Alle Artikel von Blogmoderatorin Antonia Stahl

Neue Konzepte aus dem Coronasemester

Digitale Lehre mit extrem heterogenen Lernendengruppen und sprachlichen Barrieren: Dass das tatsächlich möglich ist, hat der Bereich Deutsch als Fremdsprache (DaF) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) im Coronasemester 2020 unter Beweis gestellt. Von neuen Erfahrungen und Erkenntnissen.

Regulär findet der Unterricht im DaF-Bereich in Präsenz in Gruppen á 25 Studierenden und mit sehr viel Interaktion statt. Bildungsausländische Studierende sollen sich dort auf ihre Sprachprüfung für den Hochschulzugang vorbereiten, die ihnen den Weg ins CAU-Studium ebnet. Neben (Uni-)Deutsch lernen die Teilnehmenden dabei auch Gepflogenheiten und Fachkulturen an hiesigen Universitäten kennen. Was passiert, wenn zu den ohnehin vorhandenen sprachlichen Barrieren auch noch technische Hürden hinzukommen, hat das aktuelle Coronasemester gezeigt – mit teils überraschendem Resultat.

Kati Lüdecke-Röttger, die im DaF-Bereich die fachliche Leitung der Studienvorbereitung innehat, bilanziert: „Wir mussten zum Semesterstart fünf täglich stattfindende Kurse mit insgesamt 130 Studierenden, für die insgesamt zehn Lehrkräfte zuständig sind, völlig neu konzipieren. Das erforderte enorm viele Absprachen.“ Glücklicherweise blickt die versierte DaF-Dozentin auf viele Jahre Lehrerfahrung im digitalen Sprachunterricht zurück, nur so war es möglich, die Herausforderungen im Coronasemester überhaupt zu stemmen.

 

 

„Was sind die zentralen Inhalte, wie wollen wir sie didaktisieren und wie lässt sich das technisch zielführend umsetzen?“ Dieser Dreischritt hat sich aus Kati Lüdecke-Röttgers Sicht als Richtschnur bewährt, wenn es darum geht, rasch im Team ein neues digitales Lehrkonzept zu entwickeln. Waren die drei Fragen erst einmal beantwortet, konnten konkrete Aufgabenpakete geschnürt und im Team verteilt werden.

Dass die Kurse pünktlich zum Semesterstart beginnen mussten, hatte Priorität, weil die 13-wöchige Vorbereitungszeit für die sprachliche Hochschulzugangsprüfung am Semesterende ohnehin knapp bemessen ist. Binnen zwei Wochen galt es deshalb, die auf Präsenzlehre ausgerichteten und seit Jahren dafür beständig optimierten Veranstaltungskonzepte ins Digitale zu übersetzen. „In diesem Sommersemester haben wir so viel neu entwickelt und so viele Bausteine getestet – ich bin wirklich stolz auf unser Team, seinen Einsatz und die Motivation aller Beteiligten“, sagt Kati Lüdecke-Röttger. Im kommenden Semester könne man nun wunderbar auf diese Erfahrungen aufbauen und ein wirklich rundes Blended-Learning-Konzept präsentieren, „denn jetzt wissen wir: Was funktioniert am besten in Präsenz, was gut oder vielleicht sogar besser online.“

Kurs im OpenOLAT als Herzstück des neuen Konzepts

Insgesamt ist ein Mix aus synchronen und asynchronen Veranstaltungselementen entstanden – also aus solchen, an denen zeitgleich alle gemeinsam in der Gruppe teilnehmen und solchen, die jede_r Teilnehmer_in von zu Hause aus einzeln bearbeiten kann. Der neue Kurs auf der eLearning-Plattform OpenOLAT ist das Herzstück dieses Konzepts, flankiert wird er durch täglichen Unterricht per Zoom-Konferenz im Gruppenverband und durch 6 Semesterwochenstunden Präsenzunterricht in Kleingruppen. Strukturell orientiert sich der OLAT-Kurs an den Kurswochen im Semester, jedem Tag sind dabei eigene Inhalte zu bestimmten Themenblöcken und Fertigkeiten zugewiesen. Dazu zählen beispielsweise Einführungen, Wiederholungen und Vertiefungen grammatischer oder thematischer Aspekte genauso wie Übungen zum Hörverstehen. Alle digitalen Lehrmaterialien sind indes so aufgebaut, dass sie eng ineinandergreifen, einige Arbeitsaufträge sind dabei als Wochenaufgaben angelegt, andere zu bestimmten Terminen zu erledigen.

Zudem sind eigens für den OLAT-Kurs zahlreiche Videoclips von rund 15 bis 20 Minuten Länge entstanden, die ähnlich wie frontal vorgetragene Unterrichtsblöcke in der Präsenzlehre funktionieren und in neue Themeneinheiten einführen. Zu jedem dieser Videos erhalten die Studierenden Arbeitsblätter, mit deren Hilfe sie das Gelernte unmittelbar anwenden und reflektieren können.

Was funktioniert digital – was besser in Präsenz?

Als Herausforderung hat sich jedoch die Korrekturarbeit erwiesen, die durch die stärker schriftlich ausgerichteten asynchron stattfindenden Kurselemente deutlich zugenommen hat und die für die Lehrenden in intensiven Unterrichtsphasen kaum noch zu stemmen war. „Insgesamt waren die Herausforderungen des Coronasemesters natürlich sehr anstrengend, aber als absolut positiv habe ich erlebt, dass wir all unsere Konzepte im Team hinterfragen, neu sortieren und optimieren konnten“, gibt Kati Lüdecke-Röttger rückblickend zu Protokoll. Für neue Transparenz sorgte außerdem, dass die einzelnen OLAT-Kurse jederzeit allen beteiligten Lehrenden offenstehen – „das ist, als würde man im Unterricht die Tür offenlassen und alle Kollegen könnten einem beim Lehren zuschauen“, so Lüdecke-Röttger weiter.

Auf diese Offenheit müsse man sich natürlich erst einmal einlassen – doch das Team wachse dadurch noch enger zusammen, man gebe sich gegenseitig Feedback, berate einander und arbeite so wirklich gemeinsam daran, möglichst gelungene Lehre umzusetzen. „Zu unserem Team gehören sehr viele erfahrene Lehrende, die schon seit langer Zeit unterrichten, jedoch mit neuen digitalen Lehr-Lern-Formaten bislang wenig in Berührung gekommen sind. Trotzdem haben sich alle sich gern auf die neuen Ideen im Coronasemester eingelassen, unsere tolle gemeinsame Arbeit begeistert mich wirklich sehr“, sagt die Dozentin.

Im kommenden Semester wird der DaF-Bereich von den bisherigen Erfahrungen und neuen Erkenntnissen profitieren. Einige Elemente funktionieren demnach wunderbar digital, zum Beispiel Grammatikthemen – „das hätte ich so nicht erwartet, aber die Studierenden haben uns das eindeutig zurückgemeldet“, so Kati Lüdecke-Röttger. Vielen Studierenden hilft es offenbar, wenn sie komplexe Inhalte im eigenen Tempo bearbeiten und gegebenenfalls zwischendurch noch einmal etwas nachschlagen können. Was dagegen möglichst in Präsenz stattfinden sollte, ist nach jüngster Erfahrung der Dozentin zum Beispiel das Prüfungstraining, das sehr komplex und stark interaktiv ausgerichtet ist.

Alles andere als trockene Theorie

Über eine Lehrinnovation, die auf Kleingruppenarbeit und „hands-on“-Praxiselemente setzte – und was in Zeiten von Covid-19 daraus wurde.

Text: Mirjam Gleßmer
(Projektteam)

gefördert durch den PerLe-Fonds für Lehrinnovation

In der Lehrveranstaltung „Atmosphären- und Ozeandynamik” im Bachelorstudiengang Physik des Erdsystems wird das theoretische Grundgerüst zum Verständnis der globalen Bewegung von Luft- und Wassermassen erarbeitet, welches zum Beispiel Wetter- und Klimavorhersagen ermöglicht.

Vor der Lehrinnovation von Dr. Torge Martin (GEOMAR) und Dr. Mirjam Gleßmer (fascinocean) geschah dies vorwiegend theoretisch auf Papier und an der Tafel. Die Verknüpfung der Theorie mit beobachtbaren Phänomenen der realen Welt kam dabei oft zu kurz. Um die Theorie begreifbar zu machen, haben wir praktische Experimente in rotierenden Wassertanks und am Computer eingebettet. Diese werden von den Studierenden gemeinsam durchgeführt und das Verständnis durch in Gruppenarbeit erarbeitete Blogposts vertieft. So zumindest im ersten Semester der zweisemestrigen Lehrinnovation…

Das erste Semester – der Plan geht auf

Schon in Vorbereitung der Antragstellung bei PerLe konnten wir nicht länger warten – wir mussten uns einfach privat einen rotierenden Tank für zuhause anschaffen und die Experimente schon mal probieren! Was normalerweise viele Hundert Euro kostet, ist Dank der Bauanleitung des DIYnamics Teams und der Verwendung einfachster Bauteile (wie zum Beispiel eines LEGO Motors) auf einmal erschwinglich. Und das Wissen, dass eventuelle Fehler nicht furchtbar teuer werden, lässt uns – und auch unsere Studierenden – viel unbeschwerter und kreativer experimentieren!

Rotierende Tankexperimente durchzuführen ist zeitaufwendig: Bis der gesamte Wasserkörper in gleichmäßiger Drehung ist und die Durchführung des eigentlichen Experimentes starten kann, vergehen schon mal 30 Minuten. Die Finanzierung unseres Lehrinnovationsprojektes durch PerLe ermöglichte uns, vier rotierende Tanks anzuschaffen – genug, dass Studierende in Kleingruppen experimentieren können und so vier Experimente gleichzeitig vorbereitet und je nach Anwendung direkt oder nacheinander durchgeführt werden können. So können Entscheidungen über Parameter individuell in den Gruppen oder gemeinsam besprochen und getroffen. Im Seminarraum entsteht so eine angeregte Diskussion über Effekte und Theorie, wie sie zuvor durch Vorrechnen an der Tafel nie entstand.  Und noch etwas haben wir gemeinsam erfahren: Bloß weil zwei Gruppen die gleichen Parameter ausgewählt haben, werden zwei Experimente noch lange nicht gleich aussehen! Diese Erfahrungen zu machen und zu diskutieren war sehr wertvoll und nur durch die vier parallellaufenden Tanks möglich.

 

Dr. Torge Martin und die Studierenden seines Kurses zur „Atmosphären- und Ozeandynamik” diskutieren ein rotierendes Tankexperiment, das von einer Gruppe vorgeführt wird.

 

 

Der zweite Aspekt unserer Lehrinnovation – frei nach dem Motto „Lernen durch Lehren“ – war ein Kurs zum populärwissenschaftlichen Schreiben, den Dr. Yasmin Appelhans durchgeführt hat. Die unglaublich kreativen Ergebnisse kann man auf unserem Blog „TeachingOceanScience“ bewundern! Es sei nur ein Beispiel herausgehoben: der beeindruckende Comic von Johanna Knauf. In dem Comic behandelt Johanna nicht nur fachlichen Inhalte, sondern hebt auch hervor, dass wir auf Lehrenden- wie Studierenden-Seite die Lehrinnovation mit Enthusiasmus und Spaß – und ganz viel Spielen! – durchgeführt haben.

Ein Bild aus dem Comic der Studentin Johanna Knauf, das zeigt, dass auch in der Wahrnehmung der Studierenden die beiden Lehrenden mit Enthusiasmus und Spaß bei der Sache waren.

 

Unser inoffizielles Motto „Man sollte einfach viel mehr spielen!“ haben wir sogar offiziell und zum Titel eines Seminars gemacht — natürlich immer unter dem Verständnis, dass „spielen“ die Art des explorativen, kreativen Herangehens an neue Fragestellungen bedeutet und sich nicht nur auf die LEGO-Bauteile beschränkt, bei dem wir alle Kolleg*innen des Instituts eingeladen haben, nach einer sehr kurzen Einführung zu den möglichen Versuchen einfach selbst mal mit unseren vier rotierenden Tanks zu „spielen“. Und wie das angenommen wurde? So dass wir den Hörsaal erst unter viel Gegrummel geräumt haben, als die nächste Lehrende nun aber wirklich anfangen wollte!

 

 

Auf vier rotierenden Tanks werden durch Studierende im Forschungsseminar unter großem Anklang vier unterschiedliche Experimente durchgeführt.

 

Alles Feedback, das wir bekamen, war also uneingeschränkt positiv. Doch dann kam Covid-19.

Das zweite Semester – hands-on und digital

Was tun, wenn auf ein Mal genau der enge Kontakt zwischen Studierenden, das gemeinsame Spielen und Beobachten, die das Herzstück unserer Lehrinnovation waren, nicht mehr möglich sind und alle Lehre digital stattfindet? Idealerweise hätten wir allen Studierenden einen eigenen rotierenden Tank zur Verfügung gestellt, aber das ging natürlich nicht. Aber da war doch ein privater Tank irgendwo zuhause…?

 

 

Dr. Martin verdeutlicht am Vergleich des rotierenden Experiments mit dem nicht-rotierenden Fall, welchen Einfluss die Erdrotation auf Meeresströmungen und atmosphärische Winde hat.

 

Der Einfluss der Erdrotation auf Meeresströmungen und atmosphärische Winde ist nicht gerade intuitiv. Um diesen gut zu verstehen, ist es oft hilfreich, ihn direkt mit dem analogen nicht-rotierenden Experiment zu vergleichen. Und so gelang es uns, auch in der virtuellen Lehre die hands-on Komponente zu erhalten: Die Studierenden führten bei sich zuhause die einfachen, nicht-rotierenden Fälle durch, und für die rotierenden Experimente kamen sie kurzerhand virtuell in Dr. Gleßmers Küche.

Abbildung 5: Ferngesteuerte Tankexperimente: In der Küche von Dr. Gleßmer steht der rotierende Tank, der mit zwei Endgeräten, die ihn von der Seite und von oben zeigen, an einer Zoom-Konferenz mit Dr. Martin und den Studierenden teilnimmt. Auf Zuruf kann Dr. Gleßmer jetzt Parameter verändern und die Studierenden können den Effekt aus der ersten Reihe beobachten und in der Konferenz diskutieren.

Bei dieser virtuellen Exkursion konnten Studierende durch Zuruf direkt das rotierende Experiment beeinflussen. Über zwei Endgeräte konnten sie das Experiment von der Seite und von oben beobachten und die Ergebnisse mit ihren eigenen, nicht-rotierenden Experimenten vergleichen. Als Backup, Vor- und Nachbereitung haben wir die Experimente mit dem gleichen Setup gefilmt und online zur Verfügung gestellt.

Abbildung 6: Dr. Gleßmer zeigt in diesem Video den Einfluss von Rotation auf Turbulenz (links im Bild der rotierende Tank in Seiten- und Aufsicht, rechts der nicht-rotierende Fall):

 

Unser Fazit? Für eine spontane Lösung ist uns das ziemlich gut geglückt. Auch hier steht am Ende die Erfahrung, dass es für einige Studierende eine wichtige, in der Vergangenheit oftmals vernachlässigte Komponente ist, Theorie tatsächlich „begreifen“ zu können. Mit einfachsten Mitteln lässt sich zuhause zumindest die Motivation für die nächste online Vorlesung deutlich steigern. Aber wir freuen uns auf die Zeiten, wenn wir mit unseren Studierenden wieder gemeinsam in einem Raum experimentieren können!

Weiterführende Links:

Methode: Kollaboratives Arbeiten in der digitalen Lehre

Für intensiven Austausch und gute Ergebnisse in Gruppen & bei Projekten online

Zeitgleich gemeinsam mit anderen an einer Sache arbeiten: Besonders in digitalen Lehrveranstaltungen begünstigen kollaborative Lernszenarien einen tiefen Einstieg in Themen, einen intensiven Austausch und qualitativ hochwertige Projektergebnisse. Wie das funktionieren kann, zeigt dieses Methodenvideo:

 

 

 

Weiterführende Informationen

Student_innen erstellen Video-Tutorials.

Mit dem Ziel, wesentliche Grundlagen des Studiums prägnant zu erläutern, haben Studierende höhrerer Fachsemester im Studiengang „Praktische Philosophie der Wirtschaft und Umwelt“ (PWU) multimediale Tutorials für Studienanfänger_innen konzipiert und umgesetzt. Mehr über das Projektseminar, in dem die Tutorials entstanden sind, erfahren Sie hier.

 

Text: Christian Baatz und Andrea Klonschinski (CAU Kiel)

Wir sind als Studiengangkoordinator_innen, Studienberater_innen und Lehrende für den interdisziplinären Masterstudiengang „Praktische Philosophie der Wirtschaft und Umwelt“ (PWU) zuständig. Während in diesem Studiengang die kritische philosophische Reflexion begrifflicher und normativ-ethischer Voraussetzungen wissenschaftlicher Diskurse um Wirtschaft und Umwelt im Zentrum steht, erlernen die Studierenden im Wahlpflichtbereich fundiertes disziplinäres Wissen der angrenzenden Fachbereiche, wie etwa Volkswirtschaftslehre oder Geographie. Der Studiengang zeichnet sich durch eine heterogene Studierendenschaft aus, da ein BA-Abschluss in Philosophie keine Voraussetzung für die Zulassung zum Studium darstellt. Dies stärkt den interdisziplinären Diskurs, führt aber auch zu Herausforderungen in der Lehre, da inhaltliche und methodische Grundlagen der Philosophie nur begrenzt vorausgesetzt werden können.

Um dieser Heterogenität Rechnung zu tragen, kamen wir im Gespräch mit einigen Student_innen auf die Idee, multimediale Tutorials zu erstellen, die sich an Studienanfänger_innen richten und wesentliche Grundlagen des Studiums prägnant erläutern. Während dies anfangs buchstäblich eine Schnapsidee war (sie kam im Rahmen des all-semestrigen PWU-Kneipenabends zustande), stellten wir schnell fest, dass sie durchaus Potential hat. Zum einen stünden die produzierten Tutorials allen zukünftigen Student_innen dauerhaft zur Verfügung – im Gegensatz zu Tutorien oder Vorbereitungskursen, die jährlich wiederholt werden müssen. Zum anderen würden die Student_innen bei der Erstellung der Tutorials nicht nur ihre inhaltlichen und methodischen Kenntnisse vertiefen, sondern darüber hinaus wichtige berufsbezogene Kompetenzen erwerben. Der PerLe-Fonds für Lehrinnovationen gab uns die Möglichkeit zur Umsetzung dieses spannenden Projekts im Wintersemester 2019/2020.

 

Fotos: Dreharbeiten fürs Videotutorial „Was lernt man im PWU?“ © Frederik Brüggen

 

Veranstaltungskonzept & Durchführung

Zur Umsetzung der Tutorials entwickelten wir ein Konzept für ein Modul, das aus drei Elementen besteht: Projektseminar, begleitendem Tutorium und selbständiger Gruppenarbeit. Im Projektseminar identifizierten die Studierenden zunächst generell, also noch nicht im Hinblick auf die Eignung der Themen für Video-Tutorials, die Kenntnisse, Informationen und Kompetenzen, die sie für ein erfolgreiches PWU-Studium an der CAU Kiel als erforderlich erachten. Die Identifikation erfolgte über Kleingruppenarbeit, deren Ergebnisse wir zusammen mit den Student_innen in einer ausgiebigen Diskussion zu acht Themen-Clustern bündelten, wie beispielsweise Interdisziplinarität, Argumentieren oder Referate im Philosophie-Master. Dabei erhielten wir, sozusagen nebenbei, einige wertvolle Hinweise zur Weiterentwicklung des Studiengangs. Im Anschluss bildeten sich vier studentische Gruppen von drei bis vier Personen, die jeweils ein Tutorial zu einem der Themencluster entwickeln wollten.

In den folgenden vier Wochen erarbeiteten sich die Gruppen eigenständig die zentralen Aspekte ihres Clusters und präsentierten diese in der nächsten Seminarsitzung. Durch die Diskussion der vorgestellten Aspekte konnten diese weiter geschärft werden. Daraufhin entwickelten die Gruppen erneut in Eigenarbeit über drei Wochen ein Konzept zur Umsetzung des Themas via Multimedia-Tutorial. Für die Umsetzung erhielten Sie keine zusätzlichen Vorgaben zu Länge, erwarteten Inhalten oder zu verwendenden Elementen, dafür aber praktische Hinweise, wie zum Beispiel, dass bereits ein Video von zwei bis vier Minuten Länge einen hohen Produktionsaufwand erfordert und die Tutorials daher nicht länger sein sollten. Die Konzepte wurden in der dritten Seminarsitzung präsentiert und diskutiert. Im Anschluss hatten die Gruppen ca. drei Monate Zeit die Multimedia-Tutorials auf Basis ihrer Konzepte zu erstellen.

Die konzeptionelle und medientechnische Arbeit der Gruppen wurde durch das regelmäßig stattfindende Tutorium ermöglicht. Als Tutorin konnten wir Franca Wißmann gewinnen, die den Master „Medienwissenschaft: Film und Fernsehen“ studiert und über einen breitgefächerten Erfahrungsschatz im Bereich Videokonzeption und -schnitt verfügt. Sie erhielt einen fünfmonatigen Vertrag mit 20 Stunden im Monat, was sich rückblickend als knapp bemessen herausstellte. Zu Beginn des Tutoriums erhielten die Student_innen von Frau Wißmann eine Einführung in multimediale Techniken und Methoden. Zudem organisierten wir einen von PerLe finanzierten, fünfstündigen Begleitworkshops zu Film- und Kameratechnik. Geleitet wurde der Workshop von Linus Krebs, einem Filmemacher und Dozenten für Film, Storytelling, Theater u.v.m.. Nachdem die Gruppen wesentliche Aspekte ihres Themenclusters erarbeitet und im Seminar präsentiert hatten, wurden sie im weiteren Verlauf des Tutoriums von Frau Wißmann bezüglich der sich bei der Umsetzung ergebenen konzeptionellen, methodischen und technischen Fragen beraten. Während wir jederzeit für inhaltliche Rückfragen und Diskussion ansprechbar waren, stand Frau Wißmann auch außerhalb der Tutoriums-Zeiten für technische Fragen zur Verfügung. In ihrer kontinuierlichen und kompetenten Betreuung der Gruppen sehen wir einen maßgeblichen Faktor für das Gelingen des Projektseminars.

Die Überprüfung der studentischen Leistung und des Erreichens der Lernziele erfolgte anhand der produzierten Tutorials, die wir zum Abschluss der Veranstaltung gemeinsam mit den Student_innen anschauten und evaluierten. Die Tutorials wurden dabei unter anderem anhand folgender Kriterien von uns benotet: inhaltliche Richtigkeit des Dargestellten, Verständlichkeit, Kreativität/Originalität, Relevanz für die Adressat_innen, Aufwand und technische Umsetzung (Schnitt, Ton, Licht usw.). Mit dieser Prüfungsleistung haben die Student_innen das Modul erfolgreich abgeschlossen und können es sich mit sechs Leistungspunkten im Wahlpflichtbereich des Studiengangs anrechnen lassen.

Was die Student_innen gelernt haben

Die Verständigung über Grundlagen des Studiengangs führt zur Reflexion des eigenen Fachs. Die Student_innen lernten dabei, die Essenz aus ihren inhaltlichen und methodischen Kenntnissen zu destillieren und deren Relevanz für Dritte zu bewerten. Die Diskussion, welche Kenntnisse zentral sind und was genau eine bestimmte Methode oder eine Theorie ausmacht, sowie die anschließende Umsetzung via Tutorial vertiefte das Verständnis der entsprechenden Inhalte erheblich. Dies ließ sich zum Beispiel bei der Gruppe beobachten, die die philosophische Methode des Gedankenexperiments erläutert hat. Um die Methode sowohl hinreichend kurz als auch verständlich darzustellen, mussten die Student_innen sich erarbeiten, was die wesentlichen Merkmale der Methode sind und wie die Inhalte ansprechend und kurzweilig transportiert werden können. Durch die ausführliche Beschäftigung mit dem Thema entwickelte die Gruppe somit nicht nur ein deutlich besseres Verständnis der Methode, sondern auch eine kritische Bewertung ihrer Einsatzmöglichkeiten, Grenzen und Schwierigkeiten.

 

 

Die Auseinandersetzung mit dem Fach auf der Metaebene führt auch zu einer tieferen Durchdringung von Sinn und Zweck sowie Möglichkeiten und Grenzen des Studiengangs. Die Student_innen gewinnen ein verbessertes Bewusstsein für das, was sie gelernt haben und über welche Kompetenzen sie – auch in Abgrenzung zu anderen Fächern – verfügen, wie sich beim Video-Tutorial zu „Was lernt man im PWU? beobachten lässt. Dieses Wissen hilft nicht nur den Absolvent_innen bei der Planung ihres weiteren Werdegangs und ihrer Präsentation auf dem Arbeitsmarkt, sondern gibt auch Studieninteressierten eine Vorstellung davon, was sie nach erfolgreichem Absolvieren des Studiengangs können werden. Die Orientierung an Studieninteressierten und Studienanfänger_innen verlangte den Teilnehmer_innen des Projektseminars zudem ab, eine spezifische didaktische Perspektive einzunehmen, wie sich besonders an dem Tutorial „Was ist PWU?“ zeigt, welches den Rezipient_innen Aufbau und Inhalt des Studiengangs auf anschauliche Art und Weise näherbringt.

 

 

Durch die Konzeptionierung und Erstellung der Tutorials haben die Student_innen außerdem Kompetenzen erworben, die in der PWU-Lehre ansonsten nicht vermittelt werden, aber in vielen PWU-relevante Berufsfeldern wichtig sind. Dazu gehören das Konzipieren von audiovisuellen Beiträgen, das Entwickeln eines Skripts, die Grundlagen im Umgang mit Video- und Tontechnik, der konkrete Umgang mit Schnittprogrammen sowie Vertonung und Voice-Over. Darüber hinaus haben die Student_innen je nach Konzept des Tutorials Erfahrungen in Drehplanung und -umsetzung oder im Erstellen von Animationen erworben.

Schließlich wurden auch die Fähigkeit zur Teamarbeit und Selbstorganisation durch die weitgehend eigenständige Arbeit in Gruppen über ein ganzes Semester gefördert. Zwar kommen auch im üblichen PWU-Studium Gruppenarbeiten regelmäßig vor, vereinzelt auch über mehrere Monate, diese sind aber weniger anspruchsvoll und intensiv. Das Erarbeiten der Tutorials erforderte ein vergleichsweise hohes Maß and Kommunikation, Arbeitsstrukturierung und Disziplin in eigener Verantwortung.

Was gut geklappt hat – und was nicht

Die Seminarteilnehmer_innen haben mit hoher Eigenmotivation wesentliche inhaltliche und methodische Grundlagen des Studiums identifiziert und sich ausführlich Gedanken dazu gemacht, wie sie diese in einem kurzen Tutorial mit den ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen umsetzen können. Sie haben sich multimediale Kompetenzen angeeignet und schließlich mit viel Aufwand ihre Konzepte umgesetzt. Nach dem gemeinsamen „Video-Release“ waren sich die Student_innen einig, dass ihnen selbst die Videos und die darin enthaltenen Informationen am Anfang des Studiums sehr geholfen hätten. Auch fachfremde Personen gaben an, die Videos stellten eine gelungene Einführung dar und seien gut zu verstehen.

Die hohe Qualität der Tutorials ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Student_innen sehr viel Zeit in diese Lehrveranstaltung investiert haben, so dass der von uns vorab kalkulierte Arbeitsaufwand erheblich überschritten worden ist. Aufgrund des Aufwands und Anspruchs werden wir das Projektseminar bei einer etwaigen Wiederholung über zwei Semester hinweg durchführen. Dies ermöglicht es ebenso, die verschiedenen Arbeitsphasen (Sammlung der Grundlagen, Schärfung der Themenkomplexe, Konzeptionierung der Tutorials, Erstellen der Tutorials) und das Erlernen der erforderlichen Techniken zu entzerren und besser aufeinander abzustimmen. So gaben die Student_innen bei der Evaluation der Veranstaltung an, dass sie noch mehr von Tutorium und Filmworkshop profitiert hätten, wären diese zu einem späteren Zeitpunkt angeboten worden. In Zukunft werden wir daher nach der Gruppenfindung zusammen mit den Student_innen zunächst an der Schärfung der zu präsentierenden Inhalte arbeiten. Dann erhalten Sie eine Einführung in die Erstellung multimedialer Konzepte, die sie im Folgenden auf ihr Thema anwenden können. Erst wenn dieser Schritt absolviert ist, erfolgt eine bedarfsgerechte Einführung in Filmtechnik, Animation usw. Die Entzerrung und veränderte Abfolge tragen auch dem Umstand Rechnung, dass die Student_innen erst gegen Ende des Semesters in der Lage waren, wichtige Fragen an die Tutorin überhaupt zu formulieren, wie sie während der Evaluation berichteten.

Da die Tutorials von allen Beteiligten als äußert gelungen bewertet wurden, sie zugleich aber nur einen sehr kleinen Teil der Grundlagen des Studiums abdecken, halten wir eine Wiederholung bzw. Verstätigung der Veranstaltung für sehr sinnvoll. Die Videos haben dabei nicht nur einen großen Nutzen für Studienanfänger_innen und die Produzent_innen selbst, sondern auch das Potenzial die Sichtbarkeit des Studiengangs im deutschsprachigen Raum zu erhöhen. Für die multimediale Schulung und Betreuung der Student_innen müssen allerdings Studiengangs-externe Personen beauftragt und vergütet werden, was die CAU jenseits besonderer Fördermöglichkeiten wie PerLe leider nicht gewährleisten kann. Deswegen müssen wir für uns für eine Wiederholung der Veranstaltung erneut auf die Suche nach geeigneten Fördertöpfen begeben.

Das Vorhaben wurde durch den Perle-Fonds für Lehrinnovation aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01 PL17068 gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autor_innen.

Hinter die Kulissen schauen

Im Podcast „Was steckt dahinter?“ interviewt Studentin Liv Preßer Forschende sämtlicher Fachrichtungen. Im Gespräch mit Dozent_innen, Doktorand_innen und Studierenden wird den Themen, Methoden und der Atmosphäre der Fachdisziplinen auf den Grund gegangen.

 

Quelle: Liv Preßer

Text: Rebecca Such
(Studentin/PerLe)

Auf die Idee zum Projekt kam Liv durch ihr eigenes Studium der Geschichte und Europäischen Ethnologie: „Mir ist in meinem Studium oft aufgefallen, dass es sehr viele Vorurteile gibt in Bezug auf andere Fachbereiche“, erzählt sie. „Meiner Erfahrung nach kommen die am ehesten daher, dass man so wenig aus anderen Fächern weiß.“ Der Wunsch, mehr über Abläufe an anderen Instituten zu hören und ihre journalistischen Vorerfahrungen beim NDR ließen Liv schließlich einen eigenen Podcast starten: „Ich mag gerne dieses Interviewen und mit Leuten sprechen, da stand die Entscheidung für das Format schnell.“ Erklärtes Ziel ist es, dass sich das Publikum nebenbei „beim Kochen oder Baden“ über Forschung in anderen Disziplinen aufklären lassen kann. Zudem sind die Anfangsinvestitionen bei Podcasts eher gering. Bis auf 15 Euro Gebühr für den Vertreiber hat Liv momentan keine weiteren Kosten. Sie denkt aber bereits darüber nach, wie man die Tonqualität in Zukunft mit hochwertigerem Equipment verbessern könnte.

Jede der bis zu einer Dreiviertelstunde dauernden Podcastepisoden hat die Teildisziplin eines Faches zum Thema. In den drei bisher erschienen Folgen hat Liv Expert_innen aus der Biologischen Psychologie, Geschichte Osteuropas und Elektrotechnik mit Schwerpunkt Sensorik zu Gast. Für die Zukunft ist geplant, möglichst ausgeglichen natur-, sozial- und geisteswissenschaftliche Forschungen vorzustellen – momentan noch ausschließlich an der CAU Kiel, Spezialfolgen mit Wissenschaftler_innen anderer Universitäten sind aber in Planung. Durch die angenehme Talk-Atmosphäre und den Fokus auf verständliche Erklärungen für Laien, ist der Zugang zu den Themen niedrigschwellig. „Bis jetzt hatte ich immer sehr viel Glück mit meinen Interviewpartner_innen“, erzählt Liv. Mögliche Befürchtungen, dass die Expert_innen vom eigentlichen Gesprächsgegenstand abschweifen oder nur über ihre eigenen Projekte sprechen, haben sich nicht bestätigt.

Die fertig geschnittenen Episoden veröffentlicht Liv auf Spotify, Apple Music, Deezer und der Podcast-Seite Podigee. Feedback der Hörer_innen und Expert_innen wird laufend abgefragt und eingebaut: „Ich finde das schön und hilfreich, dass die Leute sich so viel Mühe geben“, so Liv.  Sie finde es wichtig, auf die Bedürfnisse und Wünsche des Publikums einzugehen.

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann „Was steckt dahinter?“ auf Instagram folgen oder z. B. bei Spotify in eine der Folgen reinhören. In der nächsten Episode soll die Islamwissenschaft im Mittelpunkt stehen, es bleibt also spannend.

Kommunikation in Zeiten der Pandemie

Eine der wichtigsten Komponenten bei der Arbeit als Tutor_in ist die Kommunikation. Insbesondere die Vermittlung zwischen Lehrenden und Studierenden spielt dabei eine große Rolle. Aufgrund der Corona-Pandemie gilt es jetzt, neue Kommunikationswege zu finden. Texttutorin Rike Hillrichs berichtet in Teil zwei unserer Serie zur studentischen Lehre im Coronasemester von ihren neuen Kommunikationserfahrungen.

Text: Rike Hillrichs (Tutorin)

Tipp: Die Handreichung Tutorien in virtuellen Räumen vom Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) liefert neben Anregungen für Videositzungen auch eine Auswahl hilfreicher Tools für die digitale studentische Lehre.

Die Kommunikation hat eine rein digitale Form angenommen. Spontane Gespräche sowohl mit Studierenden als auch mit Lehrenden in einer offenen Sprechstunde, nach dem Seminar oder auf dem Flur sind aktuell nicht möglich. In diesen vorher üblichen persönlichen Treffen herrschte eine offene und lockere Atmosphäre, und sie waren für alle Beteiligten entspannter und präziser, da Unsicherheiten mit Nachfragen einfacher aus der Welt zu schaffen waren. Zurzeit herrscht dagegen der E-Mail-Verkehr vor. Aufgrund der E-Mail-Flut, die auf alle einströmt, dauert die Beantwortung einer Frage deutlich länger als in den vorherigen Semestern. Wenn nun bei Unklarheiten noch einmal nachgefragt werden muss, kann sich der Kommunikationsprozess sehr lange hinziehen. Verabredungen zu Telefongesprächen oder Videokonferenzen sind hier ein Mittel, das Abhilfe schaffen kann und dem persönlichen Treffen etwas näherkommt.

Es gibt viele hilfreiche Programme wie beispielsweise BigBlueButton, OpenOlat mit seinen vielen Funktionen wie beispielsweise onlyoffice und dem Forum, AnswerGarden, Etherpad und Trello. Beim gekonnten Einsatz bringen solche Web-Tools einen großen Mehrwert  mit sich. Problematisch ist hierbei, dass durch das vielfältige Angebot keine Einheitlichkeit und Transparenz herrscht. Für jeden Kurs muss etwas anderes genutzt werden und es gehen durchaus auch Informationen zum Beispiel durch unübersichtliche Olat-Kurse verloren. Tutor_innen und Lehrende sollten also darauf achten, dass sie die jeweilige Vorgehensweise klar kommunizieren.

Die Methode des Peer-to-peer-Feedbacks, die wir in unseren Tutorien im Fach Geschichte nutzen, lebt vom direkten Kontakt zwischen Tutor_in und Studierenden. Aktuell ist es sehr schwer, diesen herzustellen. Häufig wird leider nicht direkt, sondern über die Lehrenden kommuniziert, da wir als Tutoren_innen meist keine E-Mail-Adressen aller Kursteilnehmenden oder Admin-Rechte für die Olat-Kurse besitzen. Zudem gehen in Mails oder Videokonferenzen die Ausstrahlung und Persönlichkeit des/der Tutors_in verloren, was insgesamt die Hemmschwelle für die Studierenden erhöht und dazu führt, dass sie unsere Hilfsangebote seltener wahrnehmen.

Teamintern hat die aktuelle Lage hingegen die Kommunikation verbessert. Zunächst gezwungenermaßen, da vorherige Absprachen überarbeitet und Angebote neu geschaffen werden mussten. Aber dann kam es auch durch eine große Bereitschaft und Spontanität des Tutor_innen-Teams zu häufigeren und außerordentlichen virtuellen Treffen. Als hilfreich haben sich hierbei insbesondere Kommunikationswege erwiesen, die ohnehin in den Alltag integriert sind, wie zum Beispiel via WhatsApp oder Telegram. Der Kommunikationsweg ist dadurch sehr kurz und der Austausch findet auf einer persönlicheren Ebene statt.

 

Dieser Blogbeitrag ist Teil einer kleinen Artikelserie zum Thema digitale Tutorien, In der Tutor_innen der CAU über ihre Erfahrungen mit der digitalen Lehre im Sommersemester 2020 berichten.

 

Weitere

„Ausprobieren ist das Gebot der Stunde“

Die Corona-Pandemie hat die Lehre auf den Kopf gestellt. Zwei der damit verbundenen Herausforderungen sind das Aktivieren und das Einbeziehen Studierender in digitalen Lehrveranstaltungen. Maria Woischwill blickt aus der Warte einer Tutorin auf die beiden Themen – und macht mit ihrem Blogartikel den Auftakt für unsere neue Serie rund um digitale studentische Lehre im Coronasemester.

Text: Maria Woischwill (Tutorin)

Auch als Tutor_in stößt man im Coronasemester auf ganz neue Hindernisse. Dadurch, dass die meisten Kurse und Tutorien zurzeit online stattfinden, ist die Anonymität in den Veranstaltungen größer. Manchmal schleicht sich das Gefühl ein, dass einige Studierende gar nicht richtig teilnehmen, da sie ohne Ton und Bild in Programmen wie Zoom, BigBlueButton oder Skype eingeloggt sind und man von ihnen nicht mehr als den Nutzernamen mitbekommt.

Hinzu kommt, dass das große Angebot an Online-Tools für die digitale Lehre Fluch und Segen zugleich ist: Es gibt für beinahe jedes Anliegen ein entsprechendes Tool – ob Umfragen, Quiz, Chats und Präsentationsseiten oder interaktive schwarze Bretter. Als Tutorin ist es gar nicht so einfach, da den Überblick zu behalten. Dazu gehört zum Beispiel auch, sich zu merken, welche Tools wie von welchen Lehrenden genutzt werden oder wie die Datenschutzbestimmungen der einzelnen Werkzeuge ausfallen. Die zahlreichen Anwendungen erschlagen einen manchmal allein aufgrund ihrer Masse und Vielfalt.

Allerdings zeigt sich für mich, dass Ausprobieren hier das Gebot der Stunde ist. Meistens bemerkt man dabei schnell, welche Tools einem persönlich zusagen. Als Tutorin versuche ich mich individuell auf die Studierenden einzulassen und immer wieder auf die ganze Bandbreite unserer Angebote aufmerksam zu machen – dazu gehören neben Recherche- und Texttutorien auch individuelle Beratungsangebote. Den Feedbacks der Teilnehmenden können meine Kolleg_innen und ich entnehmen, dass solche Angebote in isolierten Zeiten wie jetzt besonders fruchtbar sein können. Also heißt es für uns – im Grunde wie in jedem Semester – Neues ausprobieren und flexibel bleiben!

 

Mit diesem Blogbeitrag startet eine kleine Artikelserie zum Thema digitale Tutorien. In den kommenden Wochen werden Tutor_innen der CAU hier regelmäßig über ihre Erfahrungen mit der digitalen Lehre im Sommersemester 2020 berichten.

Darüber hinaus bietet die Handreichung Tutorien in virtuellen Räumen vom Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) Studierenden mit Lehraufgaben zielführende Hinweise für die Durchführung, Vor- und Nachbereitung gelungener Videositzungen und präsentiert eine Auswahl hilfreicher Tools.

 

Übrigens: Weitere Tipps rund ums Thema Aktivierung in digitalen Lehrveranstaltungen vermittelt dieses Methodenvideo:

Was macht Corona mit der Lehre?

„Können Sie mich hören? Haben das alle verstanden? Meine Kamera geht nicht.“ Kommt Ihnen das bekannt vor? Die universitäre Lehre hat sich aufgrund von COVID-19 stark verändert. In Zusammenarbeit mit den Lehrstühlen für Psychologie und für empirische Bildungsforschung der Universität Augsburg führt der Masterstudiengang „Interdisziplinäre Lehr-Lernforschung“ zurzeit eine Befragung durch, welche die Auswirkungen der Umstellung auf Online-Lehre auf das Erleben der Studierenden im aktuellen Online-Semester abbildet.

Text: Clara Kühar & Daria Olden
Studentinnen im Master Interdisziplinäre Lehr-Lernforschung
Universität Augsburg

 

Insbesondere stehen akademisches Erleben und Lernerfolg im Fokus der Studie, welche allen Studierenden in Deutschland offensteht. Ziel der Studie ist es, die Situation aus Sicht der Studierenden möglichst vielfältig abzubilden und somit fundierte Handlungsempfehlungen zu ermöglichen.

 

Helfen Sie mit, das akademische Erleben und den Lernerfolg von Studierenden in dieser Situation besser zu verstehen und gewinnen Sie einen von mindestens 5 Gutscheinen á 50€!

 

Hier geht’s zur Befragung: https://ww3.unipark.de/uc/emotiv2
Für Fragen stehen Clara Kühar & Daria Olden gern unter folgenden E-Mail-Adressen zur Verfügung: clara.kuehar@student.uni-augsburg.de, daria.olden@student.uni-augsburg.de.

Mediengestützte Praxis an der Apfelsine

Von der dermatologischen Ganzkörperuntersuchung über eine Probebiopsie bis hin zur subkutanen Naht illustrieren die Lehrfilme der Kieler Professorin Regine Gläser seit vergangenem Jahr vieles, was ihre Studierenden später im Beruf selbst einmal umsetzen sollen. Während des Thementags „Dermatologie hautnah“ am Wochenende hat Professorin Gläser mit ihrer Tutorin, Hiwi und Doktorandin Linda Wittbecker sowie zwei weiteren Dozentinnen aus dem Bereich der Psychosomatik und Allgemeinmedizin ihre Videoclips jetzt um spannende weitere Module ergänzt. Außerdem gab es beim Thementag innovative Praxiseinheiten an Zitrusfrüchten.

 

Der organisatorische Aufwand im Vorfeld der Veranstaltung sei riesig gewesen, gibt die Professorin zu Protokoll – auch weil die Rahmenbedingungen auf die aktuelle Corovid-19-Situation abgestimmt werden mussten und weil das Team der Kieler Dermatologin parallel bereits neue Lehrvideos dreht. „Aber das, was die 20 teilnehmenden Studierenden uns am Samstag schon zurückgemeldet haben und was dann auch nachhaltig wirken wird, ist es wert!“

 

 

 

Das „Toolkit Dermatologie”, das alle Teilnehmenden des Praxistags erhielten und behalten durften, war wie eine Backmischung gestaltet. Nur eine frische Apfelsine mussten die Studierenden selbst mitbringen – die Zitrusfrüchte sollten die Patientenhaut bei den kleinen operativen Eingriffen simulieren. Über die QR-Codes auf der „Rezeptkarte” können die Studierenden zuhause alle Lehrvideos anschauen, ihre Operatioskünste weiter verfeinern und auch entsprechende Eingriffe an Patient_innen im Film betrachten:

 

unterstützt durch die PerLe-Förderung für Kurzformate

 

Weiterführende Informationen …

 

KONTAKT
Prof. Dr. med. Regine Gläser 
Quincke-Forschungszentrum (QFZ) Haus U18 
Dermatologische Forschung 3. OG 
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein 
Campus Kiel 
Rosalind-Franklin-Straße 9 
D-24105 Kiel

Phone: +49.431.500.21175
EMail: rglaeser@dermatology.uni-kiel.de; regine.glaeser@uksh.de
Homepage: www.dermatology.uni-kiel.de