf. In Verbindung mit anderen didaktischen Methoden lassen sich Diskussionen in Kleingruppen, Peer-Instructions oder sogenannte Murmelgruppen mithilfe von ARS anregen. Lehrende können sich zu Veranstaltungsbeginn einen kleinen Eindruck vom vorhandenen Vorwissen verschaffen, am Ende einer Veranstaltung oder zu Beginn der nächsten Wiederholdungfragen stellen und feststellen, ob bestimmte Defizite aufzuarbeiten sind.  Auch das gezielte Einüben des Fragenformats Multiple-Choice für Prüfungsvorbereitungen lässt sich mit ARS umgesetzen.

An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel verwalten die elk.Medien die Clicker-Systeme, die sich unkompliziert und einfach für jede Lehrveranstaltung ausgeliehen werden können. Videotutorials im OpenOLAT der CAU erklärt die richtige Handhabung.

 

 

Mehr zu Audience-Response-Systemen, …

  • … zu deren Einsatz und verschiedenen Anwendungsszenarien erfahren Sie bei e-teaching.org.

 

Literatur

  • Maison, W.: PiLLE&PiLLE REOLADED: Pharmazie Lehren und Lernen mittels E-Medien. In: Universität Hamburg Zentrale Organisationseinheit Universitätskolleg (Hrsg.) [o.J.].Das Lehrlabor: Förderung von Lehrinnovationen in der Studieneingangsphase. Universitätskolleg-Schriften Band 6, S. 79-81. URL: https://www.universitaetskolleg.de/publikationen/uk-schriften-006.pdf. [Zugriff: 05.09.2018]
  • Schneider, M. & M. Mustafic (Hrsg.) (2015): Gute Hochschullehre: Eine evidenzbasierte Orientierungshilfe. Wie man Vorlesungen, Seminare und Projekte effektiv gestaltet. Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2015.

»Ka-Ching!« Der Klang des Geldes

Unter dem Titel „»Ka-Ching!« Der Klang des Geldes“ findet Anfang November ein studentisches Symposium am Musikwissenschaftlichen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel statt. Noch bis zum 15. April sind Studierende herzlich dazu eingeladen, Abstracts für eigene Vorträge beim Organisationsteam einzureichen. Inhaltlich kann es dabei sowohl um ökonomische und soziale als auch um ästhetische Aspekte von Geld und Musik gehen.

»Can you hear it ring, It makes you wanna sing, It’s such a beautiful thing ‒ Ka-ching!«

Wenn Pink Floyd oder Shania Twain das Übel einer kapitalistischen Gesellschaft besingen; wenn Marilyn Monroe im Film Gentlemen Prefer Blondes ihren besten Freunden, den Diamanten, ein Lied widmet; wenn sich in Wagners Ring, Puccinis La Fanciulla del West oder in Schrekers Schatzgräber die unheilvolle Opernhandlung an mythisch überhöhten Zahlungsmitteln entzündet, dann wird durch Musik die Bedeutung der »belebenden Wirkung des Geldes« (Brecht/Eisler) deutlich. Konzertbetriebe, Musiklabels und -verlage, private wie öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten und nicht zuletzt Künstler*innen erhalten sich durch Geld. Der Kulturbetrieb ist jedoch häufig von öffentlichen Subventionen abhängig. Dadurch können Musiker*innen und Kulturschaffende in eine Rechtfertigungsposition gedrängt werden, die nicht selten zu hitzigen Debatten über die Schließung von Spielstätten und die Auflösung von Orchestern führt. Ähnlich steht es mit den Kulturwissenschaften und musikbezogenen Forschungsprojekten, die ganz maßgeblich von Drittmittelfinanzierungen abhängig sind.

Durch diese Systeme stellen sich wiederum ästhetische Sinnfragen: Ist Musik in dieser komplizierten Gemengelage von wirtschaftlichen Einflüssen »frei« oder war sie vielleicht schon immer, sei es im kirchlichen Rahmen oder am Hofe, eng mit einem kapitalistischen Wertesystem verwoben? Und: ist das ein Problem?

Das studentische Symposium »Ka-Ching!« Der Klang des Geldes wird zwischen dem 7. und dem 10. November 2019 die Zusammenhänge von Musik und Geld auf unterschiedlichen Ebenen in den Blick nehmen. Die Veranstaltung findet im Rahmen einer seit 1986 laufenden Symposiumsreihe des Dachverbandes der Studierenden der Musikwissenschaft (DVSM e.V.) statt. Organisiert von einer eigens für diesen Zweck gegründeten studentischen Arbeitsgruppe und unterstützt von der musikwissenschftlichen Fachschaft sowie vom Studierendenparlament der CAU, richtet sich das Symposium  an (internationale) Studierende und Nachwuchswissenschaftler*innen. Ziel ist es, eine institutionsübergreifende Vernetzung fördern und dabei wissenschaftliche Diskurse in einer Peer-Group anzustoßen. Die Tagung bietet Teilnehmenden nicht nur die Möglichkeit, erste wissenschaftliche Vorträge vor einem Fachpublikum zu halten, sondern auch – auf organisatorischer Seite – erste Projektmanagement-Erfahrungen zu sammeln.

Wer sich beteiligen möchte, sendet ein Abstract für einen Vortrag (2000 Zeichen inklusive Leerzeichen) sowie eine Kurzbiographie (500 Zeichen inklusive Leerzeichen) bis zum 15. April an info@klangdesgeldes.de. Eine Rückmeldung erfolgt bis spätestens 13. Mai.

 

Mögliche Themenschwerpunkte der Vorträge könnten sein:

  • Musik und Wirtschaft (z. B. Verlage, Konzertbetriebe, Industrie, Vereine, Medien)
  • Sozioökonomie und Musiksoziologie (z. B. Publikum, Geschmack, Gender, Ästhetik, Aufführungspraxis)
  • Autonomie und Ästhetik (z. B. Auftragsarbeiten, Anstellungen, Mäzenatentum)
  • Geld in der Musik (z. B. in Opern, Liedern, Songs)
  • Geld und Musikforschung (z. B. wissenschaftliche Betriebe, DFG, Stiftungen)

 

Weitere Informationen

Von Spartonien, Zambonien und der Republik Crock

Verhandeln, Entscheidungen treffen, Kompromisse und Lösungen für Probleme finden – all das sind Fähigkeiten, die gute Politiker mitbringen müssen. Auch für den Wissenschaftsbereich der Internationalen Beziehungen ist ein Verständnis solcher Prozesse elementar. In Seminaren bleiben diese Themen jedoch eher abstrakt, fand der Politikwissenschaftsdozent Julian Wollmann. Deshalb entschied er sich, sie für seine Studierenden mithilfe eines Planspiels erlebbar zu machen.

Text & Bild: Mirjam Michel
(Studentin/PerLe – Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen)

 

„In diesem Planspiel müssen sich Studierende in die Rolle eines Staates versetzen und unter Bedingungen von Zeitdruck und Entscheidungsunsicherheit Entscheidungen treffen. Dabei müssen sie die Interessen ihres Staates berücksichtigen und mit anderen Staaten in Aushandlungsprozessen interagieren“, sagt Wollmann. Ohne eine gute Vorbereitung geht das nicht. „Das Wichtigste an Planspielen ist meiner Meinung nach, dass viel Zeit für die Reflexion des Planspiels bleibt. Es ist wichtig, alle Studierende ins Boot zu holen, damit sie ihre Erfahrungen mitteilen. Was ist da passiert? Was ist mir aufgefallen? Dann gilt es das mit wissenschaftlichen Theorien anzureichern. Was von dem, was ich erlebt habe, ist für wissenschaftliche Diskussionen wichtig? Also lässt sich durch mein Handeln vielleicht eine Theorie bestätigen oder sogar verwerfen? Was lässt sich hieraus ziehen, um die Erkenntnisse für Forschung zu verwenden?“

Für das Planspiel zum Thema „Handeln und Verhandeln in den internationalen Beziehungen“ hat Wollmann eine Vorlage von der Georgetown University genutzt und an sein Seminar angepasst. Auf einem fiktiven Kontinent gibt es in dem Planspiel sieben Staaten mit sehr unterschiedlichen Moralvorstellungen, Staatsformen und Ressourcen. Von religiös, aufgeklärt, über Demokratien und Autokratien bis hin zu Staaten mit wenigen und vielen Ressourcen ist alles dabei. Dies soll die Vielfalt von staatlichen und gesellschaftlichen Existenzen auf der Welt simulieren. Jeder Staat besteht dabei aus einer Gruppe von vier Personen, die auch eine Referatsgruppe bilden. Denn im Anschluss an das Planspiel soll jede der Gruppen eine wissenschaftliche Theorie der internationalen Beziehungen vorstellen. Nach den Präferenzen der Studierenden für eine bestimmte wissenschaftliche Theorie, ordnet Wollmann die Studierenden einem Staat zu. „In einem Planspiel geht es nicht um eigene Werte, sondern darum, sich in eine andere Rolle zu begeben“, erklärt er, „So hat das Ganze einen spielerischen Charakter. Gleichzeitig können Studierende auch mal andere Werte präsentieren, ohne dass sie sich dafür schuldig fühlen müssen.“

Taktieren, um ein höheres Ziel zu erreichen

Schon vor Beginn des Planspiels haben die Studierenden Rollenkarten mit Zielen, die sie als Staat verfolgen müssen, per E-Mail erhalten. Zusätzlich bekommen sie kleine Karten mit Geheimnissen. Wer diese löst, erhält Extrapunkte. Zudem erhält jede Gruppe eine Liste, die Ressourcen des jeweiligen Landes darstellt. Diese müssen die Teilnehmenden vermehren, indem sie Verhandlungen führen oder im Ausnahmefall ein anderes Land überfallen und Krieg führen. Gewinner des Planspiels wird die Nation, die am meisten Punkte gesammelt hat. Das erfordert ein großes Maß diplomatischen Geschicks. „Sie müssen versuchen andere Nationen gegeneinander auszuspielen, sich in Konflikten als Vermittler darzustellen oder eigene andere Ziele zurückzustecken, um ein höheres Ziel zu erreichen“, erläutert Wollmann. Insgesamt vier Runden hat das Spiel, die jeweils eine Stunde dauern. Mit diesem Zeitdruck sollen die realen Bedingungen von Verhandlungen simuliert werden, in einer vorgegebenen Zeit möglichst viele Ziele erreichen zu müssen.

Zu Beginn jeder Runde hält jede Nation ein kurzes Plädoyer zum aktuellen Stand der Dinge: Was möchte die Nation in dieser Runde verfolgen? Mit wem möchte sie Kontakt aufnehmen? Im Anschluss folgen die informellen Verhandlungen, in der sich die Staaten miteinander austauschen können. Eine Möglichkeit des Verhandelns ist zum Beispiel der Ressourcentausch. Hilfreich dafür ist die Weltkarte, die jeder Staat zu Beginn erhalten hat. Sie gibt einen guten Überblick darüber, wo es Konflikte und Ressourcen zum Abbauen gibt und wo sich die einzelnen Länder befinden.  Wenn die Nationen ein Ziel erreicht haben, müssen sie dem Weltrat – repräsentiert von Dozent Wollmann – ein Abkommen vorlegen, das von allen beteiligten Staaten unterzeichnet wurde.

 

Henrik Wieners (oben links) in der Rolle des Diplomaten der Republick ‚Crock‘.

 

Der Student Henrik Wieners hat in dem Planspiel die Rolle eines Diplomaten der umweltfreundlichen und liberalen Republik Crock übernommen, die viele Ölressourcen besitzt. In seinem Plädoyer in der Generalversammlung fordert er stellvertretend für Crock die Umwandlung des sogenannten „Niemandslandes“ in ein Welterbe. Im Gespräch verrät er, mit welchen Strategien sein Staat in den Verhandlungen aufgetreten ist. „Wir haben zum Beispiel vorgeschlagen ‚Ihr gebt uns die Stimme für den Weltnaturpark und 800 Soldaten und wir geben euch dafür Öl.‘ Eine richtige Rollenverteilung hatten wir dabei nicht. Wer mit vielen Ländern verhandelt, viele Gespräche führt und gute Deals herausschlägt, hat in dem Planspiel einen großen Vorteil. Deshalb haben wir uns so aufgeteilt, dass ich besonders mit zwei Ländern verhandelt habe und die anderen sich auf andere Länder konzentriert haben. Eines unserer Ziele war dabei beispielsweise, ein Öl-Kartell zu bilden, sodass wir unser Öl immer zwei zu eins tauschen können.“

Am Ende sind es die Staaten Spartonien und Zambonien, die das Planspiel durch geschicktes Verhandeln gewinnen. Dass eine hohe Frustrationstoleranz in der Politik auch dazu gehört, verdeutlicht im Planspiel der Fall des Staates Bampff. Auf Betreiben der anderen Staaten, wird das Land vor dem Weltgericht verurteilt und daraufhin in der Weltgemeinschaft isoliert. „Das lag nicht daran, dass sie schwere Menschenrechtverletzungen begangen haben, sondern daran, dass andere Staaten mehr Verbündete hatten. So ist es ihnen in den Sitzungen gelungen, eine Wirklichkeit zu konstruieren in der Bampff der totale Schurkenstaat ist und alle anderen lupenreine Demokratien. Die anderen Staaten haben dann aus machtpolitischen Gründen für die Verurteilung gestimmt, obwohl ihnen bewusst war, dass Bampff nur eines der Verbrechen begangen hatte“, erklärt Wieners.

„Durch Planspiele wird Abstraktes endlich mal konkret“

Das Planspiel hat Wieners sichtlich Spaß gebracht. Er zieht ein positives Fazit der beiden vergangen Tage. „Durch das Planspiel habe ich ein besseres Verständnis dafür gewonnen, wie Verhandlungen funktionieren, ob das die Deutsche-Bahn-Tarifverhandlungen sind, die momentan laufen oder der Klimagipfel, der gerade zu Ende gegangen ist. Es hat mir verdeutlicht, warum Verhandlungen häufig so lange dauern und dann nur solch minimalen Lösungen wie beim Klimagipfel zustande kommen. Ich kann jetzt viel besser nachvollziehen, wie stressig das als Politiker sein muss, weil ich selbst dieses Hin und Her erlebt habe. Nachdem wir den ganzen Tag verhandelt und Reden gehalten haben und unter Zeitdruck agieren mussten, waren wir gestern Abend erstmal ziemlich müde“, erzählt Wieners. Politiker zu werden, kann sich Wieners deshalb auch nicht vorstellen.  „Wenn ich das sieben Tage die Woche machen müsste, würde ich am Herzinfarkt sterben“, sagt er und lacht, „ich habe also auch neuen Respekt für Politiker gewonnen, dass sie so etwas durchhalten.“

Auch Wollmann ist zufrieden mit dem Verlauf des Blockseminars und plant bereits das nächste Planspiel: „Man kann Politik, glaube ich, nicht verstehen, wenn man das nicht selbst mal ausprobiert hat. Deswegen finde ich es gut, Studierenden die Möglichkeit zu geben, sehr abstrakte Theorien, abstrakte Phänomene und abstrakte Themen durch eigenes Handeln erleben zu können. Durch Planspiele wird Abstraktes endlich mal konkret.“ Wichtig findet er, dass das Planspiel wie in der Realität von politischen Prozessen ein offenes Ende hat.  „Das Interessante an Planspielen ist, dass es auch nach mehreren Stunden und langem Verhandeln am Ende manchmal keine Lösung gibt. So erkennen die Studierenden, dass Demokratie anstrengend ist und nicht immer zum Erfolg führt.“

 

Weiterführende Links

Weitere Infos zur Methodik:
Datenbank mit Planspielen:
Literaturempfehlung:

Lehre in studentischer Hand

Rund 150 Studierende aus den unterschiedlichsten Bachelor- und Masterstudiengängen waren im Oktober 2018 aus dem gesamten Bundesgebiet nach Bochum gereist, um dort auf der dritten studentischen Konferenz eigene Beiträge vorzustellen. Eine von ihnen war die Kielerin Anila Alvi, die ein Poster zum Thema Zukunfts- und Karriereplanung präsentierte. Im Blog berichtet sie nun von ihren Erfahrungen, schildert, inwiefern sich ihr Engagement gelohnt hat – und warum sie sich schon auf den Herbst 2019 in Kiel freut.

Text: Anila Alvi

 

Das besondere an der dritten studentischen Konferenz war für mich das Leitthema: „Forschen und Lehren in studentischer Hand“. Zum ersten Mal nahm die Tagung 2018 auch studentische Lehre in den Blick, in den Vorjahren hatte der Fokus in Oldenburg (2016) und Berlin (2017) noch allein auf studentischer Forschung gelegen. Dabei gibt es viele, die sich für studentische Lehre interessieren und spannende Projekte und Konzepte in diesem Bereich umsetzen. Dieses Engagement kann einen aktiven Beitrag zur Gestaltung der Hochschullehre leisten.

Die zweitägige Konferenz im Herbst wurde zum großen Teil von Studierenden gestaltet. Das Programm bestand aus Kurzvorträgen mit Diskussionen, Workshops, künstlerischen und szenischen Beiträgen sowie einer Posterpräsentation. Bei letzterer habe ich gemeinsam mit Rouven Keller vom Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) der Kieler Universität ein Poster vorgestellt, das sich mit der Fragestellung beschäftigte, was Arbeitgeber*innen von Absolvent*innen geistes- und sozialwissenschaftlicher Fächer erwarten. Im Fokus stand dabei ein Lehrbaustein aus einem PerLe-Seminar*, der darauf abzielt, Studierende besser auf den Einstieg in den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Zur Konzeption dieses Bausteins hatten wir vor dem Seminar die Kompetenzanforderungen lokaler Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber aus unterschiedlichen Branchen mit leitfadengestützten Experteninterviews ermittelt. Die Ergebnisse werteten wir auch im Seminar mit den Studierenden aus und diskutierten sie dort gemeinsam.

*Veranstaltungstitel: Zukunfts- und Karriereplanung für Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen

 

Das Poster erhielt auf der anschließenden Posterprämierung den zweiten Platz von insgesamt neun Teilnehmenden.

 

Ich habe mich auf der Bochumer Konferenz mit vielen spannenden Menschen über Ideen, Arbeiten, Projekte und Visionen ausgetauscht und habe mich dadurch weiter vernetzen können. Besonders der Austausch mit einer Absolventin der Betriebswirtschaftslehre zum Thema Wie tickt Generation Z? hat mir neue Einblicke verschafft, die ich für meine eigene Arbeit mit den Studierenden nutzen kann.

Die Möglichkeit, über die Grenzen der eigenen Fachdisziplin hinauszuschauen und zu sehen wie an anderen Universitäten Lehre und Forschung aus Studierendensicht gestaltet wird, hat mich sehr inspiriert.

In den zwei Tagen haben sich zahlreiche Gespräche ergeben, in denen mir die Relevanz unserer Arbeit immer wieder deutlich wurde. Dieses Feedback hat mich motiviert und bestärkt mich zudem, in beruflicher Hinsicht weiterhin im Bildungsbereich mit Lehraufgaben tätig zu sein, um studentische Lernprozesse bestmöglich zu unterstützen.

 

 

Auf die Konferenz aufmerksam wurde ich durch meine Arbeit als wissenschaftliche Hilfskraft bei PerLe. Oft ist es schwierig, das breite Angebot an Veranstaltungen, das im Zusammenhang mit dem Studium stattfindet, wahrzunehmen. Außerdem braucht man eine gewisse Erfahrung, um einschätzen zu können, an wen sich eine Veranstaltung richtet beziehungsweise was es für verschiedene Möglichkeiten gibt, um mitzuwirken. Deshalb an dieser Stelle mein Appell an alle engagierten Lehrenden: Machen Sie Ihre Studierenden auf ihr Potenzial aufmerksam und unterstützen Sie sie, an solchen Formaten teilzunehmen!

Die 4. Studentische Konferenz wird im Herbst 2019 an der CAU stattfinden. Ich kann allen Kieler Studierenden, die Interesse an guten Lehr- und Forschungsbedingungen haben, empfehlen, diese Chance direkt vor der Haustür wahr- und an der Tagung im kommenden Jahr teilzunehmen. Für mich war die Veranstaltung in Bochum eine Bereicherung, von der ich noch lange profitieren werde; deshalb freue ich mich schon sehr auf den kommenden Herbst.

Weiterführende Informationen

  • aktuelle Veranstaltungen von PerLe – Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen zur Berufsorientierung Studierender sind hier gelistet.

„Wie sieht ein Mensch aus, der gut Deutsch spricht?“

Persönlich, emotional und ganz unmittelbar: So hat die Studentin Ramona Dabringer die Sitzung „Religion und Weltanschauung“ erlebt, zu der das Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) kurz vor Weihnachten in der Seminarreihe „Diversität – Herausforderungen und Chancen“ geladen hatte. Drei Gastredner, viele Fragen und wichtige Erkenntnisse fanden hier Platz.

Text und Fotos: Ramona Dabringer, Studentin/Perle

Joshu Pannbacker, Lene Krayenborg und Maryam Al Windi(v. li.) sprechen über Religion, über Glauben und über sich selbst.

 

In der letzten Sitzung des Seminars Diversität – Herausforderungen und Chancen vor Weihnachten machten es sich alle noch einmal kuschelig – mit Plätzchen, Tee und Kaffee am späten Nachmittag. Doch so gemütlich der Einstieg war, so ungemütlich und ergreifend gestalteten sich einige der Einblicke, die die Sitzung zum Thema „Religion und Weltanschauung“ den Teilnehmenden eröffnete.

 

Maryam Al Windi, Lene Krayenborg und Joshua Pannbacker waren als Gastredner geladen, alle drei erzählten ihre ganz eigenen, persönlichen Geschichten. Es ging weniger um einen Gesamtüberblick als um die subjektiven Erfahrungen der Gäste. Um behutsam ans Thema heranzuführen,  gab es zunächst einen Überblick über die Verteilung der Religionen in der Welt im Allgemeinen – und in Schleswig-Holstein im Speziellen. Außerdem ließen die Seminarleiterinnen Anila Alvi und Kati Lüdecke-Röttger die Studierenden Vorannahmen zu den drei Rednern treffen: Wie alt mochten sie sein? Welcher Herkunft? Und was machten sie beruflich? Natürlich wurden auch Vermutungen zur Religionszugehörigkeit ausgesprochen – und bestätigt.  Doch Maryam Al Windi, Lene Krayenborg und Joshua Pannbacker sollten rasch verdeutlichen, dass sie vor allem eines sind: Eigene, echte und für sich selbst sprechende Personen.

Anila Alvi führte in die für die Sitzung zentralen Begriffe Identität, Glaubensvielfalt  und Diskriminierung ein – und brachte die zentrale Fragestellung der Sitzung noch einmal auf den Punkt: „Gibt es überhaupt so etwas  wie das eine Judentum, den einen Islam oder das eine Christentum?“ Anschließend überließ sie den drei Gästen des Tages die Bühne.

 

Maryam Al Windi definiert sich als Muslima. Als Deutsche. Als Arbeitskollegin und Studentin. Als Kaffeeliebhaberhin, Pizzafan. Und noch als sehr, sehr viel mehr.

 

Maryam Al Windi, die mit ihrem Vortrag begann, beschäftigte sich zunächst mit der Frage nach Identität und den Faktoren, die Identität beeinflussen können. Medien, Rassismus oder Fragen nach dem Selbstbild. Der Wirbel um die Passfrage ist für Maryam Al Windi ebenso unverständlich („Ich kann doch auch beides sein!“), wie die Diskriminierung, die sie im Alltag bereits erfahren musste, als beispielsweise ein wildfremder Mann ihr in der Stadt zuraunte: „Der Islam ist eine tote Religion.“ Während Al Windi davon erzählte, dass sie in einem Nebenjob ihr Kopftuch abnehmen sollte, weil der Betriebsrat vorbeikam, wurde einem als Zuhörer ganz anders. Natürlich erzählen die Medien von Anfeindungen und Diskriminierungen, jeden Tag, überall. Aber von einem konkreten Fall  aus erster Hand zu hören, ist etwas ganz anderes. Beleidigungen aufgrund religiöser Herkunft, das seien keine Facebook-Kommentare, betonte sie. „Das ist ganz real, nebenan, vielleicht sogar im Nachbarhaus“. Als Antwort auf die verdutzte Reaktion von Menschen, Maryam könne ja sehr gut Deutsch sprechen, stellte sie die Frage: „Wie sieht denn ein Mensch aus, der gut Deutsch spricht?“

Joshua Pannbacker ist Ende 40 und jüdischer Religionslehrer. Doch ist er noch sehr viel mehr: Ehemann und Vater, stolzer Ostfriese und Teetrinker und er fühlt sich nicht nur zuhause wohl, sondern auch an vielen anderen Stellen der Welt. Er erzählte vom Gefühl der Fremdheit  in vielen Momenten des Alltags, aber auch des Dazugehörens, beispielsweise in Israel, wenn er  ankommt,  obwohl er dort gar keine (biologischen) Wurzeln hat. Für Joshua Pannbacker ist Religion wichtig, fest in seinem Leben verankert, gibt Halt und Kraft. Die braucht er, wenn auch er Anfeindungen im Alltag erfährt, psychisch – und leider auch physisch. Das Judentum beschreibt er als eine Religion der Tat, nicht als Mission. „Es gibt ein schönes anschauliches Beispiel dafür“, sagte er. „Wenn du auf einen Obdachlosen triffst und ihm Geld gibst, fragen sich andere vielleicht, ob der Obdachlose damit nicht Alkohol oder Zigaretten kauft. Für mich ist das nicht wichtig. Bei uns sagt man: ‚Kümmere dich um den Körper deines Nächsten und deine eigene Seele, nicht um die Seele deines Nächsten und deinen eigenen Körper´.“

 

 

Joshua Pannbacker erklärte die verschiedenen Ausprägungen des Judentums, die vielen Gesichter, die diese tief in der Geschichte verwurzelte Religion hat. Und wo wir gerade schon bei Geschichte sind: Joshua hält wenig von Schuldzuweisungen: „Schuld ist nicht vererbbar. Schuld hat der, der etwas getan hat. Nur Verantwortung, die haben wir wirklich alle.“

Als dritte Rednerin erzählte die 25-jährige Lene Krayenborg aus ihrem Leben als Theologiestudentin. Sie ist angehende Religionslehrerin für evangelische Religion. Wichtig für sie selbst und das, was sie vertritt ist vor allem die Vermittlung von Werten an die Jugendlichen, die in unserer schnellen und zerbrechlichen Welt genau das brauchen: Vertrauen und Werte. Freiheit, Würde und die Unabhängigkeit des Werts eines Menschen von seiner Leistung: Das sind Parameter, die junge Menschen aus ihrer Sicht zu mündigen Erwachsenen werden lassen. Die vielen verschiedenen Religionen und Weltanschauungen, mit denen wir alle tagtäglich konfrontiert werden, sind für Lene etwas Tolles: „ Vielfalt kann auf jeden Fall zu Stärkung der eigenen Person führen.“ Diskriminierung hat sie nicht erfahren, das Gefühl, dass man nicht verstanden wird aber, kann sie nachvollziehen: „Für viele ist es befremdlich, dass ich gerne Religion unterrichten möchte.“

 

 

Als auch Lene Krayenborg ihren Vortrag abgeschlossen hat, liegt Spannung in der Luft. Die Studierenden haben vieles gehört, Schönes und auch Erschreckendes.

Dem Kurs merkt man deutlich an, wie betroffen viele der Studierenden von einigen Schilderungen waren. Was folgt sind vorsichtige Nachfragen, beispielsweise nach der richtigen Reaktion auf rassistische Aktionen. Neben dem Schock über offensichtliche Diskriminierungen ist den Studierenden aber ebenso Verständnis für die Gäste der Veranstaltung anzumerken, ein Nicken hier, Zugeständnisse, Sorge, Aha-Momente und Liebe dort – vor allem aber eines: Gemeinschaft. Joshua brachte es auf den Punkt: „Offenheit ist, was wir alle uns wünschen.“

 

 

Die letzten beiden Sitzungen des Seminars Diversität – Herausforderungen und Chancen finden am 23. Januar (Sexuelle Orientierung) und am 06. Februar (Antidiskriminierungsarbeit an der CAU) statt.

 

Kontakt

Kati Lüdecke-Röttger
Telefon: 0431 880-5940
kluedecke-roettger@uv.uni-kiel.de

 

Hands on Neuroscience

Das Institut für Psychologie hat eine vertiefende forschungsorientierte Lehrveranstaltung etabliert, in der Studierende frühzeitig Messgeräte in die Hand bekommen, um sich mit Methoden der klinischen und kognitiven Neurowissenschaften vertraut zu machen. In Laborübungen führen die Studierenden selbstständig psychophysiologische Messungen durch. Bei Exkursionen, in Hands-On-Sessions und klassischen Seminarsitzungen erlernen die Studierenden im Laufe von drei Lehrveranstaltungen auch fortgeschrittene Methoden der Neurowissenschaften kennen.

Text: Dr. Christian Wiesner
(Projektleiter)

Die zwei Seiten der Neurowissenschaften

Die Funktionen des menschlichen Gehirns – zentrales Thema der Neurowissenschaften – faszinieren nicht nur Studierende, sondern auch interessierte Laien. Die Ergebnisse der Gehirnforschung verkaufen sich praktisch von selbst, wie die erfolgreiche Zeitschrift „Gehirn und Geist“ dokumentiert.

Ganz anders sieht es mit den Werkzeugen der Gehirnforschung aus: Moderne neurowissenschaftliche Forschungsmethoden setzen nicht nur Grundkenntnisse in Anatomie und Physiologie voraus, sondern auch Kenntnisse in eher trockenen Fächern wie Mathematik, Informatik und Physik. Das schreckt manche Studierende davon ab, sich mit Techniken wie Elektroencephalographie und funktioneller Magnetresonanztomographie vertraut zu machen und sie in Klinik und Forschung einzusetzen.

Psychophysiologie – körperliche Indikatoren psychischen Geschehens

Die klassische Psychophysiologie markiert die Anfänge der Neurowissenschaften und stellt auch heute noch ein breites Repertoire an Messmethoden bereit, die in Forschung und in klinischer Praxis eingesetzt werden. Die Leitfragen sind: Wie wirken sich Wahrnehmung, Emotionen, Kognitionen und verschiedene Bewusstseinszustände auf körperliche Vorgänge aus? Wie können wir aus körperlichen Reaktionen Rückschlüsse auf diese psychischen Vorgänge ziehen?

In Hands-On-Sessions lernen die Studierenden, psychophysiologische Messungen durchzuführen, auszuwerten und zu interpretieren. Im Labor messen sie zum Beispiel mit der Elektromyographie (EMG), wie sich die Muskelaktivität bei Anspannung und Entspannung verändert. Mit der Elektrookulographie (EOG) erfassen sie bestimmte Muster von Augenbewegungen, wie sie im Wachzustand beim Lesen, beim Verfolgen eines bewegten Objektes oder auch im Schlaf auftreten. Mit der Elektromyographie (EEG) messen sie, wie sich die Gehirnaktivität bei verschiedenen Aktiviertheitszuständen oder bei der Verarbeitung von Reizen verändert. In Background-Sessions vertiefen die Studierenden die theoretischen Grundlagen psychophysiologischer Messungen.

Klinische Neurowissenschaft – Anwendung in Diagnostik und Therapie

Neurowissenschaft wäre nicht so spannend, wenn man sie nicht anwenden könnte. Die klinische Neurowissenschaft nutzt psychophysiologische Messmethoden für Diagnostik, Therapie und Forschung. Leitfragen sind beispielsweise:

Wie kann man Schlaf objektiv messen? Jeder Mensch muss schlafen. Aber Schlaf objektiv zu messen, ist gar nicht mal so einfach. Die Polysomnographie kombiniert die zuvor gelernten Methoden (EMG, EOG, EEG), um Schlafstadien zu bestimmen und Schlafstörungen zu diagnostizieren. Dies geschieht meist in einem speziell ausgerüsteten Schlaflabor.

Wie kann man Spannungskopfschmerz lindern? Patienten mit Spannungkopfschmerz leiden oft unter Verspannungen der Nackenmuskulatur. Beim Biofeedback wird die Muskelaktivität gemessen und dem Patienten auf einem Monitor visuell zurückgemeldet. Durch Lernen am Erfolg kann der Patient die Fähigkeit erwerben, die Muskelspannung zu regulieren, den Nacken zu entspannen und so Linderung erfahren.

Wie kann man die Wirkung einer Angsttherapie prüfen? Jeder kennt das Phänomen vom Krimi schauen: Wenn man angespannt und ängstlich ist, erschreckt man sich leichter als wenn man entspannt und ruhig ist. Den Schreckreflex kann man objektiv messen und nutzen, um festzustellen, wie ängstlich ein Patient vor und nach Behandlung einer Angststörung ist.

Die Studierenden lernen bei einer Exkursion ins Schlaflabor, bei Hands-OnSessions im Labor und in Background-Sessions wie sie psychophysiologische Messmethoden bei verschiedenen Fragestellungen anwenden können.

Forschung in der kognitiven Neurowissenschaft – Gehirn verstehen

Wie schafft es das Gehirn, dass wir uns Dinge über Jahrzehnte merken können, dass wir in Bruchteilen von Sekunden Entscheidungen treffen können oder dass wir komplizierte Dinge wie die Erforschung des Gehirns verstehen können? Um diese komplexen Fragen zu beantworten, muss man zunächst einfachere Fragen beantworten können: Was, wann und wo?

Was? Der erste Schritt bei der neurowissenschaftlichen Untersuchung einer kognitiven Funktion ist die Beschäftigung mit den psychologischen Theorien und Forschungsergebnissen zu dieser Funktion. Wenn man nicht weiß, was man im Gehirn sucht, wird man es auch nicht finden. Die Entwicklung geeigneter Aufgaben zur Untersuchung von Hirnfunktionen ist daher ein wichtiger Lernschritt für Studierende.

Wann? Mit ereigniskorrelierten Hirnpotenzialen (ERP) kann man die elektrische Aktivität des Gehirns während der Bearbeitung kognitiver Aufgaben auf die Millisekunde genau messen. So kann man beispielsweise auch feststellen, bei welchen Verarbeitungsschritten Patienten mit bestimmten psychischen Störungen Probleme haben.

Wo? Mit der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) kann man auf den Millimeter genau messen, welche Hirnareale bei einer kognitiven Aufgabe aktiv sind und wie verschiedene Hirnareal in einem Netzwerk zusammenarbeiten. Bei psychischen Störungen zeigen sich hier oft spezifische Auffälligkeiten, die uns helfen, die veränderten neuropsychologischen Prozesse besser zu verstehen.

Von „Was? Wann? Wo?“ zum „Wie?“

Im Modul „forschungsorientierte Vertiefung“ arbeiten sich die Studierenden von einfachen psychophysiologischen Messungen zur Königsklasse der Neurowissenschaft vor: Am Ende können sie Studien mit ERP und fMRT nicht nur besser verstehen und kritisieren, sondern auch selbst solche Studien planen, programmieren, durchführen, auswerten und interpretieren. Gehirn verstehen ist das Ziel. Neurowissenschaftliche Methoden sind der Weg.

gefördert durch den PerLe-Fonds für Lehrinnovation