Licht, Kamera, Action!

Studierende entwickeln & produzieren eigene Webserien

Dokumentationen, Krimis und ein Kammerspiel – in ihrem Praxismodul haben 22 Studierende der Medienwissenschaft eigene Webserien entwickelt. Dabei stemmten die Projektteams alles selbst, angefangen von der Konzeption über Drehbuch, Regie, Kameraführung und Schauspielerei bis hin zu Post-Produktion und Marketing. Ein willkommener Einblick in die Praxis für die Teilnehmenden.

Dieses Projekt wurde durch den PerLe-Fonds für Lehrinnovation gefördert.

Text: Rebecca Such
(Studentin/PerLe)

Ein Mittwochabend im April: Der Kassenbereich des Kommunalen Kino (KoKi) in der Pumpe ist gut gefüllt. Wer nicht vorher reserviert hat, bekommt nur noch schwer eine Karte. In den vergangenen zwei Semestern haben Studierende der Medienwissenschaft eigene Webserien entwickelt und umgesetzt; an drei Abenden präsentieren sie nun ihre Ergebnisse im KoKi. Entstanden sind fünf inhaltlich und stilistisch sehr unterschiedlich gestaltete Serien, für die sich die Studierenden zusätzlich auch Social Media-Konzepte für verschiedene Plattformen überlegt haben. 

Professor Markus Kuhn leitet unter anderem die Projektseminare, die fester Bestandteil des Masterstudiengangs „Medienwissenschaft: Film und Fernsehen“ sind, und in denen dieses Jahr die Webserien im Vordergrund standen. Die Entscheidung für das Format lag nahe: Kuhn ist Experte auf dem Gebiet, Webserien bieten zudem viele kreative Freiheiten und dank Plattformen wie YouTube direkten Kontakt zum Publikum.

Workshops halfen beim Know-how und der Umsetzung

Für die Studierenden bietet das Projektseminar eine praktische Abwechslung. „Es ist spannend, selbst einmal etwas auf die Beine zu stellen,” erzählt Claas Ogorek. Gerade weil im Fach im Übrigen sehr theoretisch gearbeitet wird. Im ersten Teil der zweisemestrigen Veranstaltung gestaltete Kuhn das Seminar konventionell mit Gruppenarbeiten und Präsentationen. Um das praktische Handwerk zu lernen, wurden mithilfe der finanziellen Unterstützung durch den PerLe-Fonds für Lehrinnovation Referent_innen eingeladen. Workshops gab es unter anderem zu den Themen Trailerproduktion, Schnitt und Onlinemarketing. Sina Göing, Anneke Schewe und Maje Heuer vom Webserien-Projekt „Steinkalt” fanden die Workshops eine gute Ergänzung. „Ich fand den Drehbuch-Workshop sehr hilfreich,” erzählt Anneke. „Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch ein sehr grobes Konzept und Inka Fromme hat uns dabei geholfen, die Charaktere noch klarer zu zeichnen.” „Im Film wird vieles schon durch die Bilder so deutlich, dass man das gar nicht mehr in den Dialog schreiben muss,” ergänzt Maje. „Man muss es schaffen, einen Dialog zu schreiben, der stimmig ist, nicht zu plakativ und die Handlung voranbringt.”

Anneke und Sina besprechen die nächste Szene (Quelle: Sina Göing)

 

Wie es zu den einzelnen Webserien kam

Durch die Gruppenarbeit lernten sich die Studierenden untereinander besser kennen und einschätzen, mit wem es sich gut arbeiten lässt. Die Ideen zu den Inhalten der Webserien kamen von den Studierenden, die alle ein Exposé einreichten. Der Impuls zur Webserie „Now You Hear It, Kiel” kam von Claas. Zusammen mit fünf weiteren Studierenden hat er eine Dokumentationsreihe auf die Beine gestellt, in der Kieler Bands, Einzelkünstler_innen und Veranstalter_innen interviewt werden. „Ich mache auch privat Musik und wollte gerne etwas dokumentarisch umsetzen,” begründet Claas die Entscheidung. Die Idee zu „Steinkalt” entstand aus den Konzepten von Anneke und Sina. Für die beiden war von Anfang an klar, dass sie eine Mystery-Handlung für ihre Webserie und ein weibliches Cast in den Vordergrund stellen wollten. In „Steinkalt” treffen sich vier alte Schulfreundinnen wieder. Ihre gemeinsame Vorgeschichte lässt alte Wunden und Geheimnisse wieder aufbrechen.

Für eine reibungslose Umsetzung hat sich gute Planung im Voraus bewährt. Als die „Steinkalt”-Gruppe zu ihren zwei Drehwochenenden nach Fehmarn aufbrach, waren die Aufgaben bereits klar verteilt: Die Shotliste und das Storyboard standen, alle Fahrten auf der Insel waren organisiert und der Wetterbericht war auf die Szenen abgestimmt. Die Grenzen zwischen Seminarleistung und Freizeit verschwammen auch bei „Now You Hear It, Kiel”: „Der (Zeit-)Aufwand für das Projekt war immens,” berichtet Claas. Aufgrund der fehlenden Vorerfahrung dauerte die Vor- und Nachbereitung besonders lang.

 

Mitten in Kiel: Das Team der Webserie „Krüger & Hardt“ beim Dreh an der Förde (Quelle: Silke Feyerabend)

 

Praxismodul als willkommene Abwechslung

Dass es überhapt ein Praxismodul im sonst theoretisch angelegten Masterstudiengang Medienwissenschaft gibt, finden die Studierenden klasse. Wir hätten sonst nur in den Semesterferien die Möglichkeit, Praktika zu machen und uns auszuprobieren,” erzählt Sina. Gerade deswegen findet sie jede Möglichkeit, die sich im Studium bietet und integriert ist, essentiell.

Der Einsatz der Studierenden hat sich gelohnt: „Es ist alles sehr gut gelaufen,” freut sich Markus Kuhn. „Stolz durfte ich die Premieren der Webserien erleben. Die Opening Night im Kino in der Pumpe war eine sehr tolle Erfahrung.” Die fertigen Webserien der Studierenden sind auf YouTube zugänglich und über die Homepage der Medienwissenschaft zu finden. Ob es noch weitere Folgen von einzelnen Webserien geben wird? „Wir haben insgesamt Material für drei bis vier Folgen auf der hohen Kante und selbst dann ist die Kieler Musikszene noch nicht erschöpft,” so Claas. Vielleicht darf sich das Publikum also auch in Zukunft auf mehr Folgen der angehenden Medienwissenschaftler_innen freuen.

 

Weitere Infos zu den Projekten:

  • Informationen zu allen fünf Projekten gibt es auf der Homepage der Medienwissenschaft. Dort finden sich auch Links zu den Social Media-Kanälen der Webserien.

 

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