Diversität in der Hochschullehre

Kurzdokumentation aus dem Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe)

Diversität bezeichnet ein Konzept aus der Soziologie, das Vielfalt als Selbstverständlichkeit und die Unterschiedlichkeit von Individuen und Gruppen als Mehrwert betrachtet. Die Anerkennung von Diversität und der angemessene, konstruktive Umgang mit ihr trägt zu einem positiven, diskriminierungsfreien Klima bei – auch an Hochschulen. Die dritte Kurzdokumentation aus der Serie „Impulse – Videos zu aktuellen Themen der Hochschullehre“ vom Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) beleuchtet Grundlagen und Umsetzungsmöglichkeiten diversitätsorientierter Hochschullehre.

Text: Kathrin Ludwig (Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen – PerLe)

Professorin Uta Klein (Arbeitsbereich Gender & Diversity Studies, CAU Kiel) betrachtet das Thema aus soziologischer Perspektive, während Dr. Birgit Szczyrba (Zentrum für Lehrentwicklung, TH Köln) von ihren Erfahrungen mit der Umsetzung diversitätsorientierter Lehre berichtet.

 

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Diversität ist nicht immer offensichtlich

Lehre diversitätssensibel zu gestalten, macht einen Teil der Lehrkompetenz aus, die zu einer Verbesserung der Lehre beitragen kann. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen: Hinter dem Stichwort der Barrierearmen Lehre steht das Anliegen, vermeintliche oder tatsächliche Hürden abzubauen, die Studierende daran hindern, ihr Leistungspotential voll zu entwickeln. Diversitätssensibel zu handeln, kann jedoch auch bedeuten, individuelle Stärken Studierender wahrzunehmen und ihnen die Möglichkeit zu geben, diese Stärken in einem wertschätzenden, diskriminierungsfreien Klima zu entfalten.

Am Beginn einer diversitätsorientierten Lehre steht die Reflexion über die Heterogenität der Lerngruppe. Was wie eine Selbstverständlichkeit klingt, ist ein entscheidender Punkt, da die Diversität einer Gruppe keineswegs immer offenkundig ist. So ist beispielsweise belegt, dass unsichtbare Faktoren wie etwa die soziale Herkunft einen entscheidenden Faktor beim Studienerfolg darstellen können (Quellen: Sozialerhebung 2016, S. 26-29; Zensus 2011). Auch das Vorwissen, über das Studierende verfügen, oder die Präferenzen, die sie beim Lernen haben, erschließen sich nicht auf den ersten Blick. Dabei sind all diese Voraussetzungen relevant, um eine Veranstaltung auf die Lernenden abzustimmen und zum bestmöglichen Lernen anzuregen.

Verschiedene Konzepte zum Umgang mit Diversität

Einige hochschuldidaktische Konzepte eignen sich besonders für den Umgang mit Diversität in der Lerngruppe. Das sogenannte Constructive Alignment von John Biggs geht davon aus, dass die Studierenden im Lauf einer Veranstaltung bestimmte, zuvor festgelegte Lernziele erreichen. Die Abstimmung von Lernzielen, Gestaltung der Veranstaltung und Prüfung soll für transparente und faire Lernbedingungen sorgen. Dabei ist die Aufgabenstellung sowohl in der Veranstaltung selbst als auch in der Prüfung besonders wichtig: Anwendungsorientierte Aufgaben, die Studierende zu Reflexion und Erkenntnis anregen, stehen im Vordergrund. Lernangebote sind möglichst so ausgerichtet, dass sie zur kognitiven Aktivierung aller Studierenden beitragen.

Prüfungen diversitätssensibel gestalten

Gewöhnlich ist im Rahmen des Fachcurriculums vorgegeben, welche Art von Prüfung zu einer Veranstaltung stattfinden soll. Studierende, für die ein bestimmtes Prüfungsformat eine Barriere darstellt, können einen Nachteilsausgleich* beantragen, der durch die amtliche Anerkennung einer Benachteiligung für Chancengleichheit während der Prüfung sorgen soll. Und obwohl es einerseits von Transparenz und Fairness zeugt, alle Studierenden gleich zu behandeln, das heißt sie auch der gleichen Prüfung zu unterziehen, kann andererseits aufgrund der Diversität einer Lerngruppe das Prüfungsformat zu den unterschiedlichen Teilnehmenden unterschiedlich gut passen.

Je nachdem, welche Inhalte bei einer Prüfung im Mittelpunkt stehen, können beispielsweise persönliche Erfahrungen Teil einer Leistung werden. Auch die Arbeit an einem Forschungsprozess, etwa beim Forschenden Lernen, und der Umgang mit dessen Ergebnissen, ist bewertbar, obwohl es hier eine Herausforderung für die Prüfenden ist, Kriterien zu entwickeln und diese standardisiert anzuwenden. Einige praktische Prüfungen lassen unterschiedliche Herangehensweisen zu und bieten im optimalen Fall verschiedene Möglichkeiten, die gestellte Aufgabe zu lösen – vorausgesetzt, dies wird bei Erstellung der Prüfung berücksichtigt. Generell gilt, dass sich Wissen nachhaltiger verankert, wenn es mit praktischer Erfahrung verbunden ist. Zu diesem Thema forscht z. B. Professorin Gabi Reinmann an der Universität Hamburg. Doch auch theoretisches Wissen lässt sich leichter erwerben, wenn es in unterschiedlichen Kontexten verwendet und aus wechselnden Perspektiven betrachtet wird (Lesetipp zum Thema: „Kompetent Prüfungen gestalten“).

* §12 der Prüfungsverfahrensordnung für die Bachelor-/Masterstudiengänge sowie §8 der Prüfungsverfahrensordnung für die Diplom-/Magisterstudiengänge der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Weitere Unterstützungsmöglichkeiten

Auf den ersten Blick kann es für Lehrende einen Mehraufwand bedeuten, auf die Diversität ihrer Studierenden einzugehen, um Barrieren abzubauen und ein möglichst diskriminierungsfreies Klima zu erzeugen. Doch der Mehrwert für alle Beteiligten ist groß. Das Angebot von E-Learning-Formaten kann beispielsweise für chronisch kranke Studierende oder für Seminarteilnehmende mit privaten Betreuungsaufgaben eine große Entlastung bedeuten. Barrierefreie Lernressourcen ermöglichen nicht nur Studierenden mit einer Sehbeeinträchtigung, sondern allen Teilnehmenden einer Lehrveranstaltung, Lernmaterial den eigenen Bedürfnissen anzupassen, es zu formatieren oder nach Bedarf zu ergänzen.

Auch vom Austausch der Studierenden untereinander, den etwa unterschiedliche Sozialformen oder Peer-Learning-Formate fördern, profitieren alle Teilnehmenden. Nicht zuletzt fördern diversitätssensible Lehr- und Lernkonzepte an Hochschulen insgesamt eine Kultur der Sensibilität und Wertschätzung.

 

Weiterführende Links

  • Hinweise zur Beratung und Unterstützung sowie Qualifizierungsangebote zur didaktischen Gestaltung und Umsetzung Ihrer Lehre finden Sie hier.
  • Ein Beispiel für diversitätssensibles Prüfen: Details zu Abschlussprüfungen für Studentische Bildungsinitiativen am ZfS sowie PDF-Vorlagen zur Vorbereitung solcher Prüfungen finden Sie in diesem Blogartikel.

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