Sozialistisches Wohnen in Deutschland unter der Lupe

Studierende der Geschichtswissenschaft produzieren eigene Hörmedien

Im Projektseminar „Zwischen Utopie, Ideologie und Pragmatismus – Sozialistisches Wohnen in Deutschland 1918-1989“ bekommen Studierende Einblicke in gesellschaftliche Geschichtsvermittlung fernab von wissenschaftlichem Arbeiten und Universität. Nach einem Besuch beim NDR-Info-Studio in Hamburg und einer Einführung in die Welt der Hörmedien, machen sich die Studierenden an ihre eigenen Produktionen zum Thema.

Bildquelle: Sasha Pleshco/Unsplash

Text: Rebecca Such (Studentin/PerLe)

Seine Reisen durch Osteuropa brachten Sebastian Balling auf die Idee für ein Seminar zum sozialistischen Wohnen. Im von ihm angebotenen Projektseminar „Zwischen Utopie, Ideologie und Pragmatismus – Sozialistisches Wohnen in Deutschland 1918-1989“ im Wintersemester 2019/20 beschäftigen sich fünf Studierende mit dem Thema und produzieren eigene Medienbeiträge mit ihren Rechercheergebnissen. Sozialistisches Wohnen war in den 1920er Jahren stark mit Vorstellungen vom „Neuen Menschen“ und den aufkommenden Techniken des Social Engineering, das heißt der expertengeleiteten Beeinflussung alltäglichen Wohnverhaltens von Arbeiter_innen, verbunden.

Hinter der Idee für das Veranstaltungskonzept steckt der Gedanke, den Studierenden berufsorientierend Einblicke in die Welt Medienschaffender zu geben. Außerdem will Balling die Studierenden mit Veröffentlichungsformaten vertraut machen, die in der Wissenschaft zwar unüblich sind, in der alltäglichen, gesellschaftlichen Geschichtsvermittlung aber eine wichtige Rolle spielen.

In Vorbereitung auf die eigentliche Aufgabe – Produktion eines eigenen Hörmediums und Erstellung eines Portfolios – stand eine Exkursion in das Hamburger NDR Info-Studio an. In Gesprächen mit den Redakteur_innen Wolfgang Müller, zuständig für das „Forum Zeitgeschichte“, und Sabine Rein erfuhren die Studierenden von deren Berufsalltag. „Es war sowohl für mich wie auch die Studierenden interessant zu sehen, wie Radiobeiträge eigentlich entstehen,“ erzählt Sebastian Balling. „Besonders der Abgleich von eigenen Vorstellungen und der Realität der Nachrichtenproduktion war spannend.“

Um die technische Umsetzung des Projekts bewältigen zu können, erhielten die Studierenden Input zur Konzeptionierung, Aufnahmetechnik und Postproduktion. Bis Ende März haben sie nun Zeit, ihre Beiträge in die Tat umzusetzen. Drei Formate werden am Ende voraussichtlich dabei herauskommen, die sich mit den DDR-Planstädten Halle-Neustadt und Hoyerswerda, der Siedlung Dammerstock in Karlsruhe sowie Eisenhüttenstadt auseinandersetzen.

Die Frage, ob Sebastian Balling das Projektseminar noch einmal anbieten würde, beantwortet er positiv – jedoch mit einigen Änderungen. Im Nachhinein wäre ein intensiverer Fokus auf den Medienbetrieb und mehr Anleitung im Seminar wichtig gewesen, so der Dozent. „Die Rückbindung an Praxispartner_innen aus der Medienwelt ist unerlässlich,“ rät Balling außerdem. Im Vergleich zum Beispiel zu einer Posterausstellung als Seminarergebnis seien eigene Medienproduktionen wesentlich aufwendiger für Dozent_innen und Studierende – ein Aufwand, der sich jedoch lohne.

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