Blended Learning in der Archäoinformatik

Tutorials ermöglichen Studierenden tiefere Einblicke in die Teildisziplin

Die Archäoinformatik ist ein weites Feld, sodass eine Vielzahl an Themen in der Lehre nicht abgedeckt werden kann. Um Studierenden dennoch einen Zugang zu ermöglichen, hat PD Dr. Oliver Nakoinz Tutorials für Lehre und Selbststudium entwickelt.

Text: Rebecca Such (Studentin/PerLe)

Quelle: Michael Bilger

Geht es um Archäologie, stellen sich Fachfremde häufig Ausgrabungsstätten in fernen Ländern und Artefakte längst vergangener Zeiten vor – von quantitativer Archäologie und Archäoinformatik dürften nur wenige Nicht-Archäologen bisher gehört haben. In diesen beiden Bereichen werden computergestützte Methoden für die Archäologie entwickelt, Simulationen durchgeführt sowie Datenbanken z. B. für Ausgrabungsfunde programmiert. „Die quantitative Archäologie ist eigentlich ein sehr weites Feld, das wir in der Lehre so nicht abdecken können“, erklärt PD Dr. Oliver Nakoinz, Mitarbeiter am Institut der Ur- und Frühgeschichte an der CAU im Bereich Archäoinformatik. Die Tutorials kamen als Methode gelegen, da sie Vorteile für Lehrende wie Studierende bieten. „Lehrende können die Tutorials als Teil des Kursmaterials zur Verfügung stellen, beliebig kombinieren und anstatt klassischer Formate wie Präsentationen nutzen“, so Nakoinz. Gibt es Studierende, die für Haus- und Abschlussarbeiten spezifische Methodenkenntnisse, z. B. zu Netzwerkanalysen, benötigen, können Tutorials ein hilfreiches Werkzeug für das Selbststudium sein.

Der Weg zum ersten fertigen Tutorial gestaltete sich experimentell: Zuerst wurde ein Prototyp programmiert, der sich durch studentisches Feedback laufend in der Weiterentwicklung befand. Da der technische Aufbau der Tutorials im Großen und Ganzen derselbe ist, müssten künftig nur die Inhalte ausgetauscht und angepasst werden. „Wir wollten die Tutorials gerne relativ standardisiert haben, damit der Wiedererkennungswert in puncto Aufgabenstellung und Kommunikation hoch ist“, ergänzt Michael Bilger, der ebenfalls Teil des Projektteams ist. Das studentische Feedback und die Zusammenarbeit mit einem Graphiker stellten sich als essentiell heraus: „Die Studierenden wollten z. B. Übungsaufgaben mit Lösungen, die wir im Nachhinein noch eingefügt haben. Beim Layout haben wir darauf geachtet, dass wichtige Aspekte sofort ins Auge fallen und der Aufbau der Oberfläche stimmt“, so Bilger.

Quelle: Michael Bilger

Quelle: Michael Bilger

Quelle: Michael Bilger

Zum Wintersemester 2019/20 sind drei erste Tutorials fertiggestellt und können in die Lehre eingebaut werden. Parallel zu dieser Testphase läuft ein Evaluationskonzept. Oliver Nakoinz sieht in Tutorials und Blended Learning großes Potential und plant, seine eigenen Lehrinhalte künftig so weit wie möglich in Tutorials zu überführen: „So etwas wie Blended Learning haben wir in der Archäologie bisher noch nie gehabt, obwohl es natürlich ganz erhebliche Vorteile bietet. Man kann wesentlich ernsthafter an seinen Projekten arbeiten.“ Internetbasierte Formate dieser Art aus anderen Bereichen der Archäologie, sowohl an der CAU als auch anderen Universitäten, sind ihm momentan nicht bekannt. Bisher hat Oliver Nakoinz keine Nachfragen von Kolleg_innen aus anderen Fachbereichen erhalten, hofft aber, dass es so kommen wird: „Der Blick über den Tellerrand ist ja für beide Seiten nützlich. Ich arbeite darauf hin.“

Aus Oliver Nakoinz‘ bisheriger Arbeit lassen sich einige Tipps für Lehrende ableiten, die Tutorials gerne in ihre Veranstaltungen einbauen möchten:

  • Tutorials sollten so minimalistisch wie möglich aufgebaut werden – es gilt, nur so viele sinnvolle Informationen wie nötig zu integrieren.
  • Kompatibilität mit allen Browsern ist wichtig für eine reibungslose Umsetzung.
  • Die Zielgruppe sollte immer im Blick behalten werden. So kann es z. B. sein, dass Tutorials für verschiedene Kompetenzniveaus benötigt werden.
  • Nicht alle Inhalte eignen sich für Tutorials. Sehr komplexe und umfangreiche Forschungsgebiete sowie reale Forschungsszenarien sind fast nicht umsetzbar.
  • Tutorials dürfen nicht zu lang dauern, sodass Studierende unkonzentriert werden und/oder die Bearbeitung abbrechen.
  • Mögliche Inhalte sind anfangs nachrangig – ein solides Konzept „ist bereits die halbe Miete“.

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