Umgang mit Heterogenität in der Lehre

Workshop – Tag der Lehre 2018

 

Es gibt verschiedene Gründe, warum mich das Thema interessiert. Die immer noch zu verzeichnenden großen Chancenunterschiede in verschiedenen Bevölkerungsgruppen machen einen anderen Umgang mit Schülerinnen und Schülern notwendig. Als Kulturwissenschaftlerin sowie ausgebildeter Coach habe ich gelernt, dass implizite Normen wirkungsmächtig, aber auch relativ sind. Als Hochschuldidaktikerin sehe ich im Thema Heterogenität ein sehr vielversprechendes Instrument, mit dem Lehrende eine andere Perspektive auf Studierende gewinnen und frustrierende Momente reduzieren können.

Dr. Ina Mittelstädt, Universität Koblenz-Landau
(Workshopreferentin)

Workshopthema

Ein vorausschauender Umgang mit Heterogenität in der Lehre ermöglicht es, die individuellen Bedarfe der Studierenden zu berücksichtigen und die Chancen, die Diversität bietet, zu nutzen.
In diesem Workshop lernen die Teilnehmenden eine Sichtweise auf Heterogenität und damit auch auf Studierende kennen, die ihnen hilft, mehr Studierende zu einem Lernerfolg zu führen – ohne größeren Mehraufwand. Diskutiert und reflektiert wird, wie der Umgang mit Heterogenität in der eigenen Lehre aussehen kann.

Zugang

Das Thema Heterogenität hat viele Bedeutungen. Meist wird es mit Diskriminierung oder Benachteiligung assoziiert; in Bezug auf Hochschulen kommt es oft angesichts konstant hoher Studienabbrecherzahlen und Fachkräftemangel in den Blick: Hochschulen tun nicht genug, so der oft geäußerte Vorwurf, um auch nicht-traditionellen Studierenden einen Studienabschluss zu ermöglichen. Die Pädagogik empfiehlt dagegen, in Heterogenität eine Chance und Bereicherung zu sehen. Lehrende sehen aber häufig eher das Problem, dass viele Studierende nicht mitkommen, desinteressiert und unmotiviert sind, sehen also vor allem Leistungsheterogenität. Der Workshop thematisiert deshalb zunächst, ob und wie diese Interpretationen von Heterogenität zusammenhängen – und macht sichtbar, welche Normalität es eigentlich ist, von der sich Studierende unterscheiden können. Er zeigt exemplarisch, wie ‚schlechte‘ Studierende häufig nicht per se schlecht sind, sondern – oft unbewusst – durch verschiedene Umstände dazu gemacht werden. Schließlich eröffnet er eine Sichtweise, die solche versehentlichen Benachteiligungen verhindern und es allen Studierenden leichter machen kann, engagiert und motiviert zu sein. Der Workshop bietet dazu Raum für Reflexion, Diskussion, Erfahrungsaustausch und neue Ideen.

Heiße Eisen

Aspekte, die im Zusammenhang mit dem Workshopthema besonders kontrovers diskutiert werden: „Sind“ Studierende gut oder schlecht – oder was macht sie dazu? – „Ich diskriminiere doch nicht“ – genügt das? – Bedürfnisse beim Lernen erfüllen: Warum das etwas anderes ist als „Pampern“.

Highlights

Besonders spannend ist, dass es sich um ein komplexes und herausforderndes Thema handelt, bei dem es keine einfachen Lösungen gibt – durch das man aber auch viel über und für sich selbst lernen kann.

 Ablauf

  • Am Anfang gab es eine Kennenlern-Runde, bei der deutlich wurde, wo Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Teilnehmenden bestanden (→ Homogenität/Heterogenität)
  • Anschließend sammelten die Teilnehmenden an einem Flipchart Stichpunkte, die umschrieben, inwiefern ihre Studierenden sich als heterogene Gruppen betrachten lassen; Ergänzungen und Erläuterungen durch die Referentin
  • Die Teilnehmenden machten sich Gedanken über die gesammelten Aspekte und tauschten sich über die Frage aus, wann jemand ihnen selbst gegenüber schon einmal aufgrund von Äußerlichkeiten Vorurteile ins Spiel gebracht hat. Dabei ging es sowohl um positive als auch um negative Vorurteile.
  • Mittelstädt wies darauf hin, dass Vorurteile anderer für betroffene Personen zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden können bzw. dass ein gewisses Risiko dafür besteht: Etwa können positive oder negative Worte zu Schüler_innen vor einem Test dazu beitragen, dass sie besser/schlechter abschneiden als eine Kontrollgruppe. Insofern können Vorurteile, selbst wenn sie jemandem keinen direkten Schaden zuzufügen scheinen, für eine Person gefährlich werden.
  • Mittelstädt hat ein Modell zusammengestellt, das die Grundbedürfnisse aller Studierenden in knappen Schlagworten aufgreift. In Kleingruppen tauschten sich die Teilnehmenden zu allen Begriffen aus, reflektierten darüber, welche Bedeutung diese Bedürfnisse der Studierenden für ihre Lehre haben und was sie tun können, um diesen Bedürfnissen entgegenzukommen. Es kam ein reger Austausch zustande, zudem war das Gespräch sehr an der Lehrpraxis orientiert.
  • Link zum Modell: https://www.uni-koblenz-landau.de/de/landau/hda/mat/vuks3

 

Ein lebendiger Workshop, bei dem sich durch Arbeit in Kleingruppen jede und jeder einbringen konnte und selbst „ins Denken kam“.

Feedback einer Teilnehmerin

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