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Aktives Mitgestalten in Wirtschaft und Lehre

Weil Heiko Kolz niemanden fand, der ihm Fragen zur sozialen Ungerechtigkeit in der Wirtschaft beantworten konnte, ging er dem Thema einfach selbst auf den Grund. Herausgekommen sind zwei großartige Projekte: „Plurale Ökonomie“ und „Rock Your Life“. Was dahinter steckt und ob er Antworten auf seine Fragen gefunden hat, lesen Sie hier.

Interview: Ramona Dabringer (Studentin)

 

Was genau ist „Plurale Ökonomie“?

Heiko Kolz: Plurale Ökonomie, oder wie es hier bei uns in Kiel heißt, pluralist economics, beschäftigt sich mit all den Fragen, welche die Wirtschaft ansonsten nicht so stark thematisiert. Es geht um soziale Aspekte, Altruismus, feministische Ökonomie, ökologische Ökonomie… Wir wollen diese Ansätze mehr in die Köpfe der Menschen und vor allem mehr in die Lehre bringen.

 

Warum hast du dich für diese Themen entschieden? Was hat dir bisher gefehlt?

Heiko Kolz: In der Wirtschaft geht es  zu einem großen Teil lediglich um Nutzenmaximierung, alles wird in Euros aufgerechnet. Irgendwann fragte ich mich, wo der soziale Aspekt bleibt und wieso die Lehre nicht stärker darauf eingeht. Der Verein pluralist economics läuft jetzt endlich als offizielle Hochschulgruppe und über das Netzwerk Plurale Ökonomie versuchen wir, mehr von diesen sozialen Gedanken in die Lehre zu übertragen.

 

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Warum hast du die Gründung angeschoben? Was ist dein persönlicher Bezug?

Heiko Kolz: Ich kann in meinem bisherigen Lebenslauf auf vieles zurückblicken. Angefangen habe ich bei der Bundeswehr, machte dann eine Ausbildung zum Dachdecker und arbeitete auch 5 Jahre in diesem Beruf. Das war die Zeit, in der ich gemerkt habe, dass es nicht gerecht ist, dass ein Handwerker den ganzen Tag lang harte Arbeit verrichtet, Werte und Produkte schafft und mit 12 Euro in der Stunde nach Hause geht. Manager dagegen bekommen ein Vielfaches davon! Ich machte mir darüber Gedanken und befasste mich näher mit den Themen der Wirtschaft. Ich machte mein Abitur nach und studierte anschließend VWL in Kiel. Hier wollte ich eine Antwort auf meine Fragen finden.

 

Und, konntest du Antworten finden?

Heiko Kolz: Nicht so richtig. Die Lehre vermittelt in wirtschaftlichen Fächern viele Grundlagen, aber nicht wirklich die essentiellen Ideen. Nach meinem Bachelor weiß ich nun nicht mehr als vorher. Deswegen treten wir mit dem Verein jetzt selbst dafür ein, sprechen mit den Dozenten und bauen ein Netzwerk auf, das sich mit diesen konkreten Fragen beschäftigen kann. Der Ursprungsgedanke war es, ein kleines Weltwirtschaftsinstitut aufzubauen. Es soll zum Beispiel um Themen wie das Grundeinkommen gehen.

Meiner Meinung nach wird im Studium viel zu wenig Wert darauf gelegt, dass die Studenten sich ihre eigenen Ideale erarbeiten können. Es wäre eine tolle Sache, wenn die Klassiker, wie zum Beispiel Adam Smith, über die sonst immer nur gesprochen wird, selbst gelesen werden, damit jeder Student seine eigene Schlussfolgerung daraus ziehen kann.

 

Ist dieser Denkansatz neu?

Heiko Kolz: Nein. Es gibt schon viele gute Initiativen, auch in Kiel, die sich mit genau diesen Dingen beschäftigen. Leider wissen viele Studenten nichts davon und es wird auch sehr wenig dafür geworben. Auch hier muss sich etwas ändern. Denn wenn Studenten nach ihrem Studium selbst die Basis für das fehlt, was sie im Job vermitteln sollen: Wie sollen sie es dann erklären?

 

Rock Your Life ist das zweite Projekt, das du gerade in den Startlöchern stehen hast. Erkläre es doch kurz.

Heiko Kolz: Rock Your Life bringt Studierende mit Schülern zusammen, die aus sozial/wirtschaftlichen oder familiär benachteiligten Verhältnissen kommen: die Studierenden dürfen in eine Mentorenrolle schlüpfen und den Schüler 2 Jahre lang begleiten.

Es geht darum, Verbindungen zu schaffen, den Schülern Unterstützung zukommen zu lassen und allen Beteiligten etwas Positives mitzugeben. Es gibt Workshops und Seminare zu Themen wie Bewerbungen oder Zeitmanagement und auch mal eine Firmenführung. Jeder kann also etwas für sich daraus gewinnen. Wir sind gerade in der Gründungsphase und hoffen, dass RYL in Kiel genauso gut ankommt wie in anderen Städten, wo dieses Mentorenprogramm schon lange läuft!

 

Bei so vielen Projekten lernt man sicher viel: Welche beruflichen Kompetenzen und Fähigkeiten konntest du ausbilden?

Heiko Kolz: Ich habe mit jedem Projekt neue, spannende Aufgaben bekommen. Mal kamen andere auf mich zu, mal habe ich selbst die Gründung in die Hand genommen. Es ging um Projektgründung, um Ideensammlung, um Steuer-und Gewerbefragen. Wichtig ist es, einfach anzufangen. Es ändert sich nichts, wenn man darauf wartet, dass es von alleine geschieht.

Ich habe ein Netz im Kopf und versuche, die unterschiedlichen Bereiche, in denen ich tätig bin, zu verbinden und das große Ganze darin zu sehen. Es läuft einfach sehr viel über Kontakte und auch den Willen, etwas zu tun.

 

Gab es Stolpersteine, wie bist du damit umgegangen?

Heiko Kolz: Hindernisse oder Komplikationen haben sich nach und nach aufgetan aber genauso schnell auch wieder erledigt. Es gab immer Menschen, die ich mit der Zeit kennengelernt habe, die mir mit gewissen Probleme weiterhelfen konnten. Es entwickelt sich mit der Zeit ein großes Netzwerk, irgendjemanden kann ich immer um Hilfe bitten. Das ist ein gutes Gefühl, was mir sicherlich auch zukünftig weiterhelfen wird.

 

Was hat sich für dich persönlich und an der CAU aufgrund der Gründungen verändert?

Heiko Kolz: Der Weg ist geebnet für Themen wie Nachhaltigkeit und soziale Aspekte. Mit der Eintragung als Hochschulgruppe haben wir auch endlich den offiziellen „OK“-Stempel der Uni bekommen. Wir werden ernst genommen und auch das Thema selbst.

 

Welchen Wert bzw. Nutzen hatte deine Arbeit für PerLe/CAU?

Als ich beim Workshop zu Social Entrepreneurship mitmachte, lernte ich dort Frauke kennen (PerLe). Ich erzählte ihr von meiner Idee und sie war sofort begeistert. PerLe ist ein guter Ort, um seine Ideen auszugestalten. Frauke hat mir viel geholfen und mir Kontakte sowie Räumlichkeiten für Treffen vermittelt.

 

Deine praktischen Tipps zur Gründung einer Hochschulgruppe an der CAU?

Heiko Kolz: Einfach machen. Loslegen und der Rest ergibt sich häufig von selbst. Keine Angst haben, vor dem, was kommen kann.

Wenn es dann zur Gründung kommt, ist es wichtig, dass man sieben Personen hat, die man für eine Gründung braucht. Diese Sieben sollten auf jeden Fall motiviert sein, damit gleich der Anfang ein guter Start ist. Wichtig ist dann vor allem, dass die Aufgaben von Treffen zu Treffen klar verteilt werden und jeder die auf sich zugeschnittenen Aufgaben erhält. Dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen!

Vielen Dank für das Gespräch!

Bessere Jobs für eine bessere Welt

In Kooperation mit dem Berliner Sozialunternehmen THE CHANGER veranstaltete das Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen - PerLe am 14. Juli den Workshop „Bessere Jobs für eine bessere Welt“ im Impuls Coworking Space an der CAU. Ziel des Workshops war es, Austausch und Reflexion zur „Karriere mit Sinn“ anzuregen und Einblicke in die vielfältigen Jobmöglichkeiten im sozial-ökologischen Bereich zu vermitteln.

 

Gruppenarbeit im Workshop Bessere Jobs in einer besseren Welt_kl

von Dominique Just
(Master Studium „
Society, Sustainability and the Environment“)

 

Als externe Referentin leitete Anja Bauer von THE CHANGER den Workshop „Bessere Jobs für eine bessere Welt“. Aufbauend auf ihrem Studium „Management Sozialer Innovationen“ (BA) und vielfältigen Erfahrungen aus der Arbeit mit sozial-nachhaltigen Startups hat Anja 2015 für THE CHANGER die Broschüre „Karriere mit Sinn“ redaktionell ausgearbeitet. Die Broschüre richtet sich an alle, die gern einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Welt leisten wollen und bietet Ansatzpunkte und Tipps zur Berufsorientierung.

Der Einstieg in den Workshop erfolgte über Aufstellungen der Teilnehmenden im Raum. Wir positionierten uns auf einer gedachten Linie zu Fragen nach dem Stand unserer Berufsorientierung. Einige wissen bereits, in welchem Themenfeld sie nach dem Studium tätig werden wollen. Die Wunscharbeitsbereiche waren breit gefächert – von politischer Bildungsarbeit bis hin zum Klimaschutz. Einige Teilnehmer_innen standen mit ihrer Berufsorientierung noch am Anfang. Sie hatten den Workshop vor allem gewählt, um sich Anregungen zu holen. Nach den Aufstellungen warfen wir mittels eines Videos einen Blick auf Frederic Laloux‘ Organisationstypologie, welche um die Entwicklung von zukunftsträchtigen Unternehmensformen mit gesellschaftlichem Mehrwert kreist. Eine Gruppenarbeitsphase ermöglichte im weiteren Verlauf des Workshops die Auseinandersetzung mit realen Changemaker-Beispielen sowie einen Austausch über Arbeitsformen und Projekte, die „Gutes“ in die Welt bringen wollen. Das war für mich vor allem deshalb sehr motivierend, weil deutlich wurde, wie viel gesellschaftliches Engagement allein schon im Kreis der Workshopteilnehmenden an den Tag gelegt wird.

Besonders wertvoll war aus meiner Perspektive die anschließende individuelle Annäherung an die eigene Jobwunschliste. Wir haben uns damit auseinandergesetzt, in welchen Themenfeldern und Aufgabenbereichen wir arbeiten möchten, aber auch wie unser ideales Arbeitsumfeld aussehen sollte. Außerdem identifizierten wir unsere ganz eigenen inneren Motive, die bei der Jobsuche relevant werden.

 

Einzelarbeit im Workshop Bessere Jobs in einer besseren Welt_kl

 

Hier ein paar Stimmen zum Workshop:

Jana, Studentin im Masterstudiengang Sustainability hat in dem Workshop viel für ihre berufliche Orientierung mitgenommen: „Mich hat es inspiriert, mir selbst zu überlegen, was ich von meinem zukünftigen Job erwarte und welche inneren Stimmen mich bei der Suche beeinflussen. Der Workshop hat mich motiviert, weiterhin Neues auszuprobieren und offen für innovative Ideen zu bleiben.“

Susanne, ebenfalls Sustainability-Studentin zog auch ein positives Fazit: „Anja von THE CHANGER hat die Inhalte authentisch und lebendig vermittelt und mich für die zukünftige Jobsuche motiviert. Den Karriereguide werde ich mit Sicherheit noch gut nutzen können.“

Aus Sicht der Workshop-Organisation freute sich Mark Müller-Geers (Projektmitarbeiter bei PerLe für BNE) sehr über das große Interesse an dem Workshop: „Obwohl wir das Angebot eher in einem kleinen Kreis beworben haben, sind sehr schnell mehr Anfragen eingegangen, als Plätze zur Verfügung standen. Der Bedarf an Orientierungsangeboten zu sinnstiftenden beruflichen Perspektiven wird immer wieder deutlich.“

Transition Universities – CAU im Wandel?

Franziska Müller hat in ihrer Masterarbeit zum Thema „Transition Universities“ geforscht. Eines ihrer Arbeitsergebnisse: ein Thesenpapier, das zusammenfasst, wie die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel nachhaltiger werden könnte. In einer Diskussionsveranstaltung im Sommersemester 2015 haben Studierende und Lehrende die Thesen der Absolventin gemeinsam erörtert. Teilnehmerin Irene Müller fasst die wesentlichen Punkte zusammen.

EXTRAKT: ZENTRALE THESEN

Nachhaltigkeit in der Lehre

  1. Workshops/Lehrveranstaltung zum Energieberater anbieten: Studierende als Energieberater zertifizieren, d.h. die Basisausbildung würde die Teilnehmer befähigen bei einem Hausbesuch in interessierten studentischen WGs zu ermitteln, welche Maßnahmen die Bewohner zum Energiesparen umsetzen könnten.
  2. Vermittlung praktischer Fähigkeiten – Reskilling Workshops: Imkern, Sparziergänge zum Thema „Essbare Wildpflanzen“ (inkl. Strand), Heilkräuter und Medizinpflanzen, Kompostierung, Fahrrad Workshops, Permakultur Workshops, Gärtnern etc. Aufbau eines Permakultur Gartens z.B. Kooperation mit dem Botanischen Garten (→ Göttingen).
  3. Lehrveranstaltung Zukunftsvisionen: Lehrveranstaltung zum Thema “Future Visions 2050”: Wie wollen wir leben? Wie wird die Deutschland/die Welt in 2050 aussehen? (s. Angewandte Utopien Nachhaltiger Entwicklung); Veröffentlichung der Ideen im Albrecht oder Kieler Nachrichten

Nachhaltigkeit in der Verwaltung

  1. Erhebung des Zustandes in allen Universitätsgebäuden: Wasser und Energieverbrauch, Müll; Studierende an der Durchführung beteiligen. Auswertung: Wo sind Einsparpotenziale?
  2. Ein „Engagement-Team“ nach dem Vorbild der Universität Edinburgh zusammenstellen, dass von Büro zu Büro geht und zusammen mit den Mitarbeitern Energiesparlampen, Steckdosenleisten mit On/Off Funktion etc. anbringt. Ansprechpartner in allen Instituten wählen/benennen, die die Umsetzung nachhaltigerer Verhaltensweisen unterstützen und Neuerungen an die Mitarbeiter kommunizieren. Erfolge und Misserfolge des Nachhaltigkeitsmanagements regelmäßig allen Unimitarbeitern mitteilen (interner Newsletter, Meetings, Blogs)
  3. Von anderen lernen: Bei Bedarf externe Expertise heranziehen, z.B. Umweltpsychologen, Prozessberatung für Change Management etc.. Austausch: Von erfolgreichen Initiativen anderer Universitäten oder Unternehmen lernen.

Kultur der Nachhaltigkeit

  1. Zum 350. Geburtstag der Universität 350 Bäume pflanzen. Für größtmöglichen Mehrwert Frucht- oder Nussbäume pflanzen. Verantwortlichkeiten für die Pflege der Bäume und die Ernte klären.
  2. Einführungswoche, Markt der Möglichkeiten, Sommerfest 1x jährlich veranstalten. Gibt interessierten Studierenden die Möglichkeit einen Überblick zu gewinnen bislang unbekannte Gruppen zu engagieren. Auch nachhaltiges und faires Reisen kann in diesem Rahmen behandelt werden. Kunst- oder Fotoausstellungen für Uni und für die Stadt, zB. zusammen mit der Muthesius-Hochschule. Alle Aktionstage, Veranstaltungen und Ausstellungen sollten Möglichkeiten zum Mitmachen
  3. Wortwahl: Die Wörter Grün und Nachhaltigkeit nicht überstrapazieren. Trotz Interesses, an den damit verbundenen Thematiken, sind viele dieser Begrifflichkeiten bereits überdrüssig.

 

Anknüpfend an diese Thesen haben wir in der Diskussionsveranstaltung im Sommersemester mit Studierenden und Lehrenden insbesondere zwei Themenkomplexe diskutiert: die Bereiche Projekte & Kultur.

1. Projekte: Institutionen schaffen oder Projekte (endliche) Projekte sein lassen?

Viele Projekte an der CAU Kiel gehen vom yooweedoo-Wettbewerb aus – einer Initiative, die es geschafft hat, Zeit und Geld für Nachhaltigkeitsprojekte freizumachen. yooweedoo ist ein Gründerwettbewerb, bei dem sozial-ökologische Ideen mit bis zu 1000€ Startkapital gefördert werden können. In einigen Studiengängen werden solche Projekte mit ECTS-Punkten anerkannt – aber nicht in allen. Hier ist schon ein erster Ansatzpunkt.

Ein weiterer: Die Struktur von yooweedoo sieht es vor, neue Projekte zu entwickeln, die ein „innovatives Element“ beinhalten. Das ermöglicht, zu lernen, wie man neue, spannende Projekte aufbauen kann. Diese Lernerfahrung ist offiziell das Ziel von yooweedoo. Das hat dazu geführt, dass es mittlerweile eine bunte Vielfalt an Projekten gibt. Die Kehrseite ist allerdings, dass gute, bestehende Ideen und Projekte weniger aufgegriffen werden (können, qua Förderbestimmungen). Gute bestehende Projekte leiden unter Umständen daran, dass weniger neue, engagierte Leute einsteigen, und gehen irgendwann kaputt. Verstetigung ist sowieso im Erasmus geprägten Bachelor-Master-System schwierig. (Ein ähnliches Phänomen gibt es ja auch sonst im Unibetrieb: Forschungsprojekte werden meist nur für ein paar Jahre genehmigt, stellen für 1-3 Jahre ausgeschrieben – auch von dieser Seite ist Kontinuität schwierig.)

Vielleicht ist das nicht schlimm – vielleicht geht es genau um die abgeschlossene Lernerfahrung, ein Projekt aufzubauen und zum Laufen zu bringen. Die Selbstverständlichkeit, dass man „Dinge starten“ kann. Dann brauchen wir aber eine Kultur des wertschätzenden „Endes“, damit nicht jedes Ende eines Projekts nicht als Scheitern begriffen wird. Sonst bleibt vor allem Frustration übrig. Und selbst Scheitern muss erlaubt sein!

Einen gewissen Widerspruch gibt es vielleicht dennoch bei yooweedoo zwischen dem Anspruch in der Planungsphase (innovative, soziale, ökologische Projekte mit nachhaltigem Effekt zu entwickeln, die sich wirtschaftlich tragen) und der Idee, nur eine abgeschlossene Lernerfahrung zu sein.

Auch hier kam eine Erwiderung: Aber wenn Projekte verschwinden, waren sie vielleicht einfach nicht nachhaltig geplant! Dann waren sie vielleicht nur gut für den Moment – und das ist auch ok – und nicht für die Ewigkeit!

Hierzu kam die Idee: Projekte verstetigen braucht andere Fähigkeiten, als Projekte zu starten. Eine Schwierigkeit ist, im Projekt ein Gemeinschaftsgefühl aufzubauen, und gleichzeitig eine Offenheit zu bewahren, dass neue Leute auch Lust haben, einzusteigen. Könnte man dies im yooweedoo-Curriculum berücksichtigen? Könnte man im yooweedoo-Curriculum stärker erlauben, in bestehende Projekte einzusteigen und alte Ideen aufzugreifen? Es gibt nämlich mittlerweile schon eine ganz schöne Menge!

2. Kultur: Es gibt schon total viel – Wie kann eine Kultur der Nachhaltigkeit an der CAU geschaffen werden?

Mit Blick auf die vielen verschiedenen Ideen von Franziska Müller haben wir festgestellt: im Grunde gibt es zu fast allen Vorschlägen schon Ansätze. Dennoch erfahren viele Studis erst spät davon. Vielleicht könnte man von Seiten der Uni so etwas wie „Fresher’s Weeks“ einführen? „Fresher’s Weeks“ sind eine Art „Einführungswochen“ für die Erstsemester an britischen Unis, in denen die jeweilige Uni sich selbst und alle Projekte und Angebote vorstellt.

Allerdings könnte es passieren, dass manche Studis das Gefühl bekommen, dass es schon total viel gibt, und dass man nichts mehr zu machen braucht. Und manch eine_n überfordert die Fülle vielleicht auch, auf beiden Seiten: Die Projekte könnten überfordert sein mit so vielen Studis, denen sie sich vorstellen sollen. Die Studis könnten überfordert sein von so vielen Projekten. Es könnte schwer sein, in „Massenveranstaltungen“ den persönlichen Kontakt herzustellen, der nötig ist, damit Leute Lust haben mitzumachen.

Ein anderer Weg, Überblick zu schaffen, ist die neue Webseite „campusAKTIV“. Sie soll helfen, tolle Uniprojekte zu finden. Eine schöne Idee, besonders, wenn ein Link prominent auf der Uni-Webseite plaziert wird. Eine kleine Einschränkung gab es dennoch: Die Macher der Seite sollten aber bedenken, dass sie nicht die ersten sind, die Überblick schaffen wollen. Wer googelt, der findet! Es wäre schade, wenn auch CampusAktiv irgendwann einfach brachfällt, wie „die lernende Stadt“. Vielleicht auch den Kontakt zu bestehenden Seiten wie „Was geht in Kiel“ pflegen?

Ein junger Mann aus Flensburg sorgte sich, dass mit freiwilligen Veranstaltungen nur Leute erreicht werden, die sich sowieso schon mit Nachhaltigkeit beschäftigen. Eine Idee war, zum Beispiel Nachhaltigkeitsthemen im Lehrplan zu verankern, zum Beispiel wie in Edinburgh als Kurs „Carbon Conversations“.

Weitere Ideen: verpflichtende Lehrveranstaltungen, Energieberater-Zertifikat, Projekt-Möglichkeiten. Jedenfalls müssten Nachhaltigkeitsthemen von der Uni aus mit Credits versehen sein, sodass Leute nicht daran vorbeikommen.

Ein anderer Ansatz betraf den Rahmen, in dem wir handeln, sowohl physisch als auch inhaltlich: Vielleicht darf man nicht zögerlich sein, und sollte Strukturen verändern – kann man etwas massiv umbauen? Die Uni, den Lehrplan? Manchmal hilft „Think big“ ja weiter, manchmal finden sich für große Projekte eher Investoren als für kleine!

Eine weitere Idee war: Vielleicht muss man ja nicht alle dazu bringen, Ökos zu werden. Um eine nachhaltiger zu werden, reicht es, ca. 30% zu erreichen, eine nachhaltige Kultur zu schaffen. An der CAU gibt es schon viele, versprengte Projekte – Wie könnte Gemeinschaftsgefühl an der CAU geschaffen werden? … Man müsste die Gemeinschaft mehr „sichtbar machen“. – Wir fanden die Idee spannend, an kulturellen Faktoren anzuknüpfen. Hat die CAU eine Identität? Worin besteht diese? Vielleicht in der Meeresverbundenheit? Kann man daran im Bereich Nachhaltigkeit anknüpfen? „Nachhaltigkeits-Uni CAU“ – Wer hier einen Abschluss gemacht hat, hat mindestens 30 Credits zu Nachhaltigkeitsthemen belegt? Das erfordert natürlich eine starke Positionierung der Unileitung und der Institute.

Sichtbar machen!

Unser Fazit: Potential und Leute sind da. Über Franziskas Vorschläge nachzudenken, ist produktiv und lohnt sich. Manche Initiativen sind froh über Möglichkeiten zum Austausch wie diese. Es ist wichtig, Projekte zu bündeln und sichtbar zu machen!

  • Mehr zum Forschungsprojekt „Transition Universities“ können Sie hier lesen.

 

Text:  Irene Müller
Master „Society, Sustainability and the Environment“ an der CAU

Indo-Summer School 2015

Gaststudent_innen aus ganz Indien lernen im Rahmen der indisch-deutschen Summer School in einem zweiwöchigen Kurs an der Christian-Albrechts-Universität etwas über Wassermanagement in ländlichen Gegenden. Die Kieler Studentin Katrin Burmeister hat sich mit deutschen und indischen Teilnehmer_innen über ihre gemeinsamen Lernerfahrungen unterhalten. Worin unterscheiden sich die Lernkulturen an deutschen und indischen Hochschulen? Was irritiert, was macht besonders viel Spaß?

 Text: Katrin Burmeister

Arpita Nenra, 23 (links) und Sukanya S., 26

Arpita, 23 (links) und Sukanya, 26

Die 23-jährige Arpita ist bereits im Masterprogramm of science in Environmental Economics an der Uni in Chennai und Sukanya (26) arbeitet bereits fleißig an ihrem Dorktor (Ph.D.) für den Bereich der Environmental Sciences an der Uni in Kesala. Die beiden finden, dass der Unterricht in Deutschland relaxter, organisierter und trotzdem spontan ablaufe. „In Indien herrscht einfach mehr Stress und der Druck ist enorm“, berichten sie.

Zu Hause verbringen die beiden Studentinnen von Montag bis Freitag täglich elf Stunden in der Universität, auch an jedem zweiten Samstag im Monat findet zwischen 8:00 und 19:00 Uhr Hochschulunterricht für sie statt. Der Stundenplan ist strikt, Freizeit gibt es wenig. Und wenn doch einmal etwas Luft bleibt, nutzen die indischen Student_innen die Zeit, um die große Stoffmenge, die sie im Rahmen ihres Studiums auswendig lernen müssen, zu bewältigen.

Weniger auswendig lernen – mehr Praxis

Besonders gut finden sie am Unterricht in Deutschland den ausgewogenen Mix aus Frontalunterricht und Gruppenarbeit. „In Indien geht es haupsächlich darum, vieles rasch auswendig zu lernen, während in Deutschland mehr Wert auf die Praxis gelegt wird.“ Bei dem Workload ist es nicht verwunderlich, dass die meisten indischen Student_innen in ihrer Heimat keinen Nebenjob haben und noch im Elternhaus leben oder finanziert durch ein Stipendium in einem Studentenwohnheim unterkommen können.

„Die zwei Wochen in Deutschland sind wie Urlaub. Es gibt immer noch genug Zeit neben der Uni in den Park oder an der Strand zu gehen“, sind sich Arpita und Sukanya einig.

Diskutierfreudig, wissbegierig, strebsam

Auch Masterstudent_innen der CAU nehmen an dem Austausch teil, so auch Markus, der im letzten Jahr fünf Wochen in Indien war und dort eine Winter School besuchte.

Markus, 27

Markus, 27

Markus studiert Umweltingenieurwesen. In Iniden lernte er die indischen Kommiliton_innen als diskutierfreudige und wissbegirige Mitmenschen kennen. Es herrsche dort aber eindeutig mehr Ellenbogenmentalität als in Deutschland – vor allem an der Uni, findet er.

Gleichzeitig, sagt Markus, seien aber die indischen Student_innen im Kieler Kurs sehr aufgeschlossen und kontaktfreudig. „Man geht auch mal zusammen in den Park und trinkt ein Bier zum Feierabend.“

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